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Nordfriesland Tageblatt

04. Dezember 2016 | 23:32 Uhr

Niebüll/Leck : Polizisten als „Bastarde“ beschimpft

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Eine junge Nordfriesin wird wegen schwerer Beleidigung vom Amtsgericht Niebüll zu einem Arbeitseinsatz von 20 Stunden verurteilt.

„Wir werden oft beleidigt, ohne darauf zu reagieren. Doch in diesem Fall mussten wir Anzeige erstatten, da es doch einige Menschen mitbekommen haben“, sagt S. Hansen (Name geändert) von der Polizei-Zentralstation Leck. Gemeint sind die Vorfälle, die sich am 14. März dieses Jahres auf einem Hof in Leck ereignet haben und gestern vor dem Jugendgericht im Amtsgericht Niebüll verhandelt wurden. Am Ende wurde eine zur Tatzeit 18 Jahre alte Nordfriesin wegen Beleidigung zu 20 Stunden Arbeitsdienst verurteilt, dazu gab es eine Ermahnung. Sowohl der Vertreter der Staatsanwaltschaft als auch die Richterin sahen es als erwiesen an, dass die Angeklagte vier Polizeibeamte als „Scheißbullen“ und „Bastarde“ beschimpft hat. Das Paradoxe daran: Die Frau hatte die Polizei selbst gerufen.

Und zwar zur Wohnung ihrer Mutter, bei der die Angeklagte bis vor wenigen Monaten lebte. Grund des Polizeirufs: Mutter und Tochter sowie der damalige Lebensgefährte der Mutter sollen sich nach heftigem Streit gegenseitig attackiert und verletzt haben. „Ein genauer Sachverhalt war nicht ermittelbar“, sagt der Polizist H. Schmidt (Name geändert) vor Gericht aus, der mit seinem Kollegen damals zu der genannten Wohnung fuhr. Grund: „Tochter und Mutter haben nur rumgeschrien. Deshalb sind wir mit dem Lebensgefährten zur Ausfahrt gegangen, haben ihn dort befragt und auch leichte Verletzungen dokumentiert“, sagt der Beamte. Hansen und sein Kollegen hören den Notruf. Da sie mit ihrem Streifenwagen ganz in der Nähe sind, fahren sie zur Unterstützung der Kollegen ebenfalls zu dem Grundstück. Hansen bestätigt: „Es war nicht möglich, mit den beiden Frauen zu reden. Die Tochter war hysterisch, schrie immer wieder dazwischen. Mutter und Tochter hätten sich dann ins Haus zurückgezogen. Kurze Zeit später habe die Tochter ein Fenster geöffnet und „Verpisst euch, Scheißbullen!“ gerufen. Nach Auskunft beider Polizisten „so laut es nur geht“.

In direkter Nachbarschaft liegt eine Kindertagesstätte, wo um die Mittagszeit viele Mädchen und Jungen von ihren Eltern abgeholt werden. „Einige Mütter und Väter und auch einige Kinder schauten sichtbar verstört zu uns“, sagt Hansen, der daraufhin an der Wohnung der Mutter klingelt und dieser mitteilt, dass ihre Tochter mit einer Anzeige wegen Beleidigung rechnen müsse. Kurze Zeit später habe die Tochter erneut ein Fenster geöffnet und nochmal „Scheißbullen“ geschrien und noch „Bastarde“ hinzu gefügt.

„Das sind schon heftige Beleidigungen. Kein Mensch muss diese auf sich sitzen lassen“, stellt die Richterin bei der Urteilsverkündung klar. Die Anklage wegen Beleidigung hatten nicht nur die beiden geladenen Polizisten, sondern auch ihre Kollegen erhoben. Dennoch bestreitet die Angeklagte bis zum Schluss, dass sie die genannten Schimpfwörter benutzt habe. „Ich habe nur gesagt, was ist das bloß für eine Behörde, und dass die Polizisten mit ihren Wagen vom Hof verschwinden sollen“, sagt die junge Nordfriesin. „Sie sagen also, dass der Polizist gelogen hat?“, fragt die Richterin die Angeklagte nach der Aussage des ersten Beamten. Darauf antwortet die sichtlich aufgewühlte junge Frau nichts. Nach einer kurzen Verhandlungspause will diese zunächst nicht zurück in den Gerichtssaal. Nachdem die Richterin ihr deutlich gemacht hat, dass sie da keine Wahl habe, schaut die junge Frau zunächst bockig zur Seite, unterbricht danach immer wieder die Zeugen bei ihrer Aussage und sogar die Richterin bei der Urteilsverkündung. „Ich glaube den Polizisten ohne Einschränkung. Weil es für sie keinen Grund gibt, sich diese Beleidigungen auszudenken. Die Schilderungen der Beamten sind absolut plausibel und passen zu Ihrem Auftreten vor Gericht“, fährt die Richterin fort. An dieser Einschätzung kann auch die Aussage der Mutter nichts ändern, die die Angeklagte selbst noch als Zeugin berufen hatte. Diese bestätigt die Schilderungen ihrer Tochter.

„Diese Verhandlung ist so überflüssig wie ein Kropf. Hätte sich die Angeklagte entschuldigt, würden wir hier nicht sitzen. Doch das hat sie nicht, daher muss auch ein Urteil gesprochen werden“, sagte der Vertreter der Staatsanwaltschaft, der den Anklage-Vorwurf „voll bestätigt“ sah und einen Arbeitsdienst von 20 Stunden und die Verwarnung als Strafmaß beantragte. Dem folgte die Richterin. Die Angeklagte zeigte sich auch nach dem Urteil noch uneinsichtig und sagte: „Ich mache das nicht, ich habe nichts getan. Ich gehe jetzt zur Polizei, die bekommen ’ne Reise.“ Die Richterin ermahnte: „Erfüllen Sie diese Auflage nicht, drohen Ihnen bis zu vier Wochen Jugend-Arrest.“

 

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erstellt am 13.Okt.2016 | 13:52 Uhr

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