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Segelfliegen : Über den Wolken von Südtondern

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Der Luftsportverein Südtondern wirbt um neue Mitglieder. Im Rahmen einer Aktionswoche stellten die Hobbyflieger ihre Aktivitäten vor.

Jeweils in den Sommerferien bietet der Luftsportverein Südtondern (LSV) Interessierten durch so genannte Schnupper-Wochen auf dem Aventofter Flugplatz die Möglichkeit an das Segelfliegen herangeführt zu werden. Dabei gibt es für die Teilnehmer fast keine Altersbegrenzung. „Wenn eine medizinische Unbedenklichkeit vorliegt, kann jeder ab 14 Jahren bis hin ins hohe Rentenalter am Luftsport teilnehmen“, erklärt Claus von Essen, Pressereferent des Vereins. Das beweisen auch wieder derzeit fünf Flugschüler im Alter von 15 bis 62 Jahren, die voller Begeisterung das herrliche Sommerwetter mit überwiegend sehr guter Thermik über Aventoft nutzen. Betreut und geschult werden sie von den drei erfahrenen Fluglehrern Adalbert Schulz, Wilhelm Merzenich und Peter Dammaschek. Letzterer, schon 18 Jahre LSV-Mitglied und wohnhaft in Lünen bei Dortmund, hat seinen Sohn Christian Konschak (15) als neues LSV-Mitglied und Flugschüler mitgebracht. Beide verbringen die gesamten sechs Wochen Sommerferien im Wohnwagen auf dem Segelfluggelände in Aventoft.

Als einziger Einheimischer Flugschüler aus Aventoft dabei ist Alexander Wenig (15). Der hat in den vergangenen Tagen aber schon mal seinen gleichaltrigen Schulfreund Florian Jaksin aus Niebüll zum „hinein schnuppern“ mitgebracht, der sich nun auch vorstellen kann Mitglied im LSV zu werden. Kurz vor dem Abschluss zum Erwerb des Luftfahrerscheins steht der von Adalbert Schulz für den LSV animierte Stefan Czipulowsky (49) aus Leck, der nur noch einen Streckenflug über 50 Kilometer mit dem Segelflugzeug zu absolvieren hat. „Das ist eine Flugstrecke von Aventoft bis Schafflund und zurück“, so Claus von Essen. Mit Jürgen Findorff (62) aus Hamburg und Volker Heinz (60) aus Bargderheide stehen zwei „echte Schnupperer“ kurz vor dem Vereinseintritt in Aventoft. Sie haben bisher Modellflugzeuge gebaut und fliegen lassen und sind vom technischen Leiter des LSV Südtondern, Matthias Dubbik, geworben worden. Alls drei sind seit vielen Jahren Mitglieder im Modellflugverein Ramelsloh. „Wenn wir Rentner sind, wollen wir ein großes Flugzeug bauen“, hatten sich die beiden Modellflieger früher gesagt. Doch da sich solch ein Unterfangen schwierig gestaltet, haben sie sich nun für das Erlernen des eigenen Fliegens entschieden.

Die Stimmung ist ein weiteres Phänomen beim Luftsportverein Südtondern, denn die Mitglieder kommen deshalb aus vielen Teilen Deutschlands. So ist auch Egon-Manfred Paech (73) aus Troisdorf bei Bonn schon fast 15 Jahr im Verein und weilt hier jährlich mindestens acht Tage lang. „Die Atmosphäre des Clubs ist so hervorragend, dass man sich einfach hierher gezogen fühlt“, so der passionierte Flieger, der seit über 40 Jahren im Luftsport zu Hause ist. Der Mitarbeiter des Verkehrsministeriums wurde seinerzeit durch den stellvertretenden LSV-Vorsitzenden Gerhard Allerdissen, der damals auch Präsident des Deutschen-Aeroclubs war, zum traditionellen Grünkohlessen des Vereins eingeladen und somit auf das Aventofter Segelflug-Idyll aufmerksam. Egon-Manfred Paech ist zwar auch Mitglied im Luftsportverein seiner Heimat, schätzt in Südtondern aber besonders das harmonische Miteinander im Verein und lobt: „Dieser persönliche Kontakt und das Miteinander hier ist auch besonders gut für junge Leute, die sich durch die Mitglieder gut aufgehoben fühlen.“ Der Gemeinschaftssinn ist auch besonders wichtig, denn damit beim Segelfliegen einer in die Luft gehen kann, müssen fünf weitere dafür mitarbeiten. Da muss das Flugzeug in die Startposition geschoben und bis zum Abheben stabilisiert werden, das Windenfahrzeug mit den beiden jeweils 1000 Meter langen und 2,4 Millimeter dicken Stahlseilen ist für den Schleppstart zu bedienen, die Seile sind anschließend wieder zurückzufahren, der Sprechfunk ist zu besetzen und nach der Landung ist das Flugzeug wieder an die Ausgangsposition zu bringen. In alldiese Dinge werden die Flugschüler derzeit eingewiesen, so Claus von Essen.

Beim Fliegen in den doppelsitzigen Segelflugzeugen sitzen sie vor dem Fluglehrer, der bei Bedarf korrigierend eingereift. Sie erhalten Anweisungen, wie zu fliegen ist, damit sie ein Gefühl dafür bekommen. Als Indikator für eine gute Thermik dienen dabei die Möwen, die in die Gebiete mit gutem Aufwind hineinfliegen, so der Experte weiter. So konnten in diesen Tagen schon Flughöhen von 800 bis 1 300 Meter erreicht werden. Pro 100 Meter Flughöhe sinkt die Temperatur um rund ein Grad Celsius und wenn es zu heiß wurde, öffnete man die Seitenfenster der Kabine, „eine biologische Klimaanlage“, schmunzelten die Fluglehrer. Neben den zu Ende gehenden offiziellen Schnupperwochen bietet der LSV weiterhin Interessierten an, auf dem Aventofter Flugplatz vorbei zu schauen. „Neben Jugendlichen sind auch besonders ältere Flugschüler erwünscht, da sie ihr berufliches Know How in den Verein mit hinein bringen. Das ist für die Gesamtheit äußerst wichtig“, wirbt Claus von Essen.


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erstellt am 25.Jul.2014 | 05:45 Uhr

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