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Nordfriesland Tageblatt

27. September 2016 | 08:55 Uhr

Oberstufenprojekt in Niebüll : Spielend die Sinne schärfen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

24 angehende Sozialpädagogische Assistenten lernen mit und von Schülern der Carl-Ludwig-Jessen-Schule für ihre berufliche Zukunft

In dem großzügigen Raum der Carl-Ludwig-Jessen-Schule herrscht gespannte Stille. Kinder hocken im Kreis auf dem Boden. „Franziska, sag mir bitte, wo ich dich gerade berühre“, will Anna, angehende Sozialpädagogische Assistentin (SPA), wissen und streicht mit einer violetten Feder der Schülerin in dem roten T-Shirt leicht über den Arm. Franziska hat die Augen geschlossen und überlegt genau, bevor sie ihre Eindrücke schildert. Dann übernimmt Jamie die Feder – und es macht ihm Spaß.

In der Turnhalle nebenan geht es eine Spur lebhafter zu. Emely Klauenberg und Svenja Schiller haben eine schweißtreibende Aufgabe für ihre Schützlinge. Jeweils ein Schüler legt rennend eine Strecke zurück, hebt aus einer Anordnung von farbigen Hütchen eines hoch und nimmt sich einen Beutel. Den gilt es aufzunehmen und am Ziel in eine Kiste zu werfen. Er enthält – Bananenchips. Sie sind leicht zu fühlen und zu erkennen. Und darum geht es heute. „Kreative Sinne“ lautet der Name eines Oberstufenprojekts. Durchgeführt wird es von den Absolventen der Berufsfachschule Sozialpädagogik der Beruflichen Schule des Kreises Nordfriesland in Niebüll. Die 22 Schülerinnen und zwei Schüler – sie werden voraussichtlich im Sommer die Schule als Sozialpädagogische Assistenten verlassen – entschieden sich, das Projekt mit der Carl-Ludwig-Jessen Schule, einem Förderzentrum mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung in Niebüll, zu er- und beleben. Hier werden Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 18 Jahren, die einen umfassenden sonderpädagogischen Förderbedarf aufweisen (Geistigbehindete, Mehrfachbehinderte, Schwerstbehinderte) unterrichtet und zu einer größtmöglichen Selbständigkeit im persönlichen und sozialen Bereich hingeführt.

Die künftigen Sozialpädagogischen Assistenten planten das viertägige Projekt von Anfang bis Ende komplett selbstständig, nahmen Kontakt mit der Schule auf, stimmten die Aktivitäten miteinander ab. Mit Erfolg. Vier Klassen – eine Unterstufe, zwei Mittelstufen und eine Oberstufe – insgesamt 40 Kinder und Jugendliche der Carl-Ludwig-Jessen-Schule – machten mit. Die Klassenlehrerin der künftigen Sozialpädagogischen Assistenten, Karin Panten-Lüthjohann, – sie begleitet gemeinsam mit Stephan Randt das Projekt – ist begeistert: „Hier haben sie die Gelegenheit, in einer Echtsituation das anzuwenden, was sie gelernt haben.“ Der Vorteil an dem mehrtägigen Projekt: Gemachte Erfahrungen des Vortages können am nächsten Tag mit in die Arbeit einfließen. Besonders dankbar ist sie Florian Pagel, stellvertretender Schulleiter der Carl-Ludwig-Jessen-Schule, und seinem Kollegium für diese Chance. Die CLJ hat auch die Kosten für das Material übernommen. Eine wertvolle Unterstützung, denn das Themenfeld „Kreative Sinne“ ist gewaltig.

„Wir haben zu den einzelnen Themen unterschiedliche Angebote vorbereitet, um den beteiligten Kindern vielfältige Möglichkeiten der Sinneserfahrungen zu verschaffen“, berichtet Lisa Ringele über die Vorbereitungen. Die Unterstufe des Förderzentrums beschäftigt sich mit dem Thema „Gleichgewicht und Bewegung“, die Mittelstufe A mit „Hören und Sehen“, die Mittelstufe B hat das Thema „Schmecken/Riechen“, während sich die Oberstufe dem „Tasten und Fühlen“ widmet. Jannik, Rea und Jennifer bereiten sich darauf vor, die bereits vorhandene Tast- und Fühlwand mit Perlen, Steinen, Fliesen oder auch Türschlössern neu zu bestücken, eine andere Gruppe fertigt aus Gips überdimensionale Eier, gefüllt mit allem, was „klingelt, klappert und klötert“ an und bemalt sie – oder stellt aus Spiegelfolie und anderen Materialien Kaleidoskope her. Karin Panten-Lüthjohann: „Das fördert die motorischen Sinne.“ Im Werkraum nebenan fragt Sharia Aderemi gerade Werkzeuge und ihre Funktionen in der Gruppe ab, die später für die Arbeiten genutzt werden sollen.

Die in den vier Tagen gewonnenen Erfahrungen sind für die angehenden SPA und ihre künftige Arbeit eine wertvolle Grundlage. Karin Panten-Lüthjohann: „Sie beobachten sich gegenseitig, erhalten schon vor Ort Rückmeldungen, erfahren Bestätigung und reflektieren jeweils mittags das Erlebte.“ Sie sehen, was bei den Schülern ankommt, lernen, mit den Kindern und ihren unterschiedlichen Begabungen umzugehen. „Die Ergebnisse werden später in der Schule ausgewertet und nach den Osterferien dann schriftlich dokumentiert.“



Die Carl-Ludwig-Jessen-Schule wird derzeit von 70 Schülern besucht. Elf Lehrkräfte, fünf Sozialpädagogische Assistenten sowie sieben Schulbegleiter kümmern sich um die Kinder und Jugendlichen.

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erstellt am 26.Mär.2016 | 06:30 Uhr

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