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Nordfriesland Tageblatt

28. März 2017 | 23:41 Uhr

Musik : Stimmgewalt mit russischer Seele

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Schwarzmeerkosaken machten Station in der Christuskirche in Niebüll.Gesamtleiter Peter Orloff war schon in den 60er-Jahren in Niebüll zu Gast.

Die Christuskirche war voll besetzt – wie an Heiligabend. Vor dem Altar der stimmgewaltige Chor der Schwarzmeerkosaken und in deren Mitte ihr musikalischer Gesamtleiter Peter Orloff. Dann zwei Stunden lang atemberaubende Power aus russischer Seele. Die Niebüller und ihre Nachbarn aus dem Umland erlebten einen denkwürdigen Konzertabend, der auch noch durch die besondere Akustik des Gotteshauses getoppt wurde.

War es pures Interesse an russischer Musik oder gar das Interesse an dem Chorleiter? Viele der zumeist älteren Besucher dieses Konzertabends erinnern sich der „musikalisch wilden“ sechziger und siebziger Jahre, als ein Sonnyboy und Mädchenschwarm Peter Orloff durch die Hitparaden beim ZDF und anderen Sendern tingelte, Konzerte gab und Jahr um Jahr die Schlagerfans in Bewegung hielt. Im April 1969 erstürmte er sogar das Friesische Haus in Niebüll, in das ihn Fiete Eck zu einem der damaligen Tanztees geholt hatte. Das liegt 47 Jahre zurück. „Ja, ist erinnere mich schwach an Niebüll“, sagt der heute 72-Jährige, dem man damals den Titel „König der Hitparaden“ gab.

Vorher gehörte er schon mit 14 Jahren als damals Jüngster dem Schwarzmeerkosaken-Chor an, den sein Vater Nikolai gegründet hatte. Nach seiner Karriere als Sänger machte sich Orloff als Komponist, Texter und Produzent einen Namen und versorgte Kollegen wie Peter Maffay, Howard Carpendale und andere „die Tonleiter rauf und runter“ mit Texten und Noten. Um 1990 wandte er sich volkstümlicher Musik zu.

1993 wurde er Produzent der singenden Schwarzmeerkosaken und klinkte sich in die Tradition seiner musikalischen Familie ein, die 1931 in das westfälische Lemgo gezogen war, wo auch der Filius Peter geboren wurde. Die Orloffs waren evangelisch-orthodoxe Christen. Dem Vernehmen nach beginnt für Peter Orloff kein Konzert ohne ein Gebet voran. In der Christuskirche wurde zu Beginn verstorbener Freunde gedacht. Eine Ermunterung auch für seine Fangemeinde, deren verstorbener Freunde und Angehörigen zu gedenken. Dann zog das zwölfköpfige Ensemble – darunter Irina Kripkova (die die „Domra“ zupfte, eine kleine runde Balalaika) – singend, agierend und begeisternd seine Show ab, begleitet von herzhaften Ovationen. Der Reihe nach und wiederholt traten die Sänger Igor, Nasko, Vitali, Vladimir und Fjodor vor ihre Formation – jeder von ihnen ein Star – und begeisterten als Bass, Bariton, Tenor oder sogar als „Soprano“, wie etwa Igor Ishchak, der (stimmlich) auch in Frauenkleidern hätte auftreten können.

Das Programm war bestimmt von russischen und ukrainischen Volksliedern, Kompositionen von Borodin, Tschaikowsky und Glinka. Nicht zu vergessen auch Alexjej Lwoffs Kloster-Ballade „Die Legende von den zwölf Räubern“. Das Ave Maria von Franz Schubert kam ebenso zu Gehör wie Verdis Gefangenenchor aus der Oper Nabucco. Nicht zu vergessen auch der „Weg nach St. Petersburg“.

Bekanntes und Unbekanntes wechselten einander ab, rührten an, generierten Zugabe-Rufe oder wurden „nur“ mit lebhaftem Applaus honoriert.

Die stimmgewaltigen und virtuosen Kosaken hatten ihr Niebüller Publikum an diesem Tag fest im Griff. Und als zum Schluss auch noch der russische Volkshit „Kalinka“ erklang, hatte ein ebenso denkwürdiger wie wunderschöner Musikabend sein stimmungsvolles Ende.


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erstellt am 22.Sep.2016 | 10:41 Uhr

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