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Nordfriesland Tageblatt

04. Dezember 2016 | 07:10 Uhr

Leck : Unbürokratische Hilfe zur Selbsthilfe

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Besonderes Konzept an neuem Ort: In der Quartierswohnung sollen in familiärer Atmosphäre Stärken von Kindern und Eltern aktiviert werden.

In einem Holzbalken an der Decke warten stabile Haken darauf, Schaukeln und Hängematten Halt zu geben. Ein buntes Bällebad verlockt zum Toben. Der nagelneue Korkboden bietet eine ideale Grundlage zum Krabbeln und Bewegen. „Eigentlich darf dieser Raum gar nicht mit Straßenschuhen betreten werden“, erläutert Marit Brandt, die in der „Quartierswohnung“ im Bramholm 25 die Fäden in der Hand hat. Für die offizielle Einweihung machen die Verantwortlichen aber eine Ausnahme. Die Vertreter des Kreises Nordfriesland, der Jugendhilfe Kompass und der Lebenshilfe Niebüll (Leni) – allesamt an der Trägerschaft des Angebots beteiligt – sowie Abgesandte der Gemeinde Leck dürfen auch im Raum der „Zwerge“ die Schuhe anbehalten. Und sogar ausnahmsweise im Bällebad Platz nehmen: „Die Kinder haben hier mindestens genauso viel Spaß“, sagt Bärbel Wetischka von „Leni“ mit einem Augenzwinkern.

Das Konzept der niedrigschwelligen Hilfe für Kinder und Jugendliche nebst Eltern mitten im Wohngebiet greift jetzt an einem neuen Ort: Das Angebot, das zuvor in der Wikingerstraße 42 zu finden war, ist sozusagen eine Ecke weiter in die Straße Bramholm 25 umgezogen. Das Ziel ist geblieben: Unbürokratische Hilfe zur Selbsthilfe geben – besonders für sozial schwächere Familien im Quartier rund um die Wikingerstraße. Aber nicht nur, wie Marit Brandt von „Leni“ betont: „Die Wohnung mit ihren vielfältigen Angeboten steht allen Bürgern in Leck offen.“

Das ist längst nicht allen bekannt. „Ich wusste nicht, was hier alles angeboten wird“, gibt Lecks stellvertretender Bürgervorsteher Klaus Steen zu. Die bereits erwähnten „Zwerge“, also Kinder bis drei Jahre, finden mit ihren Eltern ebenso Raum in der Wohnung wie Kindergarten- und Grundschulkinder. Zudem gibt es Vorlesestunden (ohne Eltern), die Gruppe „Mach’ mit“ für Eltern und Ehrenamtler, Ferienbetreuung und mehr. „Die Angebote sind für die Familien kostenlos, aber ausdrücklich kein Ersatz für zum Beispiel eine Betreuung im Kindergarten“, erläutert Leni-Mitarbeiterin Marit Brandt. Die „Spielothek“ bietet Spielsachen, Bücher und Gesellschaftsspiele zur Nutzung vor Ort und auch zum Ausleihen.

Rund 30 Familien nehmen die Möglichkeiten in der Wohnung derzeit wahr. Das Konzept „Hilfe zur Selbsthilfe“ geht auf, fühlen sich doch die Nutzer der Angebote mit den Einrichtungen offenbar sehr verbunden. Sie haben auch beim Umzug aus der „Wiki 42“ zum Bramholm geholfen, selbstgestaltete Bilder aufgehängt und den Betreuern vor Ort mit Sätzen wie „Das ist doch mein zweites Zuhause hier“ große Freude bereitet.

Gut 60 Quadratmeter misst die neu angemietete Wohnung, es gibt einen Raum mehr als am bisherigen Standort. „Die Quartierswohnung ist ein echter Gewinn für Leck“, sagt Klaus Steen. Der stellvertretende Bürgervorsteher lobt ausdrücklich, dass das Angebot sich in einer normalen Wohnung befindet. Das gehört zum Konzept, wie Marit Brandt erläutert: „Wir wollen die Hemmschwelle, hierher zu kommen, so niedrig wie möglich halten.“ In der familiären Atmosphäre könne auch leichter die Brücke gebaut werden, andere Hilfsangebote in Erwägung zu ziehen.

Angemietet hat die Wohnung die Lebenshilfe Niebüll, öffentlicher Träger ist der Kreis Nordfriesland, dazu kommt die Kompass gGmbH, freier und gemeinnütziger Träger der Kinder- und Jugendhilfe. Eine besondere Mischung, wie Daniel Thomsen betont, der die Leitung des Fachbereichs „Jugend, Familie und Bildung“ im Kreis Nordfriesland innehat. Denn: In der Quartierswohnung fließen Gelder aus den unterschiedlichen Etats zusammen. „Es ist eine Besonderheit in Nordfriesland, dass hier Jugendhilfe und Eingliederungshilfe kooperieren. Davon träumt man in anderen Kreisen und Städten.“ Er spricht gar von einem „Goldschatz“, der Bedarf für die Angebote sei eindeutig da, zudem lobt er: „Da ist Leck voraus.“ Die Stärken der Kinder und Jugendlichen würden aktiviert sowie die Eltern miteinbezogen.

Wer sich selbst ein Bild von dem Angebot im Bramholm 25 machen möchte, kann einfach wochentags vorbeikommen. „Auch ehrenamtliche Mitarbeiter, zum Beispiel für die Spielothek, sind herzlich willkommen“, ermuntert Bärbel Wetischka von „Leni“.

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erstellt am 22.Jul.2016 | 10:56 Uhr

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