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Nordfriesland Tageblatt

04. Dezember 2016 | 11:14 Uhr

Sport : Olympia-Unterstützer aus der Region

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Der eine hat ein Haus in Südtondern, der andere wurde hier geboren – gemeinsam haben beide Männer, dass sie derzeit in Brasilien arbeiten.

Trotz einiger negativer Schlagzeilen rund um Olympia freuen sich Millionen sportbegeisterte Menschen auf der ganzen Welt auf den Beginn der Spiele in Brasilien. Dafür, dass die Live-Bilder weltweit auf den Fernsehbildschirmen verfolgt werden können, sorgt unter anderem Stephan Mahl mit seiner Firma „Mahlzeit“ aus Brietlingen (Niedersachsen). Der Kabel-Experte wohnt mit seiner Familie seit eineinhalb Jahren jede freie Minute in Aventoft.

Mahl ist rein zufällig zu seinem Beruf gekommen. Sein Jura-Studium hatte er sich seit 1990 als Kabelhelfer bei verschiedenen TV-Sendern in Hamburg selbst finanziert. Dabei wurde er schnell auf eine Marktlücke aufmerksam, denn so richtig professionell hatte das bis zu dem Zeitpunkt noch keine Firma betrieben. Fortan begann er sich auf die Installation von Kabeln für die Medienbranche zu konzentrieren – und knüpfte schnell international Kontakte.

Entscheidende Leute, mit denen er dort zusammenarbeitete, wechselten in einer personellen Umbruchphase zu den Fußballverbänden Fifa und Uefa, sodass Mahl auch dort an die Jobs kam. Die Verbände, wie auch jetzt das Internationale Olympische Komitee, haben jeweils eigene Firmen, die beauftragt sind, die Großereignisse in Bild und Ton festzuhalten und das sogenannte Weltbild zu produzieren, das dann im Fernsehen zu sehen ist. Diese Firmen beauftragen wiederum unter anderem Mahls Unternehmen.


Hunderte Kilometer Kabel für ein einziges Stadion


Im Vorfeld der Events muss Mahl einen enormen technischen Aufwand betreiben, der etwa zwei Jahre zuvor mit ersten Vorbesichtigungstouren beginnt. Dabei werden in den jeweiligen Sportstätten die Kabelwege festgelegt und vermessen. Gut fünf Monate vor dem Olympia-Start ist Mahl mit seinem Team, bestehend aus 60 festen und freien Mitarbeitern, nach Brasilien gereist. Bei der jüngsten Fußball-Europameisterschaft in Frankreich haben sogar 90 Leute für ihn gearbeitet.

Während der Spiele verbleibt ein Leiter der Projektgruppe aus dem Team in der jeweiligen Sportstätte, um auf den behutsamen Umgang mit den empfindlichen Kabeln und Steckern zu achten sowie um eventuelle Reparaturen durchzuführen. Das Kabel ist Firmeneigentum und wird jeweils von Deutschland in alle Welt zu den Ereignissen transportiert. Wie viele Kilometer Kabel in Brasilien verwendet werden, kann Stephan Mahl noch nicht sagen – aber einen Eindruck von den Dimensionen vermitteln: „Vor vier Jahren in London haben wir alleine in das Olympiastadion 600 Kilometer hineingezogen.“

In der heißen Endphase vor der Eröffnung der Spiele arbeitete das „Mahlzeit“-Team sieben Tage in der Woche. Nun ist alles geschafft. Die Profis verfügen mittlerweile über 15 Jahre Erfahrung in der Medienbranche mit temporären und permanenten Kabelinstallationen sowie in der Planung und Verkabelung von Großereignissen wie den Olympischen Spielen, Asien-Games, Fußballwelt- und Europameisterschaften.

Mahl ist seit dem 26. Februar fast permanent in Brasilien, nur unterbrochen von seiner Arbeit bei der Fußball-EM in Frankreich. Deinstalliert werden die ganzen Kabel erst wieder nach Abschluss der anschließenden Paralympics. Daher endet die Mission für den Neu-Aventofter erst am 1. Oktober.

