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Nordfriesland Tageblatt

08. Dezember 2016 | 09:01 Uhr

Südtondern : Viel Platz, aber wenig Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Über 100 Wohnungen hält das Ordnungsamt derzeit für Flüchtlinge bereit – auch wenn nicht alle Unterkünfte voll ausgelastet oder belegt sind.

Das Amt Südtondern hatte sich vorbereitet: 114 Wohnungen und Häuser wurden im letzten Jahr in den hiesigen Gemeinden angemietet, um bei Bedarf Platz für Flüchtlinge bereitstellen zu können. Zu der Zeit strömten auch noch reichlich Neuankömmlinge aus den Krisengebieten in den Norden. Knapp 400 kamen 2015 nach Südtondern.

Kaum aber, dass die vielen Mietverträge unterschrieben waren, ebbte der Flüchtlingsstrom ab. Fritz Walter Baumgardt ist beim Ordnungsamt für die Unterbringung der Hilfesuchenden zuständig. Zu Spitzenzeiten musste er bis zu 20 Flüchtlinge pro Woche auf die Immobilien in der Region verteilen. Wenige Monate später aber sah die Situation schon ganz anders aus. „Es gab sogar Wochen, da kam niemand“, resümiert Baumgardt. So trafen bislang in diesem Jahr nur 96 Asylbewerber ein, erheblich weniger als im Vorjahr.

Eine Situation, auf die das Amt Südtondern reagiert. Auslaufende Mietverträge werden größtenteils nicht mehr verlängert, andere sind bereits gekündigt. Dabei zieht sich das Amt als erstes bevorzugt aus Orten mit geringerer Infrastruktur wie beispielsweise Sprakebüll oder Tinningstedt zurück. Aktuell sind es damit noch 106 Wohnungen, die in Südtondern angemietet sind. Die meisten von ihnen sind auch belegt, nur etwas weniger als zehn Prozent sind unbewohnt.

Weil das Amt Südtondern Leerstände vermeiden will, setzt es auf Teilbelegungen: Die Flüchtlinge werden großzügig auf die Bestandsimmobilien verteilt. Bewusst sind in den Wohnungen oder Häusern jeweils weniger Personen untergebracht, als ursprünglich eingeplant. Baumgardt: „Uns ist es wichtig, Leerstände zu vermeiden, weil sie nie gut für eine Immobilie sind. Es ist einfach besser, wenn sich vor Ort jemand zum Beispiel um die Grundstückspflege kümmern kann. Das machen einige Flüchtlinge mit Hilfe ihrer Paten ganz vorbildlich.“ Abgesehen davon, dass auch die Wohnsituation für die Flüchtlinge dann entspannter ist.

Da der Flüchtlingsstrom aber nicht kalkulierbar ist, werden zur Sicherheit ein paar Wohnungen weiterhin freigehalten. Denn noch geht Fritz Walter Baumgardt davon aus, dass die jungen Männer, die anfangs verstärkt nach Südtondern kamen, ihre Familien nachholen könnten und dann wieder Platz benötigt wird. „Auch wenn der Familiennachzug noch deutlich geringer ist, als eigentlich erwartet wurde.“

Auch rechnet Baumgardt damit, dass sich die Lage kurzfristig jederzeit wieder verschärfen könnte. „Der Winter steht vor der Tür. Es gibt immer noch sehr große Lager in Griechenland und Italien. Ich gehe davon aus, dass gerade die Zeltstädte zu Beginn der kalten Jahreszeit geräumt werden. Und das könnte bedeuten, dass die Flüchtlinge dann wieder kontrolliert über die Grenzen kommen und verteilt werden.“

Mietausgaben der belegten Wohnräume bekommt das Amt Südtondern über die Sozialzentren erstattet – den Leerstand hingegen nicht. Welche Kosten dadurch für das Amt anfallen werden, kann Baumgardt derzeit noch nicht beziffern. „Letztendlich ist es aber immer noch günstiger, Wohnungen zur Verfügung zu haben, als nachher Flüchtlinge im Hotel oder in Ferienwohnungen unterbringen zu müssen“, ist sich der Beamte sicher und bemängelt dennoch die Gesamtsituation. „Es ist einfach schwierig, auf alles vorbereitet sein zu müssen, ohne je konkrete Aussagen seitens der Politiker zu bekommen. Wie soll man da denn sicher planen können?“

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erstellt am 27.Sep.2016 | 11:32 Uhr

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