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Nordfriesland Tageblatt

11. Dezember 2016 | 01:15 Uhr

Trecker-Fans : Nur Pflügen ist schöner

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Der Schlüterclub Südtondern lud zum kleinen Feldtag nach Lindholm. 250 Besucher kamen zum öffentlichen Maisfahren mit den Nostalgie-Traktoren.

Dieselduft lag wieder in der Luft. Bei dem kleinen Feldtag des Schlüterclubs Südtondern wurde vor 250 Besuchern gehäckselt, gemulcht und gepflügt. Das Besondere an diesem Tag war der kantige Trecker mit der rotsilbernen Lackierung, den gelbgoldenen Felgen sowie der eigenen Fangemeinde: der Schlüter.

Bernd Boysen aus Enge-Sande ist seit 2009 Vorsitzender des Schlüterclubs Südtondern. Ursprünglich hatte die Gründung im Jahr 1996 einen praktischen Hintergrund: Der letzte Schlüter lief im bayerischen Werk in Freising 1993 vom Band. „Um die Ersatzteilabdeckung in der Region zu sichern, gründete sich der erste Schlüterclub Deutschlands hier in Südtondern. Anfangs waren die Mitglieder vor allem aktive Landwirte“, erklärte Boysen. Der 59-Jährige ergänzte: „Mit den Jahren gab es immer weniger Bauern, die noch aktiv einen Schlüter im Gebrauch hatten und die Anzahl der Liebhaber des rotsilbernen Bleches wuchs.“

Somit änderte sich auch die Mitgliederstruktur. Aktuell zählt der Verein 180 Mitglieder. Alles bunt gemischt: „Ein Schlüter ist kein Aufnahmekriterium“, verriet der Vereinsvorsitzende. „Bei uns ist jeder willkommen, der sich für Landtechnik interessiert.“ Den Höhepunkt in der Vereinsgeschichte bildete der große Feldtag 2006 mit mehreren Tausend Besuchern. „Früher war unser Credo: alte Schlüter – neue Anbaugeräte. Irgendwann hat uns die Technik überholt und der Pflug passte nicht mehr zum Trecker“, erläuterte Boysen. Der Club handelte und schraubte die Dimension des Feldtages runter. Seit acht Jahren präsentieren die Vereinsmitglieder den Schlüter mit alter Landtechnik auf einem kleinen Feldtag, wie in diesem Jahr auf der Maisfläche vom Lindholmer Landwirt Peter Sönnichsen. Boysen: „Wir sehen hier heute 25 Schlepper im Einsatz, zwölf davon sind Schlüter.“

Einer freute sich auf diesen Tag ganz besonders. Täglich hat er mit dem zu tun, wovon andere Männer träumen. Er ist der, der den Glanz vergangener Tage in die rotlackierte Landtechnik zurückbringt: „Schlüter-Schmied“ Franz Jensen. Er betreibt eine eigene Werkstatt, die am Lindholmer „Schnapsweg“ gelegen ist. Auf die Frage, was ihn am meisten an dem Trecker fasziniere, wusste er prompt Antwort: „Der Sound, das Aussehen – einfach alles. Der Schlüter ist ein echtes Männerspielzeug. Von elf bis 500 Pferdestärken ist für jeden etwas dabei“, ließ er wissen. Der Besitzer des „Super 1250 Spezial“ verbindet mit dem Feldtag weitaus mehr als nur Schau und Ernte. „Es ist ein Zusammenkommen mit Kollegen, die alle den gleichen Vogel haben“, sagte er und schwang sich in seinen Schlüter. Der hat sogar eine Rückfahreinrichtung integriert – das bedeutet, dass der Fahrersitz um 180 Grad drehbar ist. „So bekomme ich keinen steifen Nacken“, rief er noch, bevor er sich wieder der Arbeit zuwandte und mit dem angebauten, dreireihigen Maishäcksler weiterhäckselte.

Auch der Vereinsnachwuchs ist schon vom Schlütervirus infiziert. Auf Nachfage, was die Lieblingstreckerfarbe des dreijährigen Oscars sei, erwiderte der Blondschopf mit einem klaren und deutlich zu verstehenden „Rot“.




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erstellt am 04.Okt.2016 | 06:00 Uhr

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