Mahl und seine Mitarbeiter reisen viel, verkabeln zum Beispiel die Fußballstadien für Olympia in Manaus, Brasilia, Sao Paulo und Salvador. „Das Zika-Virus ist hier übrigens kaum ein Thema, denn es gibt so gut wie keine Mücken. Reine Panikmache. Es wird Antimückenspray ausgeteilt, aber keiner weiß, wofür“, berichtet Mahl. Außerdem wundert er sich, dass in Brasilien noch alles so geordnet abläuft. Er hätte es viel chaotischer erwartet. Seiner Erfahrung nach ist „bei Olympia immer alles ,last minute‘“. Diese Tatsache sei unabhängig von Brasilien.

Die Sportfans rund um den Globus können sich jedenfalls auf gestochen scharfe Live-Bilder im Fernsehen freuen – auch dank des Aventofters.


Ein Nordfriese trifft die Spitzensportler


Mit dem Rodenäser Melf Sönnichsen ist auch ein Nordfriese bei den morgen beginnenden Olympischen Spielen in Brasilien aktiv dabei. Zwar nicht als Athlet, aber als Projektleiter für die Versorgung aller rund 10  000 Athleten der teilnehmenden Nationen mit Bandagen, Orthesen, medizinischen Kompressionsstrümpfen und orthopädischen Einlagen.

Seinen ersten Olympia-Einsatz hat der Abiturient der Friedrich-Paulsen-Schule in Niebüll seinem Beruf als Marketing-Leiter der Bauerfeind-Sportabteilung zu verdanken. Die Bauerfeind AG ist ein seit 1929 in Zeulenroda (Thüringen) bestehendes mittelständisches Familienunternehmen. Im September 2014 fing Sönnichsen dort an, seitdem kümmert er sich um das Projekt Olympia. Neben drei organisatorisch tätigen Mitarbeitern besteht sein Team aus fünf deutschen sowie je einem österreichischen, niederländischen, belgischen und brasilianischen Techniker.

Bis zum 19. August ist Melf Sönnichsen im Olympischen Dorf in Rio im Einsatz. Dort wurde extra eine Klinik für die Athleten eingerichtet. Darin stehen dem deutschen Unternehmen zwei Räume für Physiotherapie und Orthopädie zur Verfügung. Spitzensportler aus aller Welt werden sich dort die Klinke in die Hand geben.

Mit ihren selbst entworfenen und hergestellten Produkten hat sich die Bauerfeind AG zu einem der internationalen Marktführer in der Branche entwickelt. Es werden weltweit rund 2000 Mitarbeiter in über 20 Ländern beschäftigt. Seit 2002 ist das Unternehmen fester Bestandteil der medizinischen Versorgung bei Olympischen Spielen. Zuerst wurde der orthopädie-technische Service ausschließlich für die deutschen Athleten angeboten. Seit 2010 übernimmt das Unternehmen die Versorgung aller Teilnehmer.

Außerdem ist Sönnichsen auch für Treffen im Deutschen Haus, einen Ärztekongress sowie Kundenveranstaltungen seines Unternehmens in Rio zuständig. Sein Beruf ist gewissermaßen auch Teil seiner Hobbys, denn neben Familie und Musik zählen dazu auch Sport und Reisen.

Sönnichsen war nach seinem Studium an der Sporthochschule in Köln bereits bei verschiedenen bekannten Firmen und Verbänden tätig, darunter Hugo Boss, Red Bull, Deutscher Golf-Verband und die österreichische Fußball-Bundesliga. Schon bei diesen Stationen hat er es mit vielen bekannten Größen aus Sport und Wirtschaft zu tun gehabt. Bei seinen ersten Olympischen Spielen freut er sich nun auf weitere Begegnungen mit Berühmtheiten.

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