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Nordfriesland Tageblatt

11. Dezember 2016 | 01:25 Uhr

Fortschritt : Pavillon: Gemeinde setzt Rotstift an

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Nach einigem Hin und Her steht fest: Das denkmalgeschützte Gebäude in Leck soll in abgespeckter Form für knapp 300000 Euro saniert werden.

Jetzt ist es definitiv beschlossen: Der Pavillon in Leck wird saniert. Dafür hat die Gemeindevertretung im nichtöffentlichen Teil ihrer jüngsten Sitzung mehrheitlich gestimmt. Bereits Mitte Mai sollen die Bauarbeiten laut Bürgermeister Andreas Deidert beginnen – mit einem überarbeiteten Kostenplan. Die Eröffnung des Gastronomiebetriebs in dem Gebäude ist für Oktober anvisiert.

Mehr als 400  000 Euro standen zuletzt im Raum für die Sanierung des überraschend im August 2015 unter Denkmalschutz gestellten Gebäudes am Kirchplatz – eindeutig zu teuer, war die einhellige Meinung. „Mit der neuen Planung bleiben wir unter 300  000 Euro“, so Deidert. Darin enthalten sei sogar ein Puffer für Unvorhergesehenes. In dreieinhalbstündiger Sitzung sei mit Experten des Amtes Südtondern und dem Architekten erörtert worden, „was da in der vorherigen Planung aus dem Ruder gelaufen ist“.

Gestrichen wurden unter anderem die Nachrüstung von Fettabscheider und Lüftungsanlage – diese Maßnahmen seien für das Café „Coffee & Spririt“ als zukünftigen Mieter nicht notwendig. Auch die Fensterfront bleibt zunächst unangetastet. Ursprünglich war dem Bürgermeister zufolge geplant, ein günstiges Darlehen in Anspruch zu nehmen; „allerdings ist der Zinsvorteil derzeit nicht gegeben“. Zudem wären mit dem Sonderkredit immense Auflagen bei der energetischen Sanierung verbunden gewesen. Auf dieser Grundlage verzichte die Gemeinde auf die Umrüstung von der einfach- zur doppeltverglasten Fensterfront – durch die Denkmalschutzauflagen wäre sie aufwendig und teuer, weil sie von außen nicht sichtbar sein dürfe. Aufgeschoben ist laut Deidert nicht aufgehoben: „Wir können alles nachrüsten, wenn zum Beispiel die Heizkosten aus dem Ruder laufen sollten.“

Umfangreich werden die Umbauarbeiten auch ohne die gestrichenen Maßnahmen. Elf Gewerke sind beteiligt, vom Maurer über den Klempner bis zum Fliesenleger. Die asbesthaltigen Dachplatten müssen neuen weichen, nicht irgendwelchen: „Eternitplatten Deutsche Deckung mit Bogenschnitt“, verlangt der Denkmalschutz, auch die drei Schornsteine müssen erhalten werden. Der Anbau mit behindertengerechtem WC hinter dem Gebäude darf auf der rechten Seite „nicht vorspringen“, also nicht sichtbar sein. Die öffentlichen Toiletten im Keller bleiben erhalten, ein Zugang wird jedoch zugemauert. „Die Kellerwand wird gleich mit isoliert, das wäre im Nachgang zu aufwendig“, sagt Lecks Bürgermeister. Und: „Es soll alles schick und hochwertig saniert werden, schließlich haben wir das Thema Pavillon lange in unseren Herzen und Ausschüssen bewegt.“

Dem nichtöffentlichen Beschluss war eine Diskussion zum Thema im öffentlichen Teil der Gemeindevertretung vorangegangen. Unter „Anfragen und Mitteilungen“ erinnerte Gemeindevertreter Klaus Schmidt (UWL) daran, dass vor rund zwei Jahren auch die Option „Abriss“ zur Debatte gestanden habe: „Da hat uns das Land mit dem Denkmalschutz einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Es seien nicht nur Gemeindevertreter da, „die Hurra schreien“. Dem könne er grundsätzlich zustimmen, äußerte Johannes Erichsen-Bey (CDU). Ingo Scholz (CDU) entgegnete: „Wir können es uns nicht leisten, ein Gebäude in derart zentraler Lage im Ort verkommen zu lassen.“ Zuvor sei jahre-, wenn nicht jahrzehntelang nichts am Gebäude passiert. „Die Gemeindevertretung muss jetzt die Suppe auslöffeln und etwas schaffen, womit man sich sehen lassen kann.“

Aus den Reihen der Einwohner hakte Hans-Wilhelm Sievers nach: „Hätte das mit dem Denkmalschutz nicht einer vorher wissen können?“ Die Antwort von Südtonderns Baubereichsleiter Udo Schmäschke: „Nein, das hätte keiner wissen können.“ Der Bauantrag sei an das Kreisbauamt in Husum gegangen, das den Vorgang intern an die Denkmalbehörde weitergeleitet habe. Wenig später sei dann der Pavillon als „herausragendes Gebäude der Nachkriegsmoderne“ klassifiziert worden. Sievers blieb am Ball: „Hätte das nicht wenigstens der Architekt wissen müssen?“ Dazu nahm der anwesende Architekt Oliver Jensen direkt Stellung. Weil es sich um ein besonderes Gebäude handele, habe er rechtzeitig beim Bauamt in Husum abgefragt, ob der Pavillon unter Denkmalschutz stehe – die Antwort sei nein und die Entwicklung nicht vorhersehbar gewesen.

Udo Schmäschke lobte im Namen des Amtest Südtondern, wie außerordentlich konstruktiv die Gemeindevertretung über die Zukunft des Pavillons diskutiert und mehrheitlich beschlossen habe, im zentralen innerörtlichen Bereich Lecks mit der Sanierung des Gebäudes Wirtschaftsförderung zu betreiben. „Auch in dem Wissen, dass man das Geld über eine Mieteinnahme nie wieder reinholen wird.“

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erstellt am 06.Mai.2016 | 06:00 Uhr

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