zur Navigation springen

Nordfriesland Tageblatt

11. Dezember 2016 | 01:21 Uhr

Nachfolge : „Niebüll steht für Kultur und Kunstsinn“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Mit Dr. Thomas Gädeke hat die Stadtbücherei einen neuen Kurator, der den Ausstellungsraum mit Werken norddeutscher Realisten bereichern will.

Das ist eine gute Nachricht für die Kulturszene in Nordfriesland: Ronald Steiner, Leiter der Niebüller Stadtbücherei, ist es gelungen, mit Dr. Thomas Gädeke einen hochkarätigen Kunst-Kurator für die überregional beachteten Ausstellungen in der Bibliothek zu gewinnen. Gädeke wird damit Nachfolger des Anfang des Jahres verstorbenen Andreas Brandt, der mit seiner Kuratorentätigkeit Maßstäbe setzte, die Stadtbücherei zum künstlerischen Gegenpol des Richard-Haizmann-Museums entwickelte und im Laufe der Jahre internationale Kunst immer wieder nach Niebüll holte. Das Nordfriesland Tageblatt führte aus Anlass der Einführung des neuen Kunst-Kurators ein Gespräch mit Dr. Thomas Gädeke, der im Hauptberuf die grafische Abteilung des Landesmuseums Schloss Gottorf leitet.


Niebüll freut sich auf einen neuen Kunst-Kurator. Der Stellenwert der Stadt erhöht sich damit nicht nur auf der „künstlerischen Landkarte“. Wie kam es zu diesem ungewöhnlichen Engagement?
Dr. Thomas Gädeke: Ganz einfach, Ronald Steiner hat mich direkt gefragt; wir kennen uns seit längerer Zeit über die verschiedenen Ausstellungen, die Andreas Brandt kuratiert hat.


Sie waren mit Andreas Brandt gut bekannt?
Das kann man sagen. Wir haben uns gut verstanden, haben nach den Vernissagen in der Stadtbücherei bei sommerlichen Treffen gemeinsam in seinem Garten gesessen, haben uns gegenseitig besucht.


Wie ist nun Ihr Konzept für den Ausstellungsraum Stadtbücherei?
Es steht auf drei Säulen. Zunächst möchte ich keinen Bruch mit der Vergangenheit, wie es sonst oft üblich ist, wenn ein Neuer kommt. Die Konstruktivisten stehen weiter – wie bei Andreas Brandt – im Mittelpunkt. Gleichrangig kommen die norddeutschen Realisten hinzu, angesehene Künstler wie Friedel Anderson beispielsweise. Bekannte Künstler freier Kunstrichtungen von außerhalb komplettieren das Konzept.


Haben Sie schon Kontakte aufgenommen, gibt es schon Namen?
Im Frühjahr 2017 kommt mit Hinnerk Bodendieck (Jahrgang 1965) ein Vertreter der jüngeren Generation. Er ist bekannt für seine eindrucksvollen, ungewöhnlichen Impressionen aus Afrika, St. Tropez oder der Reeperbahn. Mit einer eigenen digitalen Bildsprache kommentiert er gesellschaftliche Zusammenhänge. Für den Sommer 2017 ist Heribert Friedland, Lovis Corinth- und August Macke-Preisträger, präsent unter anderem in New York, London oder in der Pinakothek München, vorgesehen. Er ist derzeit noch ein Insider-Tipp. 2018 steht mit Hermann Leber ein Bildhauer, Maler und Grafiker aus Nürnberg, im Fokus. 25 Jahre lang prägte er zudem als Professor die Ausbildung junger Künstler an der Hochschule in Regenburg.


Das hört sich spannend an. Wann und mit wem geht es los?
Wir starten wie gewohnt am Sonnabend, diesmal am 11. Juni, 11.30 Uhr, mit einer Künstlerin, einer freien Malerin und ausgebildeten Grafikerin: Susanne Pertiet. Sie kommt zur Eröffnung, der Titel passt zur Jahreszeit: „Sommer im Quadrat!“ Pertiet studierte in Salzburg, absolvierte die Schule des Sehens von Oskar Kokoschka; sie steht in der Tradition der Konstruktivisten wie Max Bill. Der inhaltliche Ansatz folgt einer klaren, strengen Flächenaufteilung, Symbole wie das Kreuz spielen eine Rolle, man findet Anklänge zu Natur, Landschaft, Himmel und Horizont – abstrakt dargestellt.


Was folgt auf Susanne Pertiet?
Auf die traditionelle Sommer-Schau folgt im September eine Ausstellung mit der dänischen Künstlerin Gefke Johannsen aus Tondern beziehungsweise Frankfurt, die Professor Manfred Reuther, früherer Direktor der Nolde Stiftung Seebüll, kuratiert. Ihr Vater ist der Künstler Dyke Johannsen, ein enger Freund von Andreas Brandt. Hier schließt sich ein Kreis, der im Dezember/Januar mit einer großen Andreas Brandt-Retrospektive in Schloss Gottorf wieder geöffnet wird.


Eine Frage zum Schluss: Warum tun Sie sich das an? Wie man sich vorstellen kann, ist Ihre ehrenamtliche Tätigkeit sehr umfangreich und arbeitsaufwendig.
Der Idealismus, mit dem in Niebüll in der Stadtbücherei Kunst präsentiert wird, stimmt. Das ist mir sehr sympathisch. Niebüll steht für viel Kultur und Kunstsinn. Es macht mir Freude, mich hier einbringen zu können. Zudem bin ich der Stadt schon über Jahrzehnte hinweg verbunden, allein durch meine Tätigkeit am Landesmuseum.

zur Startseite

von
erstellt am 12.Mai.2016 | 19:50 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen