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Nordfriesland Tageblatt

11. Dezember 2016 | 13:03 Uhr

Milchtankstelle : Von der Kuh direkt in die Zapfanlage

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

In Klockries eröffnet am Mittwoch Südtonderns erste Milchtankstelle. Der Landwirt investiert 27 500 Euro für die Direktvermarktung per Automat.

„Wir machen es wie früher.“ Unter diesem Motto eröffnet der Landwirt Sönke Christiansen (57) auf seinem „Christiansen-Hof“ in Klockries 58 mithilfe seiner gleichaltrigen Lebensgefährtin Sabine Mohr eine Milchtanke. Darunter ist die Selbstvermarktung frischer Rohmilch zu verstehen, die Kunden aus der 3700-Einwohner-Gemeinde und der Nahregion täglich zwischen 4 und 23 Uhr für einen Euro pro Liter selbst zapfen können.

„Milch ist unsere Leidenschaft“, heißt es in einem Flyer, den der Christiansen-Hof hat drucken lassen und im Dorf verteilt. Auf dem kleinen zertifizierten Familienbetrieb inmitten der zur Gemeinde Risum-Lindholm gehörenden Ortschaft Klockries werden 35 Kühe gehalten, überwiegend Schwarzbunte, zum Teil Rotbunte und deutsch-österreichische Simmentaler. Risum-Lindholm, nach eigener Darstellung „ ein Dorf, das alles hat“, hatte bislang in der Tat noch nicht alles. Es fehlte noch die Tankstelle, aus der „Milch von glücklichen Kühen“ fließt.

Im Flyer heißt es, „wir lieben unsere Kühe“, womit der Landwirt auf den ausgedehnten Weidegang seiner Tiere antippt, durch den sie bestes Futter erhalten, wo die Kälber auf der Weide die ersten Wochen neben ihrer Mama laufen und danach liebevoll mit der Hand aufgezogen werden. „Daher schmeckt unsere frische Landmilch auch so gut“, folgert Sönke Christiansen und beschwört auch ein wenig altbäuerliche Romantik herauf. Warum eigentlich auch nicht? Zumal es auf dem nationalen Milchmarkt mit Literpreisen von 21 Cent dramatisch mies steht.

Landwirt Christiansen schwebte schon lange eine Hofvermarktung vor. Jetzt hat er sie „dank“ des Marktdrucks realisiert. Ob seine Rechnung in einem weniger dichtbesiedelten Umfeld aufgeht, muss die Zeit zeigen. In die Tankstelle hat er mitsamt dem Bau einer externen reetgedeckten Station und dem in Nordrhein-Westfalen gebauten Zapfautomaten 27  500 Euro investiert – ein gerüttelt Maß an Eigenleistungen nicht eingerechnet. Wenn täglich etwa 50 Liter pure gesunde Rohmilch gezapft würden, käme er über die Runden. Etwas mehr verkaufte Milch wäre besser, wenn es stimmt, dass Leute gerne zehn bis zwölf Kilometer in Kauf nehmen, um gehaltvolle Milch (4,5 Prozent Fettgehalt im Jahresmittel) zu zapfen – Milch übrigens, die zu Hause möglichst abgekocht werden sollte.

Der Zapftank der Tankstelle fasst 150 Liter und wird aus dem Haustank nach Bedarf befüllt. Die Tanke nimmt automatisch das Milchgeld entgegen und gibt auf Münzen und Scheine überzähliges Geld zurück. Der Löwenanteil der täglich gemolkenen Milch wird alle 48 Stunden vom Milchtanker abgeholt und nach Nordhackstedt gefahren, wo die Milch in Diensten des Deutschen Milchkontors in Bremen (DMK) weiterverarbeitet wird.

Die Abholer können zum Zapfen der Rohmilch ihre alten häuslichen Milchkannen wiederbeleben. Sie können aber auch auf dem Christiansen-Hof umweltschonende Mehrweg-Milchflaschen erwerben. Wenn es läuft, planen Sönke Christiansen und Sabine Mohr die Ausweitung ihrer Offerte auf weitere Hoferzeugnisse. Aber das ist eine Frage der Zeit. Zurzeit freuen sie sich über die vielen „Likes“ auf Facebook, mit denen den mutigen Selbstvermarktern teils Interesse, teils große Anerkennung bekundet wird, die sich in klingender Münze niederschlagen sollte. Heute Abend um 19 Uhr ist offizielle Eröffnung der Klockrieser Milchtanke. Bürgermeister Hauke Christiansen wird mit von der Partie sein – und der Tanke ein lebhaftes Sprudeln wünschen.


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erstellt am 13.Sep.2016 | 06:30 Uhr

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