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Nordfriesland Tageblatt

05. Dezember 2016 | 19:40 Uhr

Theater gegen Cyber-Mobbing

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Große Aufführung in der Sporthalle: 220 Kinder sind dabei, als Schauspieler auf die Gefahren aufmerksam machen, die im Internet lauern

Während der täglichen Nutzung des Internets werden in den sozialen Medien oftmals gewollt, zufällig, durch Unvorsichtigkeit oder Sicherheitslücken persönliche Informationen preisgegeben, die dann zu Nachteilen oder sogar Gefahren führen können. Scheinbare Anonymität verführt so manchen dazu, Mitmenschen bloßzustellen, zu belästigen, beleidigen oder auch falsche Behauptungen aufzustellen. Durch die Möglichkeit des Datenmissbrauchs kommen prinzipiell alle Nutzer auch als potenzielle Opfer in Frage. Um gerade heranwachsenden jungen Menschen die hieraus entstehenden Gefahren plastisch darzustellen, hatte die Schulsozialarbeiterin an der Emil-Nolde-Schule in Neukirchen, Petra Scharfenberg, das Berliner „Ensemble Radiks“ für eine Theateraufführungen in der Sporthalle engagiert.

In dem Stück „Und dann kam Alex“ zum Thema Gewalt, Mobbing und Bullying unter Jugendlichen wurde den Schülerinnen und Schülern der Klassen acht bis zehn die Verzweiflung des 17-jährigen Schülers Alex dargestellt. Dieser wurde über Jahre gemobbt und gedemütigt, bis er als Mutprobe, um seinen Mitschülern zu imponieren, einen wehrlosen älteren Mann schlägt. Er weiß nicht, dass seine Tat gefilmt und per Handy an Mitschüler gesendet und das Video auch von Lehrern entdeckt wurde. Nach einer misslungenen Geiselnahme in der Schule beschließt er sich das Leben zu nehmen. In einer Art Stationendrama führt Alex das Publikum in seine Welt, die geprägt ist durch die Suche nach Anerkennung und Nähe aber auch durch Sprachlosigkeit und Ignoranz. In prägnanten Dialogszenen schildert er die Beziehung zu seinen Eltern, spricht über Wünsche und Ängste und bezieht sein Umfeld mit ein. Zum Schluss wenden sich die beiden Schauspieler an die Schülerinnen und Schüler zu einer Nachbereitung, um Fragen zu klären: Wie hätte die Eskalation verhindert werden können? War die Entwicklung absehbar? Wer hätte an welchem Punkt eingreifen können oder wer hat Schuld?

Im zweiten Stück „Fake“ oder „War doch nur Spaß“ für die Klassen fünf bis sieben ging es um Cyber-Mobbing, Mobbing und Medienkompetenz. Hier träumt die 17-jährige Lea von einer Karriere als Sängerin und weckt nach Aufnahme in eine Casting-Agentur den Neid ihrer Mitschülerinnen. Diese weiten sich auf Mobbing-Attacken auf diversen Netzwerk-Portalen bis hin zu anonymen Drohanrufen und Beleidigungen aus. Ein Video, das Lea betrunken in einer Toilette zeigt, wird online gestellt. Als sie schließlich auch noch erfährt, dass ihr Freund zu den Mobbern gehört und ihr Vater sie drängt, Anzeige zu erstatten, sieht Lea keinen Ausweg mehr und will sich das Leben nehmen. Aber ein Mitschüler findet sie rechtzeitig, so dass sie gerettet werden kann. Auch hier wandten sich die Darsteller zur Zwischenerläuterung und Nachbesprechung an das junge Publikum.

Das Stück, mit einem fundierten Beitrag zum Thema Medienkompetenz und Cyber-Mobbing, entstand in Zusammenarbeit mit Psychologen und erfahrenen Pädagogen. Geschrieben wurden beide Aufführungen, der in Neukirchen über 220 Kinder beiwohnten, extra als Schul-Präventiv-Theater von Karl Koch, der auch Regie führte. Lehrer und Schüler lobten die schauspielerischen Leistungen.

Die beiden Darsteller, Svenja Petermann, ausgebildete Musical-Darstellerin, und Tim Engemann, ausgebildeter Schauspieler, schlüpften gekonnt in verschiedene Rollen. Die Schauspieler bestätigten, dass es solche Vorfälle, wie sie in den Aufführungen dargestellt wurden, an vielen Schulen tatsächlich gibt. Tim Engemann, der mit Unterbrechungen schon fünf Jahr mit dem Stück unterwegs ist, sprach auch aus eigener Erfahrung, wie er sagte: „Das Thema ist inzwischen für mich eine Herzensangelegenheit geworden.“ Er und auch Svenja Petermann rieten, bei Mobbing immer von außen Hilfe zu holen und mit einer Vertrauensperson darüber zu sprechen. „Ob es Mobbing gibt, entscheidet ihr alle“, sagte er weiter.

Den einzelnen Schulklassen war umfangreiches Begleitmaterial zur Verfügung gestellt worden, sodass die Themen sowohl vor wie auch nach den Aufführungen noch ausführliche behandelt werden konnten.

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erstellt am 12.Okt.2016 | 10:05 Uhr

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