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Nordfriesland Tageblatt

26. Mai 2016 | 14:35 Uhr

Rehe auf Niebülls Friedhof : Ungebetene Gäste mit reichlich Appetit

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Besonders Primeln und Stiefmütterchen haben es ihnen angetan: Die Gefräßigkeit von drei Rehen sorgt für Unmut.

Die Übeltäter sind bekannt – und vor allem gefräßig. Im vergangenen Jahr waren es fünf, in diesem Jahr drei Rehe, die für Ärger auf dem Niebüller Friedhof sorgen, da sie immer wieder die Blumen anfressen. Wenn die Friedhofsgärtner Manfred Scheffler und Thorsten Hansen morgens den Dienst auf dem Friedhof antreten, kommen sie gerade noch rechtzeitig, um die ungebetenen Gäste flüchten zu sehen. Graben, Zaun, Gebüsch und quer gespanntes blaues Flatterband sind kein Hindernis für sie.

„Was sollen wir dagegen tun?“, fragt der Niebüller Pastor Dr. Christian Winter, bei dem sich die Anrufe mit den Beschwerden zum Wildfraß häufen. Die einzig wirksame Lösung wäre ein drei Meter hoher Zaun um das Friedhofsgelände herum. „Doch das wäre optisch katastrophal“, weist er diese Möglichkeit deutlich von der Hand. Die andere Lösung braucht noch Zeit – bis die Vegetation wieder genügend Nahrung für das Rehwild bietet.

Der Naturführer verrät, dass das Reh zwar ein klassischer Waldbewohner ist, jedoch stellenweise auch in offener Landschaft lebt – wie das kleine Rudel zurzeit zwischen Niebüll und Klixbüll. Bei Anbruch der Nacht zieht es die Rehe in die Stadt, in der sie nicht bejagt werden dürfen. Im Sommer leben sie familienweise in freier Wildbahn, im Winter rudelweise beieinander. Brunftzeit ist im Juli/August, Geburt der Kitze im Mai/Juni nächsten Jahres. Das Reh ist ein Feinschmecker, berichtet der Biologe Dr. Walter Petersen-Andresen. Zu seiner Nahrung zählen Kräuter, Laub, Nadeln, Knospen und auch die Baumrinde. Leckere „Naschis“ sind zurzeit Stiefmütterchen, Rosen, Primeln und Hornveilchen sowie kurz vor dem Aufbrechen stehende Knospen. Was Rehe nicht mögen, sind miefige Schafwolle, stinkende Pflanzen und rund um die Blumen ausgestreute Hornspäne, die man im Baumarkt bekommen kann. All das ist überflüssig, wenn die Vegetation ihren Tisch in freier Natur wieder etwas reichhaltiger deckt.

Doch bis dahin werden Geduld und Verständnis der Hinterbliebenen auf eine harte Probe gestellt. Hier sieht man die gegen den Rehverbiss über die Blumen gespannten Netze, dort einen Drahtkorb über einem Büschel Primeln. Andere Grabstätten sind total leer gefressen. Auch auf frischen Gräbern sind von den vom Floristen in die Kränze eingebundenen Blumen nur noch die Stiele zu sehen. Die Kirchengemeinde Niebüll sieht keine Lösung für das Problem. Das offenbar Hunger leidende Reh hat auf der Nahrungssuche einen auf dem Parkfriedhof reich gedeckten Tisch gefunden. Wie der Menschen in Kürze seinen Appetit auf den Spargel und die Frühkartoffel stillen kann, tut sich das kluge Reh nun gütlich an den Frühlingsblumen und den köstlichen und nährstoffreichen Knospen junger Bäume. „Das ist normal“, sagt der Waidmann Peter Ewaldsen, der sich auf die Seite der Kreatur stellt und dem Rehwild zugesteht, seinen Heißhunger auf eine Weise zu stillen, die auch mal menschliche Gefühle verletzt.

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erstellt am 26.Mär.2016 | 05:00 Uhr

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