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Nordfriesland Tageblatt

25. Mai 2016 | 05:18 Uhr

"Deichträumer" in Niebüll : Premiere geglückt

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Musiker harmonieren entspannt miteinander, sie schätzen die leisen Töne und die plattdeutsche Sprache.

Akustik-Pop nennen die „Deichträumer“ ihre Musik: Das ist in der Hauptsache Folk, ein wenig Beat, mal gemixt mit Blues und Pop, mal eindeutig auf modernes Volkslied getrimmt. Am Sonnabend gastierten die Deichträumer erstmals in Niebüll, im Ratskeller.

Mit „Wir wohnen hinter den Deichen“ ging es heimatverbunden los; ein rhythmisches „Lever Düd as Slaav“ muss sein. Gefühlvoll kam ein vertonter Theodor Storm herüber: „Am Fenster lehn“ zeigte eine andere Seite des Trios. Die Musiker harmonierten entspannt miteinander, sie schätzten die leisen Töne, die plattdeutsche Sprache und einen ruhigen Umgangston. Ganz anders bei „Take a ride“, Sängerin Britta Skrypski-Paulsen überzeugte mit ihrer ausgefallenen Stimme. „De tied geiht“ war zum Mitklatschen geeignet, „Wat mi fehlt“ eher besinnlich.

Die Moderation war schelmisch bis trocken. Es gab viele eigene Lieder, circa 80 Prozent des Abends. Wenn Mastermind, Bandleader und Gitarrist Holger Carstensen einen neuen Song einbringt, so wird dieser zunächst gemeinsam weiterentwickelt. Seine Texte beschäftigen sich mit allem, was den Menschen im Norden wichtig zu sein scheint. Zu den humorig gestalteten Themen gehört zum Beispiel die Emanzipation des Mannes oder das Problem mancher Bauern, eine Partnerin zu finden. So wenn Holger Carstensen über sein „Bauer-sucht-Frau“-Lied herrlich räsoniert. Rein textlich sicherlich von Theodor Storm und Klaus Groth beeinflusst. Zu deren Texten komponierte der Struckumer wunderbare Melodien. „Die Stadt“ von Theodor Storm hörte sich nun ganz anders an. Meditativ, gelassen. Doch auch die Natur spielte eine Rolle, die wilde Sturmflut wurde nicht vergessen. Weiter ging es mit „Tetsche Wind“, zur Abwechslung gab es einen Hannes-Wader-Klassiker; er war mal der Nachbar vom Bandchef. Der Saal sang mit. Hauke Carstensen, der sein Hemd vergaß und schnell noch ein neues kaufte, sang vor der Pause sein „New England“ geradezu inbrünstig. Da durfte die Sängerin schon ans Bier.


Harter Rock und leise Töne


Rasant ging es dann weiter: Auf einen flotteren Popsong folgte ein Rungholtlied im Stil von Achim Reichel: Natürlich wieder op platt. Wer glaubte, dass bei „Radar Love“ der Pegel hochgerissen wurde, sah sich angenehm enttäuscht. Die Deichträumer schafften es, harte Rocksongs in angemessener Lautstärke zu präsentieren. Fabelhaft interpretiert dann ein nachdenklicher Text von Erich Kästner: der Blinde an der Ecke. Die Musiker hatten eine erstaunliche Bandbreite an unterschiedlichen Titeln – und alles passte zusammen. So auch um ein schönes Schlaflied, das direkt folgte, oder aber ein kerniges Männerlied. Mit Selbstironie, versteht sich.

Zum Abschluss ließ ein gekonnter Mix mit Liedern von Santa Esmeralda, Reinhard May und einem eigenen Coming home auf Platt das Publikum endgültig toben. Die Zugabe „Sommertag-Reggae“ war noch längst nicht die letzte an diesem Abend. Fazit: Die Deichträumer sind eine Entdeckung, nicht nur für Nordfriesen geeignet. Man spürte vor allem eins: Sie haben Spaß an der Musik!

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erstellt am 18.Jan.2016 | 05:15 Uhr

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