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Nordfriesland Tageblatt

10. Dezember 2016 | 02:14 Uhr

„Quadro Nuevo“: In der Welt zuhause

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das bayerische Ensemble begeisterte mit Improvisieren und Experimentieren sein Publikum im Leck-Huus, das zum Teil von weither angereist war

Das Musikensemble „Quadro Nuevo“ traf nicht nur den Hörnerv der Besucher im ausverkauften Leck-Huus. Das Spiel der bayerischen Musiker mit Weltklasse-Niveau umschmeichelte alle Sinne, lieferte ein hochkarätiges Konzert und beste Unterhaltung dazu. „Das ist ein Traum“, schwärmte Renate Andresen, und Edith Brauer meinte nach fast drei Stunden: „Das war keine Minute zu lang!“

Ob in Sydney, Montreal, Kuala Lumpur, Argentinien, von Dänemark über den Balkan bis zur Ukraine, von Laos bis nach New York – „Quadro Nuevo“ ist in allen Konzertsälen der Welt zu Hause, geht aber auch gern in die Provinz auf Kleinkunstbühnen. Nun kamen die Musiker von einem Jazzfestival auf Spiekeroog nach Leck. Im Mai packen sie ihre Instrumente in Athen aus, im Herbst in Norwegen, zwischendurch auf Kuba  ...

Ein Navigationsgerät brauchten die Musiker sicher nicht, schließlich steuerten sie den alten Geesthardenhof bereits zum vierten Mal an. „Wir fühlen uns sehr wohl hier. Und ja, wir haben Lust zum Spielen“, stellte der Saxophonist Mulo Francel gleich zu Beginn klar. Mit einem festgelegten Programm wartete das Ensemble nicht auf, „Quadro Nuevo“ spielte Quadro Nuevo – und sich frei. Energiegeladen und mit leidenschaftlicher Liebe zur Musik und ihren Instrumenten intonierten sie ältere und neue Stücke – je nach Laune und mit vielen Improvisationen. Ihre Vertonung vom Knoblauch-Gewürz betitelten sie beispielsweise als „orientalischen Wurm“, wussten vorher nicht, wie lang er wird oder wohin er sich schlängelt. Dann kam die ungarische „Paprika“ daher – höchst bekömmlich, mal edelsüß, mal scharf und temperamentvoll. Später oder vorher tanzte man im Geiste den argentinischen Tango oder den Walzer bei „Prinzessin Josefine“, spürte das Flair an der türkisch-syrischen Grenze, begleitete Goethe auf seiner Italienreise.

Sentimentale Erinnerungen ließ das Stück „Que reste-t-il de nos amours“ von Charles Trenet aus den 30er-Jahren zu, dann entführten die Musiker aus dem Voralpenland mit warmen und anregenden Melodien in eine Welt, in der die Düfte des Morgen- und Abendlandes zusammenströmen. Kurz: Musik wie eine gute Tasse Mocca.

In „Quadro Nuevos“ Musik spiegeln sich die Kulturen aus fast jeder Ecke der Erde wider – mit nostalgischem Sound, gespielt auf verschiedenen Instrumenten. Jeder Musiker überzeugte als herausragender Solist: Mulo Francel am Saxophon, an der Klarinette und Mandoline, Andreas Hinterseher auf seinem Akkordeon und Bandoneon, D.D. Lowka am sechssaitigen Kontrabass und an den Percussions, Evelyn Huber an der Pedal-Harfe und am Salterio. Gemeinsam haben sie zahlreiche CDs eingespielt, erhielten den deutschen Jazz Award, den europäischen Phonopreis und zwei Echopreise. Nun begeisterte die Weltgruppe mit einem Liederrausch, der in keine Genre-Schublade hereinpasst.

Im Gegenteil: Die Musiker improvisierten, experimentierten und ernteten dafür Standing-Ovations und Jubelrufe. Für die vielen Zuhörer aus Pinneberg, Kiel, Neumünster, Bordesholm oder Flensburg hatte sich die Reise allemal gelohnt. Knud Johannsen kommentierte: „Die Musiker sind kreativ, das unterscheidet sie nicht nur von anderen Bands, sondern ist ein Alleinstellungsmerkmal.“ Bon voyage, „Quadro Nuevo“ – und bis zum nächsten Mal!

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erstellt am 18.Apr.2016 | 10:20 Uhr

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