zur Navigation springen

Nordfriesland Tageblatt

03. Dezember 2016 | 18:50 Uhr

niebüll : Singend in ein Abenteuer nach Afrika

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Musikalischer und kultureller Austausch: Der Chor der Friedrich-Paulsen-Schule fährt für zwei Wochen nach Tansania – und trifft dort andere Sänger

„Shika moo oder marahaba“, sagt Oliver Schultz-Etzold. Beides heißt „hallo“ und ist Kiswahili. Der Lehrer und Chorleiter an der Friedrich-Paulsen-Schule in Niebüll ist gut vorbereitet. Heute geht es nämlich los. Dann reist der 45-Jährige mit 24 Schülern und drei Begleitpersonen für zwei Wochen ins afrikanische Tansania. Das Ziel ist eine evangelische Privatschule in der Stadt Mpanda. Gemeinsam mit dem dortigen Chor soll ein musikalischer und kultureller Austausch stattfinden.

„Für mich ist das alles absolutes Neuland. Ich habe mich zwar schon mit afrikanischer Musik beschäftigt, bin aber selbst nie dort gewesen“, gesteht der Musiklehrer. Die Reisenden erwartet eine fremde Kultur mit anderen Konventionen. „Frauen zeigen dort wenig Haut. Wer kurze Kleidung trägt, wird schnell als Prostituierte abgestempelt“, erklärt die 18-jährige Schülerin Jule Carstensen.

Nach einem 20-stündigen Flug mit Zwischenstopp reist die Gruppe nach Dar es salaam. Von dort aus erwartet die Reisenden eine Zwei-Tages-Tour nach Mpanda, wo sie zu zweit in Familien der tansanischen Schüler untergebracht sind. „Es wird unglaublich spannend werden“, freut sich Schultz-Etzold auf das Abenteuer. „Weder wir noch unsere Gastgeber sind englische Muttersprachler. Zur Not kommunizieren wir mit Händen und Füßen.“

Die Begegnung soll aber auch über die Musik stattfinden. Gemeinsame Proben und Konzerte sind geplant. Die Gäste haben außerdem Referate über beispielsweise das Schulsystem, Geschlechterrollen oder die Geschichte beider Kulturen vorbereitet. „In der NS-Zeit gab es auch eine deutsche Kolonie in Tansania“, erzählt Carstensen. Im nächsten Jahr soll wahrscheinlich ein Gegenbesuch der tansanischen Schüler stattfinden.

Die Niebüller haben sich bereits im Vorfeld mit der tansanischen Kultur befasst. „In Tansania gibt es mehr als 120 verschiedene Stämme, die nochmal ihre eigene Sprache haben“, erklärt Schultz-Etzold. Kiswahili sei eine sehr komplexe Sprache. „Es wird zwischen gesellschaftlichen Schichten und Generationen unterschieden“, erklärt der Lehrer. Dies zeige sich auch in der Begrüßungsform. Wenn der Lehrer die Klasse voller Schüler betrete, begrüßten sie ihn mit „Shika moo“ („Ich lege mich dir zu Füßen“). Der Lehrer antworte „marahaba“ („Du darfst dich erheben“).

Wie kam es zu der Idee, einen Austausch nach Tansania zu machen? Der Musiklehrer Schultz-Etzold musste aus verschiedenen Gründen eine Chor-Einladung nach New York absagen. „Dann fahren wir eben nach Tansania“, hatte daraufhin Kollegin Ingrid Sievers gesagt. Die Lehrerin machte bereits während ihres ersten Staatsexamens eine Reise ins fremde Land. Sie kennt sich mit Kultur und Sprache aus. Sievers war es auch, die schließlich den Kontakt zur evangelischen Privatschule in Mpanda herstellte, mit der der Austausch stattfinden soll.

Pia Grünberg ist schon gespannt auf die Reise. „Ich freue mich darauf, viele neue Menschen kennenzulernen“, sagt die 14-jährige Schülerin. „So eine Möglichkeit bekommt man so schnell nicht wieder“, ergänzt Niklas Dopp (19). Afrika, ist es dort sicher genug? Was ist mit Unruhen oder Kriminalität? Und was macht man im Notfall? „Tansania ist eins der friedlichsten Länder Afrikas, zudem stimmt die ärztliche Versorgung vor Ort“, beruhigt Schultz-Etzold. Die Reise in die Fremde kostete dennoch einige Vorbereitungen. „Impfungen und Visa waren auch ein großes Thema auf dem ersten Elternabend“, erzählt Schultz-Etzold. Der tansanische Staat setze keine Impfungen für die Einreise ins Land voraus. Allerdings würden Impfungen gegen Gelbfieber und Hepatitis empfohlen. „Ich nehme vorbeugend Tabletten gegen Malaria“, erklärt die jüngste Teilnehmerin Pia Grünberg. „Die Kultur ist außerdem ganz anders und spannend.“ Aufgeregt? „Nein, aber das Feeling kommt bestimmt noch“, antwortet die 14-Jährige.

Die Schüler sind gut vorbereitet und haben einige wichtige Tipps mit im Gepäck. „Wir schlafen in weißer Kleidung – das wehrt die Mücken und Insekten ab“, erklärt Grünberg.

Kurz vor Beginn geriet die Reise noch einmal in Gefahr. „Unser Hauptsponsor mit 10  000 Euro ist plötzlich abgesprungen“, erklärt der Chorleiter. „Es war lange nicht gewiss, dass wir überhaupt fahren“, sagt auch Niklas Dopp. Der große Einsatz der Eltern hat es schließlich doch möglich gemacht. Heute geht es endlich los. 28 Nordfriesen reisen für zwei Wochen in ein fremdes Land und werden mit vielen neuen Erfahrungen im Gepäck zurückkommen. „Tutaunana“, sagt Schultz-Etzold. „Wir werden uns wiedersehen.“

zur Startseite

von
erstellt am 14.Jul.2016 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen