zur Navigation springen

Nordfriesland Tageblatt

11. Dezember 2016 | 07:16 Uhr

Nach Rückzug von Ingbert Liebing : Reaktion aus Nordfriesland: „Wir haben die Schnauze voll von dieser Hinterzimmerdiplomatie“

vom

Aus seinem Ärger über den Wechsel an der Spitze der Landespartei macht der Kreisverband Nordfriesland keinen Hehl.

Husum | Nach der Rückzugsankündigung des CDU- Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten Ingbert Liebing brodelt es in dessen Kreisverband Nordfriesland. Wut, Enttäuschung und die Forderung nach Aussprache in den Gremien kennzeichneten eine Sitzung des erweiterten Kreisvorstandes, wie dessen Vorsitzende Astrid Damerow am Dienstag mitteilte.

Liebing hatte am Freitag nach schlechten Umfragewerten seinen Rückzug angekündigt. Nachfolger soll Landtagsfraktionschef Daniel Günther werden.

„Wir haben die Schnauze voll von dieser Hinterzimmerdiplomatie, die Entscheidungen vorbereitet, Leute unter Druck setzt und schließlich die Partei vor vollendete Tatsachen stellt“ - mit diesen ungewöhnlich scharfen Worten wird ein Vorstandsmitglied zitiert. „Demokratie sieht anders aus! Wir lassen uns nicht länger zu Marionetten degradieren“, äußerte sich der Mitteilung zufolge ein anderer Parteitagsdelegierter aus Nordfriesland.

Drei Stunden hätten die Mitglieder des Kreisvorstandes lautstark und emotionsgeladen den Rückzug Liebings aus den Spitzenämtern und die Ursachen, die dazu führten, diskutiert, berichtete die Landtagsabgeordnete Damerow. „Wir können und wollen nach dem erneuten Rückzug eines Landesvorsitzenden nicht so ohne weiteres zur Tagesordnung übergehen“, sagte Damerow. „Hier gilt es noch einiges aufzuarbeiten, um eine echte Einigkeit zu erreichen.“

Der Kreisverband Nordfriesland fordert die Landespartei auf, eine Aussprache zum Rückzug Liebings noch vor dem Landesparteitag zu organisieren, der am 19. November zusammentritt. Dann soll Günther zum neuen Landesvorsitzenden gewählt werden. Dazu wurde für Dienstagabend ein Votum des Landesvorstandes erwartet.

Hintergründe des überraschenden Verzichts von Liebing auf Landesvorsitz und Spitzenkandidatur waren schlechte Umfragewerte für die Partei und ihn persönlich sowie Kritik in der Partei an seinen Führungsqualitäten und mangelnde Präsenz in der Landespolitik. Noch im Juni war Liebing mit 92 Prozent zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 7. Mai 2017 gewählt worden.

Am Montag hatte Landesgeschäftsführer Axel Bernstein erklärt, er wolle dem designierten Landesvorsitzenden Günther nicht in dieser Funktion zur Verfügung stehen. Liebing hatte am Sonntag Spekulationen zurückgewiesen, er wolle im nächsten Jahr möglicherweise doch wieder für den Bundestag kandidieren.

Er sei im Landtagswahlkreis Nordfriesland-Nord zum Direktkandidaten nominiert worden und werde auch bei der Wahl für das Landesparlament antreten. In Liebings bisherigem Bundestags-Wahlkreis Nordfriesland-Dithmarschen-Nord will 2017 die Landtagsabgeordnete Damerow ein Direktmandat für das Parlament in Berlin erringen.

zur Startseite

von
erstellt am 01.Nov.2016 | 16:35 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen