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Nordfriesland Tageblatt

11. Dezember 2016 | 01:23 Uhr

Entwicklung bis 2030 : Quo vadis, Leck?

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Maßnahmen aus einem Ortsentwicklungskonzept sollen die Gemeinde auf den richtigen Weg zu mehr Attraktivität bringen.

Es sind 95 Seiten, angereichert mit diversen Grafiken und Statistiken. Das Ortsentwicklungskonzept, das die Gemeindevertretung jüngst im Lecker Rathaus vorstellte, hat Gewicht. Wie wird sich die Gemeinde in den nächsten Jahren entwickeln? Wie bleibt sie zukunftsfähig? Welcher Weg führt zu diesem Ziel? Auf derartige Fragen geht das Konzept inklusive „Masterplan 2030“ ein – und stand nun zur Debatte.

Vor zwei Jahren hatte die Gemeinde einen Arbeitskreis gebildet, der sich zusammen mit Stadtplanern der „AC Planergruppe“ fortan Gedanken darüber machte, mit welchen Maßnahmen Leck einen positiven Schub bekommen könnte. Vor dem Hintergrund der Schließung des Bundeswehrstandorts, dem drohenden Verlust des Finanzamts sowie dem demografischen Wandel, der sowieso schon wie ein Damoklesschwert über der gesamten Region schwebt, sahen die Gemeindevertreter Handlungsbedarf.

„Alle Fraktionen haben zusammengearbeitet“, lobte Bürgervorsteherin Sabine Detert. „Auch wenn es reichlich Diskussionen gab.“ Letztendlich fasst das Entwicklungskonzept als gemeinsames Ergebnis nun zum einen den Istzustand der Gemeinde mit seinen Stärken und Schwächen zusammen, liefert zum anderen darüber hinaus aber auch ein Maßnahmenprogramm zur Umsetzung.

Manch ein Gemeindevertreter mag überrascht gewesen sein über die vielen positiven Fazite, die das Planungsbüro aus Itzehoe bei der öffentlichen Vorstellung des Ortsentwicklungskonzepts vorab zog. Die Versorgungssituation sei gut. Das Ortszentrum als Haupteinkaufsstandort funktioniere, auch wenn der Durchgangsverkehr zum Teil als störend empfunden werde. Leck verfüge über ein breitgefächertes Potenzial an Grünflächen, die jedoch besser vernetzt werden müssten. Und ungewöhnlich hoch sei die Kaufkraft im Ort. Die Zahl der Haushalte mit hohem Einkommen sei überdurchschnittlich. Auch die soziale Infrastruktur mit den Vereinen sowie dem bunten Gemeindeleben fiel positiv auf. „Leck ist ein sehr kompakter Ort mit kurzen Wegen und daher attraktiv im Vergleich zu anderen Orten in Nordfriesland“, fasste Martin Stepany, Geschäftsführer der AC Planergruppe, die positiven Rahmenbedingungen zusammen. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Deutlich merkbar sei hingegen die fortschreitende Überalterung. „In einigen Quartieren sind 43 Prozent der Bürger über 64 Jahre alt. Der Durchschnitt in Leck liegt bei 24 Prozent“, so Stepany.

Noch zu wenig Bedeutung habe der Tourismus, obwohl der Ort im Gegensatz zu anderen Gemeinden durchaus mit Attraktionen punkten könne. „Freizeitangebote für Urlauber sind vielfältig vorhanden“, betonte Stepany. Es fehle jedoch an einem Alleinstellungsmerkmal.

Im letzten Abschnitt des Ortsentwicklungskonzepts sind daher erste Maßnahme aufgelistet – langfristige und kurzfristige. Alle mit dem Ziel, Leck noch attraktiver zu machen und für Zuwanderung zu sorgen. So müssten unter anderem Wohnungsangebote aufgewertet, Gewerbe- und Arbeitsplatzangebote ausgeweitet werden. Die Verkehrsstruktur müsse verbessert, der zentralörtliche Einzelhandel gestärkt, Freizeit- und Tourismusangebote müssten optimiert werden. Bauland müsse geschaffen werden, denn Bedarf sei vorhanden, da mittlerweile die Haushaltsgrößen schrumpfen. „Immer weniger Personen leben zusammen in einem Haus, die Zahl der Alleinstehenden steigt“, erklärte Stepany.

Als Chance werde die gewerbliche Entwicklung des ehemaligen Flugplatzgeländes gesehen. Die Erweiterung des Gewerbegebiets Nord zum Norden hin werde dadurch hingegen erst einmal auf Eis gelegt.

Im Detail sind es dann Aspekte wie Barrierefreiheit, gemeinsame Öffnungszeiten, umfangreiche Leck-Website, Aufbau einer lokalen Arbeitsstellenbörse, die Schaffung innerörtlicher Fußwege sowie die Belebung des Kirchenmarkts, die gemeinsam zum Ziel führen sollen – frei nach dem ebenfalls neu gefunden Marketing-Slogan „Finde dein Glück in Leck!“.

Eine Reaktivierung der Bahnstrecke, das machte Lecks Bürgermeister Andreas Deidert deutlich, führe hingegen nicht zum Ziel, sondern nur zu einer Zerschneidung des Ortes. Für Deidert ist die Bahndebatte nicht der Rede wert: „Bislang ist die Reaktivierung nur eine Idee, konkrete Pläne dazu gibt es nicht. Genauso könnten wir also über die Idee reden, den Mond zu besiedeln. Das wäre wahrscheinlich ähnlich interessant.“

Am Ende stimmten Lecks Gemeindevertreter über das Ortsentwicklungskonzept 2030 ab. Einstimmig fand es Zuspruch – verbunden mit der Hoffnung, damit einen großen Schritt in die richtige Richtung getan zu haben.

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erstellt am 31.Okt.2016 | 06:00 Uhr

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