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Nordfriesland Tageblatt

04. Dezember 2016 | 17:17 Uhr

10 Jahre Kamikaze-Radio : Punk-Fest wegen Auflagen abgesagt

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Zehn Bands wollte Frank Petersen in Ladelund auftreten lassen – doch dann wurden ihm die Forderungen vom Ordnungsamt zu viel.

Für die Jubiläumsfeier „10 Jahre Kamikaze-Radio“ hatte Ladelunds Bürgermeister Rüdiger Brümmer schon einen Flyer in den öffentlichen Aushangkasten gesteckt. Kisten mit 10  000 weiteren Flyer waren diesen Mittwoch bei Veranstalter Frank Petersen eingetroffen. Doch am Vortag hatte Petersen nach einem Telefonat mit einer Sachbearbeiterin vom Ordnungsamt frustriert entschieden, die Veranstaltung abzusagen.

In den Achtzigern gehörte Petersen zu einer Gruppe von 20 Punks in Leck. Seinen Spitznamen „Mini“ („Ich war damals der Kleinste“) trägt er noch heute. Er bezeichnet sich selbst als „alten Punk-Rocker“. Sein Internet-Radiosender wird von Szenekennern gehört. „Ich habe den Sender vor zehn Jahren mit drei alten Kumpels aus Südtondern gegründet. Inzwischen haben wir Kontakte zu Bands und Moderatoren aus ganz Deutschland“, sagt Petersen. „Kamikaze-Radio“ ist für ihn ein Hobby. Mit zehn Bands, Freunden und Bekannten wollte er am 27. August feiern. Ladelunder sollten freien Eintritt erhalten. Nur Besucher von außerhalb hätten Eintritt bezahlen müssen.

Ursprünglich hatte Petersen die Veranstaltung in der „Luftschlossfabrik“ in Flensburg geplant. Doch nachdem das besetzte Gelände Anfang des Jahres geräumt worden war, entschied er sich für eine Lösung vor Ort: Petersen betreibt ein Fuhrunternehmen mit sechs Angestellten im Gewerbeweg in Ladelund. Die Bands sollten auf seinem Firmengelände spielen.

Petersen entwickelte ein Konzept, schloss eine Veranstaltungsversicherung ab und meldete seine Veranstaltung Ende Juni an. „Ich wollte, dass alles seine Ordnung hat, damit nicht irgendwer die Polizei ruft und die abends um 10 Uhr plötzlich den Stecker zieht.“

Anfang des Monats kam es zur Ortsbegehung mit Ordnungsamt und Polizei. „Da kamen schon so komische Fragen“, sagt Petersen. „Der Polizist wollte wissen, was wir machen, wenn Punks anfangen mit Steinen zu schmeißen. Dabei sind diese Zeiten längst vorbei.“

Als Petersen die Auflagen vom Ordnungsamt bekam, überlegte er zum ersten Mal, die Feier abzubrechen. „Ich sollte für vier Sicherheitsleute, acht Ordner und zwei Sanitäter sorgen. Das fand ich übertrieben für schätzungsweise 300, 400 Leute. Und das kostet natürlich. Ich habe mich dann mit meinen Kumpels beraten und wir haben uns gesagt, dass wir 1000 Euro Minus noch ertragen können“, erzählt Petersen. „Ich habe auch eine Genehmigung von der dänischen Schule, dass wir ihren Parkplatz nutzen dürfen, bekommen. Ich musste auch die Verkehrs- und die Bauaufsicht anrufen. Die waren total irritiert, und ich musste sie erst mal überzeugen, dass ich wirklich schriftliche Genehmigungen für verschiedene Sachen brauche. Das ist wohl unüblich, aber das Ordnungsamt hat die halt von mir verlangt.“

Diese Woche habe es dann ein Telefonat mit einer Frau vom Ordnungsamt gegeben. „Ich wollte Leute von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft einsetzen, aber die Dame sagte mir, das ginge nicht. Ich bräuchte speziell ausgebildete Rettungssanitäter, Krankenwagen und Feuerwehr.“ Mit den zusätzlichen Auflagen wäre die Veranstaltung zu teuer geworden. „Wir hätten rund 3500 Euro Minus riskiert. Das hätte ich meiner Frau nicht erklären können“, sagt Petersen. „Und es wäre auch nicht mehr Punkrock, wenn ich beispielsweise Kohle aus meiner Firma in die Veranstaltung gebuttert hätte. Solche Veranstaltungen sind vom Grundgedanken her unkommerziell und sollen sich selbst tragen.“ Also entschied sich Petersen zur Absage.

Bürgermeister Brümmer bedauert die Entscheidung: „Ich finde das schade. Ich hatte mich gefreut, dass jemand hier mal so was aufziehen möchte, und er hat sich so bemüht.“ Brümmer sagt, er habe Petersen geraten, mit dem Chef vom Ordnungsamt zu sprechen. Doch Petersen habe da schon keine Lust mehr gehabt.

Polizei und Ordnungsamt teilten auf Nachfrage mit, sie hätten „keine Bedenken“ bezüglich der Veranstaltung gehabt. Das Amt habe lediglich die „unbekannte Besucherzahl“ berücksichtigen müssen – und die Tatsache, dass die Veranstaltung erstmals stattfinden sollte. Die Feuerwehr-Auflage habe sich nach Abstimmung mit der örtlichen Wehr ergeben. Es sei dem Amt Südtondern ein besonderes Anliegen, Kultur-Veranstalter in ihren Planungen zu unterstützen. Daher sei man irritiert, dass Petersen nicht erneut mit der Sachbearbeiterin gesprochen habe.

Petersen hingegen ist unzufrieden mit der Kommunikation seitens des Amtes und will jetzt in kleinerem Rahmen feiern – geschlossene Gesellschaft. „Wir lassen uns das Feiern nicht verbieten.“ Verloren hätten eigentlich nur die Ladelunder, die freien Eintritt gehabt hätten, sagt Petersen.

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erstellt am 29.Jul.2016 | 19:50 Uhr

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