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Nordfriesland Tageblatt

06. Dezember 2016 | 15:13 Uhr

Enge-Sande : Notfallübungen für Albig

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Beim Besuch bei Offtec lässt sich der Ministerpräsident verschiedene Rettungseinsätze demonstrieren – und zeigt sich beeindruckt.

Alles Gute kommt von oben? Beim Besuch des Ministerpräsidenten Torsten Albig im „Offshore Trainings- und Entwicklungscluster“ (Offtec) in Enge-Sande sind an der ersten Station alle Blicke gen Himmel gerichtet. Die Aufmerksamkeit gilt Beinen, die aus einer Öffnung der Gondel einer Windkraft-Trainingsanlage baumeln. Im Maschinenraum befindet sich in einigen Metern Höhe nicht nur eine 75 Kilo schwere Plastikpuppe, sondern auch Offtec-Mitarbeiter Stefan Jorzik, der die Rettung eines Verletzten aus der Gondel simuliert.

Bis er den Dummy Stück für Stück durch die schmale Öffnung bugsiert hat, dauert es eine Weile – der Arm der Puppe steht in einem unnatürlichen Winkel vom Rest des Plastikkörpers ab, als der „Gerettete“ endlich befreit und abgeseilt ist. „Der war ein bisschen störrisch. Handball spielen wird er in nächster Zeit nicht mehr“, sagt der Ministerpräsident nach der Vorführung zu Jorzik. Dem steht nach der Rettungsdemonstration die Anstrengung ins Gesicht geschrieben, dem Ministerpräsidenten trotz seines eher launigen Kommentars die Anerkennung für das Gesehene.

Doch das war nur der Anfang: Jetzt geht es hinüber in das Maritime Trainings-Centrum. „Für mich sieht es erstmal so aus wie ein Schwimmbecken, es ist aber tatsächlich eine Hightech-Industrieanlage“, wird Albig später sagen. Eine Vorführung zeigt unter Aufsicht von Wolfgang Raach, dem Ausbildungsleiter für maritime Trainings, was in der Anlage in Enge-Sande möglich ist. Die Wellen schlagen meterhoch, es ist dunkel, es regnet, stürmt und donnert – und mittendrin vier Offshore-Service-Techniker, die um ihr Leben kämpfen und schließlich mit geübten Bewegungen und der richtigen Abstimmung untereinander eine Rettungsinsel erreichen.

Das Szenario verdeutlicht: Im Trainigs-Center können die Bedingungen auf hoher See so realitätsnah wie möglich simuliert werden. „Es ist sehr bewegend zu sehen, was es bedeutet, sich auf Notfälle vorzubereiten“, sagt Albig nach der Vorführung sichtlich beeindruckt. Der Gedanke, dass jemand bei der Arbeit vor Ort einen Unfall haben könne, sei an jenen Tagen weit weg, an denen er bei strahlendem Sonnenschein neue Windparks einweihe. Spätestens die Eindrücke in Enge-Sande brächten einen aber dazu, darüber nach zu denken, was mit der Ressource Mensch sei. „Die Windbranche ist ein Markt in Schleswig-Holstein, mit dem wir erfolgreich sein können. Wir sollten alles tun, damit wir hier weiter wachsen und gedeihen können und Unternehmen wie dieses zu unterstützen. Ich möchte in diesem Bereich Wertschöpfung in Schleswig-Holstein haben“, verdeutlicht der Ministerpräsident.

Dann verabschiedet Albig sich – nicht ohne das Versprechen an die Offtec-Leitung, „Rückmeldung zu dem Besprochenen“ zu geben. Vor der öffentlichen Vorführungen hatte es ein Gespräch im kleinen Kreis gegeben, verrät Geschäftsführer Marten Jensen. Unter anderem haben die Geschäftsleute aus Enge-Sande den Ministerpräsidenten ausführlicher über das Unternehmen informiert, das auf einem ehemaligen Bundeswehr-Gelände Rettungs- und Sicherheitsübungen für Wasser, Boden und Luft anbietet. Zielgruppe sind nicht nur Mitarbeiter der Windkraft- und maritimen Branche, sondern beispielsweise auch Bundes- und Landeskriminalamt.

Das Offtec-Team will weiter wachsen: „Wir planen eine neue Halle mit einer Höhe von 30 Metern“, erläutert Jensen. Kostenpunkt: mindestens sechs Millionen Euro. Ziel: ein Komplettangebot für Trainings rund um den Katastrophenschutz und für alle Rettungs- und Sicherheitsbranchen – auch der Begriff „Terrorbekämpfung“ fällt in diesem Zusammenhang. Für dieses Projekt erhoffen sich die Unternehmer in Enge-Sande Unterstützung vom Land. Ein runder Tisch mit Entscheidern aus Sicherheitskreisen sei bereits anberaumt. Die Offtec-Verantwortlichen haben es eilig: Noch sei ihr Angebot einzigartig, sagen sie, aber die Konkurrenz in Dänemark und den Niederlanden schlafe nicht.

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erstellt am 03.Aug.2016 | 18:45 Uhr

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