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Nordfriesland Tageblatt

08. Dezember 2016 | 15:29 Uhr

Ministerin zu Besuch : Sorge um Flugplatz und Grundsteuer

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Finanzministerin Monika Heinold besucht Dörps-Campus in Klixbüll – Bürgermeister berichtet von aktuellen Problemen der Gemeinde.

Das Beste zum Schluss – für Klixbülls Bürgermeister Werner Schweizer trifft das mit Blick auf den gestrigen Besuch von Finanzministerin Monika Heinold in seiner rund 1000 Einwohner zählenden Gemeinde ganz sicher zu. Die Besichtigung des Dörps-Campus und der E-Ladestation ist die 14. und damit letzte Station der fünftägigen Sommertour der Ministerin, die deutlich machen soll, wie viele vorbildliche Projekte im ländlichen Raum mit Fördermitteln der so oft gescholtenen EU erst möglich wurden. Der Dörps-Campus zählt wie das E-Car-Sharing ganz sicher zu diesen modellhaften Projekten. Doch der Bürgermeister nutzt die Gelegenheit auch dazu, der Ministerin von Sorgen und Herausforderungen für seine Gemeinde zu berichten.

Zu diesen zählt die künftige Nutzung des Flugplatzes Leck, der auf Klixbüller Gemeindegebiet liegt. Dort möchte das Kraftfahrtbundesamt (KBA) eine Teststrecke errichten. Doch die Gemeinden Leck, Klixbüll und Tinningstedt haben bereits andere Ideen voran gebracht, sind dafür auch finanziell in Vorleistung gegangen. „Nun kommt der Bund und sagt, uns interessieren eure Pläne nicht. Uns ist wichtig, dass unser Konzept nicht durch die Pläne des KBA zusammenbricht“, betont Schweizer. So dürfe die geplante Textstrecke nicht die mögliche erneute Flugnutzung beeinträchtigen. Der Flugplatz könne laut Schweizer jederzeit binnen 24 Stunden reaktiviert werden. „Es besteht großes Interesse von der Insel Sylt, Leck als Landeplatz Sylt-Festland zu nutzen. Das würde einen riesigen Imagegewinn mit sich bringen“, sagt Schweizer.

Sorgen bereiten ihm auch die 900 Container für 2000 Flüchtlinge, die bisher ungenutzt, ohne Fundament und an verschiedenen Stellen des Flugplatzgeländes stehen würden. „Wir haben für diese vom Land geplante Erstaufnahme eine Abwasserleitung durchs ganze Dorf gelegt. Der Innenminister sollte nun das Fundament bauen, um eine fertige, jederzeit nutzbare Anlage zu haben“, fordert Schweizer.

Die Ministerin zeigt Verständnis, gibt aber zu bedenken, „dass die Entwicklung der Flüchtlingszahlen derzeit vollkommen unklar ist“. Für ein anderes Problem kann Monika Heinold konkrete Hilfe anbieten – die Ungerechtigkeiten, die die derzeitige, auf dem Einheitswert von Immobilien basierende Erhebung der Grundsteuer B mit sich bringt. Dazu führt der Bürgermeister ein Beispiel aus seiner Gemeinde aus: An einem älteren Haus stehen fünf Namensschilder, doch eingetragen ist nur eine Wohneinheit, das bedeutet weniger als 100 Euro Grundsteuer B. Eine Familie mit einem Haus im Neubaugebiet zahle dagegen 300 bis 700 Euro. „Eine eklatante Ungerechtigkeit, die aus Datenschutz-Gründen nicht behoben werden kann und manchen Ort zur Bedarfsgemeinde werden lässt“, sagt Schweizer, der auch schon eine Idee für eine Reform dieser Steuer hat. „Schreiben Sie mir die bitte in einem Brief auf, danach vereinbaren wir einen Termin mit unserer Steuerabteilung“, lautet der gern angenommene Vorschlag der Ministerin.

Über die Raserei durchs Dorf und die drohende Schließung des Krankenhauses in Niebüll kommen dann aber auch die geplanten, durchweg positiven Projekte auf die mit delikaten Schnittchen bestückten Tische in der Mensa des Dörps-Campus. „Alle Kritiker sind verstummt, er funktioniert so wunderbar, wie wir es uns vorgestellt haben“, sagt Schweizer über den 420 Quadratmeter großen Schulanbau zwischen Kindergarten und Grundschule mit multifunktional nutzbaren Räumen (Mensa 1 und 2 sowie dem Flurbereich), Lehrküche, Büro und sanitären Anlagen. Genutzt wird der Anfang des Jahres eröffnete Komplex im Drei-Schicht-Betrieb: Vormittags durch die Grundschule, danach durch die Offene Ganztagsschule sowie den Mensabetrieb, danach steht er allen Vereinen des Ortes sowie den Kooperationspartnern wie Kirche oder der Familienbildungsstätte Niebüll zu Verfügung. 105 Kinder besuchen derzeit die Grundschule der 1000-Einwohner-Gemeinde, 50 Mädchen und Jungen aus Schule und Kindergarten essen im Dörps-Campus Mittag. Was hat die neue Anlage noch bewirkt? „Sie hat die Lebensqualität spürbar erhöht, die Anwohner sind froh, ein neues Ortszentrum zu haben“, sagt der Bürgermeister. „Ich bin begeistert, auch davon, dass die Einsparungen durch die energetische Sanierung des alten Schulgebäudes ausreichen, um die Heizkosten für den Dörps-Campus zu zahlen“, sagt Monika Heinold. 746  700 Euro hat das in der Aktivregion „Nordfriesland Nord“ entwickelte Projekt gekostet, von den förderfähigen Kosten (627  476 Euro) hat das Land 55 Prozent bezuschusst, aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK).

Vorbildlich auch, was Klixbüll in Sachen E-Mobilität leistet. Nach dem erfolgreichen Start des E-Car-Sharings gibt es seit einigen Tagen den Förderbescheid für den Bau von zehn Ladestationen im Ort, drei davon sollen am Dörps-Campus errichtet werden.

Vor der Abfahrt noch schnell ein Stück Kuchen mit Pflaumen aus der Nachbarschaft, dann ist der Ministerinbesuch beendet. „Ich habe mich sehr wohl gefühlt“, sagt Monika Heinold, „ich habe 40 Jahre auf dem Land gelebt und schätze es sehr.“ 

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