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Nordfriesland Tageblatt

06. Dezember 2016 | 22:54 Uhr

Planen für den Artenschutz

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das Naturschutz-Gebiet „Süderlügumer Binnendünen“ und andere Ökosysteme erhalten ein neues Aussehen

Bei den Hobbygärtner beliebt, den Naturschützern jedoch ein Graus: So prachtvoll sie auch aussehen mögen, Nadelbäume zählen nicht zur heimischen Flora, können Landschaften dominieren und lassen meist nur wenig Licht auf den Erdboden durch. Wo ein Nadelbaum steht, da ist auch Schatten: 77 Prozent des 809 Hektar großen Fauna-Flora-Habitat-Gebiets (FFH) „Süderlügumer Binnendünen“ entsprechen mit Nadel- und Mischwald noch nicht dem, was sich Naturschützer wünschen. Aus diesem Grund ließ das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde in Husum, den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten (SHLF) und dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Flintbek einen Maßnahmenkatalog für Verbesserung erarbeiten.

Im Managementplan „DE-1119-303“ ist aufgeführt, inwieweit sich das FFH-Gebiet weiterentwickeln könnte. Anders als am Galgenberg bei Lütjenholm, wo 2013 rund 18 Hektar Fichtenwald gerodet wurden und der Protest der Bürger daraufhin immens war, soll in Südtondern behutsam vorgegangen werden. „Maßnahmen, die seit Jahrzehnten bereits bestehen, werden fortgeführt und in die richtigen Bahnen gelenkt“, erklärt Marinus van der Ende vom Landesamt . Nicht nur in wenigen Wochen, sondern sukzessive in den nächsten zehn bis 15 Jahren werde sich so das Landschaftsbild ändern.

Das FFH-Gebiet besteht größtenteils aus Nadel- und Mischwald. Darüber hinaus gibt es ökologisch wertvolle Teilflächen, die jedoch durch Verkehrswege voneinander getrennt sind. Zur Gesamtfläche zählen die Naturschutzgebiete „Süderlügumer Binnendünen“ (39 Hektar), „Schwarzberger Moor“ (18 Hektar), „Schwansmoor und Kranichmoor“ (84 Hektar) sowie „Süderberge bei Süderlügum“ (neun Hektar). Ökosysteme, die teils extreme Anpassungen erfordern, weshalb sich dort auch seltene Spezialisten behaupten können. Pflanzen wie das Studentenröschen oder Fettkraut zum Beispiel. Bei den Tieren sind es unter anderem Fledermäuse, Libellen und Ameisen, die dort beheimatet sind.

Um ihnen allen mehr Raum zu geben, soll das kleinteilige FFH-Gebiet langfristig zu einem Verbund zusammengeführt werden. Von Bäumen und Gestrüpp befreit, sollen Korridore geschaffen werden, die Verbindungen zu den einzelnen Ökosystemen herstellen. Entwässerungsgräben werden gestaut, um einen naturnahen Wasserhaushalt zu ermöglichen, Nadelbäume nach und nach durch Eichen und Buchen ersetzt. Einige Trampelpfade sollen verschwinden, Reiter nicht uneingeschränkt das Gebiet nutzen können. Und dort, wo Straßen die Flächen trennen, sind Querungshilfen für Amphibien und Reptilien vorgesehen.

Süderlügums Bürgermeister Christian Magnus Petersen, in dessen Gemeinde der größte Teil des FFH-Gebiets liegt und der zusammen mit anderen Vertretern der anliegenden Gemeinden mit einem Brief an das Landesamt in Flintbek zum Managementplan bereits Stellung nahm, hat nichts gegen die Maßnahmen, sagt er. „Solange die Gesamtfläche des FFH-Gebiets nicht nach und nach ausgeweitet wird und damit irgendwann auch die angrenzenden Flächen, die zum Teil landwirtschaftlich genutzt werden, unter Schutz gestellt werden“, betont Petersen. „Und solange die Maßnahmen nicht auf Kosten der Gemeinde gehen.“ Unter anderem sei im Gebiet eine Aussichtsplattform für Naturfreunde vorgesehen. „Es kann aber nicht sein, dass die Gemeinde zwar nicht die Kosten für das Aufstellen zahlen muss, wohl aber für die regelmäßig anstehende Überprüfung der Sicherheit der Plattform“, sagt Petersen. „Im Grunde muss das jeden Tag geschehen, eine sehr aufwendige Sache. Das sind Geschenke, die man nicht gern nimmt.“ Auch bezweifelt er, dass eine Naherholung in einem Eichenwald besser sei als in einem Nadelwald. Süderlügums Bürgermeister hat Bedenken, dass der Forst der Gemeinde als wirtschaftlicher Faktor verloren geht.

Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume indes teilt mit, dass die Waldflächen weiterhin wirtschaftlich genutzt werden können und sie auch als Naherholungsgebiet zur Verfügung stehen. Beides müsse sich jedoch den Naturschutzzielen unterordnen.

Die Flächen des Managementplans sind fast vollständig im Eigentum der SHLF. Kleinere Bereich sind in Privatbesitz oder Eigentum der Stiftung Naturschutz. Bei der Unteren Naturschutzbehörde, die für die Freiflächen im FFH-Gebiet zuständig ist, finden Schutz- und Pflegemaßnahmen im Jahresrhythmus statt. „Voraussichtlich geht es deshalb erst Herbst 2017 mit den Maßnahmen los“, prognostiziert Franz Brambrink, Leiter vom Fachdienst Umwelt. Wie Süderlügums Förster Torsten Bensemann mitteilt, werden in den Waldbereichen bereits einzelne Maßnahmen durchgeführt. „Beispielsweise die Entwicklung eines neuen Reitwegekonzepts unter Beteiligung der örtlichen Reitvereine“, sagt er. „Und mit dem Korridor zwischen Naturschutzgebiet Kranichmoor und dem ehemaligen Heideweiherbereich werden wir vermutlich im Spätsommer diesen Jahres starten.“

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erstellt am 23.Mai.2016 | 12:28 Uhr

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