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Nordfriesland Tageblatt

21. Februar 2017 | 01:50 Uhr

Tag des Denkmals : Ochsen entschieden über Kirchenbau

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

St. Laurentius in Karlum umgeben viele Sagen und Anekdoten – sie ist am Sonntag eines von drei offenen Denkmälern in Südtondern

Eine schneeweiß getünchte Kirche, schützend umgeben von mächtigen Bäumen, deren Blätter im Spätsommerwind sanft rascheln. Der Friedhof, der eher einem Park gleicht, schenkt innere Ruhe, lädt zum Verweilen ein. „Ich habe mich vor elf Jahren auf den ersten Blick in diese Kirche verliebt“, sagt Karin Tuxhorn über das Gotteshaus St. Laurentius in Karlum. Dabei hatte die gebürtige Bielefelderin, die durch ein berufliches Projekt nach Nordfriesland gekommen ist, weite Strecken ihres Lebens gar nichts mit Kirche am Hut. Begeistern für „ihr“ Gotteshaus möchte die blonde Frau mit strahlend blauen Augen am 11. September auch möglichst viele Besucher bei ihren Führungen. Denn am kommenden Sonntag wird landesweit der Tag des offenen Denkmals gefeiert. Die Karlumer Kirche zählt wie die St. Gallus-Kirche in Galmsbüll und das Hans-Momsen-Haus in Dagebüll zu den drei geöffneten Baudenkmälern in Südtondern. Alle Angebote sind Eintrittsfrei.

In St. Laurentius gibt es am 11. September noch einen besonders schönen Grund zum Feiern. Dieser erschließt sich schon wenige Schritte nach Betreten der Kirche – durch den Geruch nach frischer Farbe. Das Gestühl, die Türen und weitere Holzelemente der alten Friesenkirche erstrahlen wieder in frischem Blau. „So wie vor langer Zeit, die heutigen Karlumer kennen ihre Kirche aber nur mit grünem Gestühl“, sagt Karin Tuxhorn, die auch Vorsitzende des 46 Mitglieder zählenden Freundeskreises ist. „Wir haben von mehreren Seiten Fördergelder erhalten, aber ohne das Engagement des Förderkreises wären diese und weitere dringend erforderlichen Sanierungsarbeiten nicht möglich gewesen“, sagt die heutige Buten-Karlumerin, die mittlerweile in Holm wohnt. So konnte in den vergangenen Jahren der Holzwurm aus dem Gebälk, dem Gestühl und der Kanzel vertrieben werden. Die Orgel und die Kanzel wurden saniert, die Kirche mit einem neuen Außenanstrich versehen. Nun erfolgte der neue Anstrich für die Sitzbänke und Türen – wie alle Arbeiten in enger Absprache mit den Denkmalschutz-Behörden.

Besonders im Sommer lässt es sich leicht an St. Laurentius vorbeifahren. Das liegt nicht nur an den großen Bäumen, sondern auch daran, dass diese Kirche nicht im Dorf liegt. Grund dafür ist der Sage nach, dass sich einst die Karlumer und Tinningstedter nicht einigen konnten, in welchem Ort die Kirche erbaut werden sollte. Daher trieb jedes Dorf einen Ochsen auf das andere Dorf zu. Dort, wo sich beide Tieren trafen, wurde der spätromanische Backsteinbau errichtet. Das soll so um das Jahr 1200 gewesen sein.

Viele weitere Sagen und Anekdoten umgeben das Gotteshaus, das 1969 auch zur Drehkulisse für den Film „Die Deutschstunde“, nach dem Roman von Siegfried Lenz wurde. In Karlum wurde damals die Beerdigung von Frau Nansen (Nolde) gedreht.

Eine weitere Besonderheit: St. Laurentius zählt zu den ganz wenigen Kirchen im Land, deren Bienenkorbglocke – eine der ältesten in Schleswig-Holstein – noch per Hand geläutet werden müssen. Mehr Geschichten sollen nicht verraten werden, denn die erzählt Karin Tuxhorn am Sonntag bei ihrer Führung. „Die Atmosphäre hier ist fast magisch. Die Tote gehören hier noch zum Leben. Viele sagen nach einem Konzert: Ich geh’ nochmal zu Inge und meinen damit eine Grabstelle“, sagt Karin Tuxhorn. Der Zauber der ersten Begegnung mit der Kirche ist für sie geblieben, „er ist sogar noch gewachsen“.  

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erstellt am 07.Sep.2016 | 08:45 Uhr

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