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Nordfriesland Tageblatt

09. Dezember 2016 | 10:46 Uhr

Gotteskoog-See : Seeadler-Nachwuchs stirbt bei Sturm

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Erst im März war ein Wanderweg wegen der Greifvogel-Brut gesperrt worden – jetzt wurde ein Küken tot gefunden.

Trauriges Ende für den Seeadler-Nachwuchs am Gotteskoog-See: Ein erst zehn Tage altes Küken ist vor kurzem bei einem Sturm aus dem Horst gefallen und verendet. Gefunden hat das tote Küken Walther Petersen-Andresen. Der Dagebüller ist im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Seeadlerschutz ehrenamtlich als Horstbetreuer im Einsatz. Seiner Beobachtung nach haben die Elterntiere den ganzen Nachmittag nach dem Jungvogel gesucht. „Eigentlich haben die Seeadler-Paare meistens zwei Junge“, sagt der Experte. Unter dem Horst-Baum sei allerdings ein dichtes Brombeergestrüpp. Es könne sein, dass dort das zweite Küken hineingefallen sei.

Erst Mitte März hatte der Horstbetreuer gemeinsam mit anderen Seeadler-Schützern an die Vernunft der Südtonderaner appelliert, die Seeadler-Familie während der sensiblen Phase der Brutzeit nicht zu stören (wir berichteten). Das Seeadlerpaar brütet seit 2004 meist erfolgreich am Gotteskoogsee, hat in fast jedem Jahr zwei bis drei Jungtiere aufgezogen. In diesem Jahr hatte es einen Baum in einem kleinen Wäldchen unweit eines Wanderweges für seine Familienplanung gewählt. Deshalb hatten die Naturschützer den Wanderweg für Spaziergänger befristet gesperrt. Allerdings: Kurz nachdem die Sperr-Schilder angebracht worden waren, hatten sie Unbekannte wieder mutwillig entfernt. Jetzt hat Petersen-Andresen die Sperrung des Wanderweges in Absprache mit Gerd Oldigs vom Deich- und Sielverband Südwesthörn-Bongsiel wieder aufgehoben.

Warum hat das Seeadler-Paar das Nest seinen anderen Horsten im Revier – es hat mehrere zur Auswahl – vorgezogen? Der Brutplatz auf der Sitka-Fichte, deren Spitze fehlt, ist laut Petersen-Andresen aus Sicht der Seeadler-Eltern praktisch gelegen. Denn der Baum bietet eine breite Plattform für das große Nest, die Eltern können gut an- und abfliegen. Damit ist der Horst allerdings auch weithin sichtbar. Bereits beim ersten Versuch auf besagter Sitka-Fichte vor zwei Jahren war die Brut des Seeadler-Paars nicht von Erfolg gekrönt; damals wurde es gestört und hatte am Ende die Brut aufgegeben.

Jetzt hat nicht der Mensch, sondern höhere Gewalt das Heranwachsen einer neuen Seeadler-Generation verhindert. „Das ist großes Pech, aber auch das ist der Lauf der Natur“, sagt Petersen-Andresen mit spürbarem Bedauern. Das Problem ist dem Experten zufolge, dass an der Westküste die Bäume nicht so alt und damit weniger stabil sind: „Die Sitka-Fichte war zu schwach, der Horst aufgrund der fehlenden Äste zu ungeschützt. Mit seiner Breite bietet das Nest eine zu große Angriffsfläche und wurde vom Sturm heruntergedrückt.“

Der Seeadlerschützer hofft für das nächste Jahr, dass sich die majestätischen Greifvögel für einen Horst auf einem stabileren Baum entscheiden. Auch nach dem Verlust ihrer Brut seien die Seeadler weiterhin in ihrem Revier unterwegs, jetzt könne man sie gemeinsam beobachten. Fünf Seeadler-Paare brüten in Nordfriesland dem Experten zufolge insgesamt, zwei davon in Südtondern, das zweite hat seinen Horst bei Leck. Und es könnten weitere hinzukommen, hofft Walther Petersen-Andresen. Denn in der Nähe von Milstedt, auf Föhr und auf Eiderstedt seien neue, jüngere Seeadler-Paare gesichtet worden. „Das Revier am Gotteskoog-See ist besetzt. Aber es wäre möglich, dass sich weitere Seeadler zum Beispiel bei Aventoft ansiedeln.“

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erstellt am 29.Apr.2016 | 18:20 Uhr

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