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Nordfriesland Tageblatt

05. Dezember 2016 | 13:35 Uhr

Marke Eigenbau : „Starenkästen“ bremsen Raser aus

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Mit zwei Blitzer-Attrappen gehen Anwohner der Klanxbüller Straße in Niebüll erfolgreich gegen Verkehrssünder vor.

Es war ein Sonnabend, als Hauke Carstensen (34) endgültig der Geduldsfaden riss. Der Niebüller wohnt an der Klanxbüller Straße – jener Verkehrsstrecke, die zum nächsten Bahnhof führt und deshalb von denjenigen gern genutzt wird, die einen Zug noch rechtzeitig erreichen wollen und kurz vor dem Niebüller Ortsschild aufs Gaspedal drücken. Eigentlich darf vor der Haustür des Reihenhauses von Hauke Carstensen nur 50 gefahren werden. „Viele rasten hier aber mit bis zu 100 Stundenkilometern durch, besonders in den Abendstunden“, ärgerte sich der Tiefbautechniker. Der Grund, weshalb er letztendlich Eigeninitiative zeigte.

Der handwerklich geübte Carstensen fuhr zum Baumarkt, besorgte sich etwas Holz sowie Farbe und zimmerte sich daraus einen Kasten. Grau ist dieser, briefkastengroß, mit zwei Löchern in der Mitte – eines davon offen für die Stare, das andere mit einem rot angemalten Colaflaschen-Plastikboden als eine Art Linse versehen. Das ganze Objekt ist ungewöhnlich stabil und sieht verdächtig wie ein Blitzgerät aus. „Ist aber ein Starenkasten“, so der Niebüller, der sich selbst zwar durchaus als Vogelfreund bezeichnen würde, sich dabei aber ein Grinsen nicht verkneifen kann. Carstensen spricht dennoch offen von einer Attrappe mit Doppelfunktion als „Nistkasten für Stare“ sowie „Abschreckung für Raser“.

Den Vogelkasten stellte Carstensen vor zwei Jahren zwischen Heckenpflanzen in seinem Garten auf, dicht an die Straße heran. Der erst auf den zweiten Blick sichtbare Kasten zeigte Wirkung. Einige Autofahrer, die von Klanxbüll kamen, bremsten ab. Da aber auf der gegenüberliegenden Fahrbahnseite (nach Klanxbüll hin) das Raser-Problem weit größer war, bastelte Hauke Carsten auf Bitten seines Nachbarn vor ein paar Monaten erneut so einen Kasten.

Die zweite Radar-Falle, wieder Marke „Eigenbau“, wurde nun besser positioniert. Schon von Weitem ist sie auf der Klanxbüller Straße sichtbar. „Viele schauen sich den Starenkasten genauer an, manche machen sogar Fotos“, sagt Carstensen. Selbst die Polizei habe den Holzkasten bereits unter die Lupe genommen – und duldet ihn.

Solange sie auf privatem Grundstück stehen, sind Blitzer-Attrappen in Deutschland erlaubt. Wobei die Polizei generell warnt, dass solche Kästen nicht den Straßenverkehr beeinflussen dürfen – beispielsweise wenn jemand wegen der vermeintlichen Radar-Falle zu abrupt auf die Bremse tritt und der nachfolgende Autofahrer auffährt.

Carstensen hat bislang Derartiges nicht beobachtet. Er ist zufrieden mit den Kästen. Ein paar Monate nach Aufstellen der zweiten Blitzer-Attrappe kann der 34-Jährige nun ein positives Fazit ziehen: Das Raser-Problem habe sich deutlich verringert.

Immer mal wieder wird der Niebüller auf die besonderen Vogelkästen in den beiden Vorgärten angesprochen. „Die meisten finden sie gut. Es gibt aber auch Leute, die das nicht so sehen.“ Einmal sogar habe ein Lkw-Fahrer versucht, einen der Kästen zu entfernen. Es gelang ihm aber nicht, denn die jüngere Attrappe ist an einem echten Schilderpfosten befestigt, der fest im Boden verankert ist. Carstensen war früher Straßenwärter und konnte sich über Kontakte so eine Eisenstange besorgen – was dem Starenkasten noch mehr Authentizität verleiht.

„Ich bin hier nicht der Dauernörgler oder jemand, der sich mit den Autofahrer nur einen Spaß erlauben will“, betont Carstensen. „Ich will nur, dass die Straße sicher ist und dass sich die Autofahrer an Vorschriften halten. Und wenn ich das mit zwei so kleinen Kästen erreichen konnte, dann ist daran doch nichts schlimm“, findet er und ist stolz auf seine Starenkästen – als ein natürlicher Feind der Raser.

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erstellt am 03.Nov.2016 | 06:30 Uhr

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