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Nordfriesland Tageblatt

11. Dezember 2016 | 01:17 Uhr

Zugvögel auf Durchreise gen Süden : „Schwarze Sonne“: Millionen Stare verdunkeln den Himmel

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Im Oktober sind die Stare die Stars in der Marsch. Die Zugvögel sind auf der Durchreise zu ihren Winterquartieren.

Etwas geduldig müssen derzeit die Pendler entlang der Straße Grellsbülldeich zwischen Aventoft und Süderlügum während der Dämmerung in den frühen Abendstunden sein. Denn insbesondere in Höhe des Hasberger Sees ist die Straße dann an beiden Seiten von Pkw, Wohnmobilen und Bussen – überwiegend von unseren dänischen Nachbarn – dichtgeparkt.

Fast kein Durchkommen auf der Straße Grellsbülldeich.  Fotos: christiansen (3)
Fast kein Durchkommen auf der Straße Grellsbülldeich. Foto: Hans-Werner Christiansen
 

Grund ist das Naturphänomen „Sort Sol“ (Schwarze Sonne), der Tanz von Abertausenden von Staren, die sich in riesigen Vogelschwärmen über dem Marschland sammeln. Diese Zugvögel kommen aus ihren Brutgebieten in Skandinavien und suchen sich auf dem Weg zu ihren südlichen Überwinterungsquartieren insbesondere in den Schilfflächen vom Ruttebüller See bis zum Hasberger See einen Rastplatz. Jeden Abend gegen Sonnenuntergang bilden die Stare dann am Himmel fantastische Formationen, auch um den Angriff von Raubvögeln zu umgehen. Bei Sonnenaufgang oder Gefahr durch Raubtiere steigen sie dann wieder in die Luft und formieren sich zwecks Weiterflug zu riesigen Schwärmen, die am Himmel wie große schwarze Wolken aussehen.

Atemberaubendes Naturschauspiel wird zum Besuchermagneten

Bei diesen auch als Luftballett bezeichneten Flugformationen der Stare wird die Sonne tatsächlich teilweise verdunkelt, weshalb unsere dänischen Nachbarn dieses als „Sort Sol“ (Schwarze Sonne) bezeichnen. Jeweils im Frühjahr und Herbst kam man das atemberaubende Naturschauspiel miterleben. Das wird besonders von Vogelliebhabern aus ganz Dänemark wahrgenommen, die dann zu Tausenden in unsere Region kommen.

Thomas und Elisabeth Ehlefeldt beobachten den nahenden Starenschwarm.
Thomas und Elisabeth Ehlefeldt beobachten den nahenden Starenschwarm. Foto: Hans-Werner Christiansen

So auch die Eheleute Elisabeth und Thomas Ehlefeldt aus Gentofte bei Kopenhagen, die sich einige Tage im dänischen Ballum einquartiert haben, eigens um die Sort Sol zu beobachten. Auch das Ehepaar Karin und Kristian Jul Madsen aus Fredericia verbringt ein langes Wochenende auf dem Campingplatz in Leck, nur um täglich nach Aventoft zum Naturphänomen zu fahren. Während die meisten Dänen schon des öfteren oder einige sogar jährlich nach Aventoft zur Sort Sol kommen, weilten Kirsten Buhl aus Apenrade und Lars Rohde aus Skaneborg zum ersten Mal dort, mit dem knappen Kommentar: „Fantastisch!“ Annebith und Leif Jörgensen aus Hilleröd bei Schloss Fredriksborg auf Nordseeland waren schon vor 20 Jahren das erste mal zum Bestaunen der Stare im Grenzgebiet. Jetzt wohnen sie wieder für ein paar Tage in Tondern, um das tägliche Starenballett zu beobachten.

Mit Klappstühlen und Decken zur Schau der Zugvögel

Viele dänische Besucher sind mit Klappstühlen und Decken ausgerüstet, um an den Seen oder auf der Deichkrone entlang der Wiedau auf die Stare zu warten. Oftmals haben sie ihren eigenen Proviant mit und sind mit Ferngläsern und Kameras bewaffnet. Auch organisierte Busreisen aus ganz Dänemark gibt es zur Schwarzen Sonne, sodass täglich zehn und mehr Busladungen an den markanten Aussichtspunkten anzutreffen sind.

Mit Decke und Proviant: Warten auf die Stare auf der Deichkrone zur Wiedau.
Mit Decke und Proviant: Warten auf die Stare auf der Deichkrone zur Wiedau. Foto: Hans-Werner Christiansen
 

Wer die eintreffenden Stare (und auch die Dänen) beobachten will, hat dazu die beste Gelegenheit ab 17 Uhr am Hasberger See. Etwa 40 Minuten fliegen bis zu 250.000 Vögel wie ein einziger Organismus zusammen.

Wie sich die Stare in diesem Frühjahr in der Deutsch-Dänischen Grenzregion gesammelt haben, sehen Sie hier:

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erstellt am 17.Okt.2016 | 07:45 Uhr

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