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Nordfriesland Tageblatt

07. Dezember 2016 | 11:42 Uhr

Sammlung historischer Raritäten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Von Kufenkünstlern im Kleiseerkoog bis zur Kleinbahn: Erstes Niebüller Geschichtsblatt gibt besondere Einblicke in die Vergangenheit

Mit der ersten Auflage eines Jahreskompendiums hat der Verein für Niebüller Geschichte e. V. einen Volltreffer gelandet. Die Niebüller Geschichtsblätter sind edel gedruckt, kompetent zusammengestellt, spannend zu lesen – und gerade erschienen.

„Was wir im Verein mit Hilfe der Bürger gesammelt haben, zeigen wir in unserem Jahresheft“, erklärt die Vorsitzende Beate Jandt. „Wir möchten die Leser teilhaben lassen an unserer Arbeit im Verein.“ Viele Generationen hätten das Werden und Wachsen des Ortes mitgeprägt. „Es wird daher im Jahresheft um Ereignisse des alltäglichen Lebens und um die Geisteshaltung von Personen gehen, die maßgeblich das Bild Niebülls mitgestaltet haben.“

Dazu haben die aktiven Macher des Geschichtsvereins Beate Jandt, Guido Tödt, Wolfgang Raloff und Albert Panten tief im Archiv gegründelt, sorgfältig recherchiert und fabelhafte Geschichten gefunden.

So sind die Erinnerungen von Peter Müller, der seine Kindheit Anfang des 20. Jahrhunderts in Niebüll beschreibt, ein echter Leckerbissen. Ganz wunderbar die Beschreibung der alten, unvergessenen Kinderspiele oder die Beschreibung des Schlittschuhlaufens im Gotteskoog und anderswo. Sehr lesenswert ist auch ein Beitrag zum Jubiläum der „Kleinbahn“, stets garniert mit fantastischen alten Fotografien. Hier gerät jeder, der damals dabei war, ins Schwärmen. „Die Wiedergabe ist bemerkenswert“, stellt Wolfgang Jandt begeistert fest. Der früherer Direktor der FPS, Wolfgang Raloff, schildert den Besuch der ältesten Niebüllerin, Diana Pohl; er hat zudem ihre Deezbüller Erinnerungen bearbeitet. Diese sind ebenfalls grandios, voller Überraschungen. Was war wo – und warum? Der geneigte Leser erfährt, woher die legendäre Gaststätte Trichter ihren Namen hat. Es wird beschrieben, dass der Tanzsaal kreisrund war, daher eben Trichter. Aufregend ist es zu erfahren, dass der Maler Carl Ludwig Jessen im Turmhaus zu Deezbüll residierte und dass sich sein Atelier im Keller befand. Ein anderer Maler, Kunstmaler Feddersen, war auch ein Kufenkünstler, er kam im Winter vom Kleiseerkoog auf Schlittschuhen nach Deezbüll.

Nicht alles ist leichte Kost. So beschreibt Wolfgang Raloff den Besuch eines Gastes, dessen Mutter durch die Nationalsozialisten umgekommen ist. Ihre Todesanzeige befand sich in seinem Niebüll-Buch zum „3. Reich“. Albert Panten hat einen Bericht aus der Deezbüller Kirchenchronik über die Wilhelmschule (das Gebäude steht heute noch) wiedergefunden. Der Lebensweg des Rektors Alwin Lensch, nach dem die Niebüller Grundschule benannt ist, würdigt Lothar Lamb. Wieder erfährt der Leser bislang Unbekanntes und gerät angesichts der vielen Details ins Nachdenken.

Den Aktiven im Geschichtsverein ist ein kleines Meisterwerk gelungen. Die Niebüller können dankbar sein für diese mühevolle Arbeit. Erhältlich sind die Niebüller Geschichtsblätter in den beiden Niebüller Buchhandlungen Andresen und Leu sowie am Mittwochnachmittag im Geschichtsverein. Der Preis beträgt 8 Euro, die Auflage ist mit 800 Exemplaren bemessen. 

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erstellt am 29.Nov.2016 | 14:51 Uhr

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