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Nordfriesland Tageblatt

08. Dezember 2016 | 12:58 Uhr

Gesundheit : Neue Strukturen gegen Ärztemangel

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

„Modellcharakter“: Gesundheitsministerin Kristin Alheit besucht im Rahmen ihrer Sommerreise die ortsübergreifende Praxis in Leck .

Auf dem Land wird es immer schwieriger, Nachfolger für Arztpraxen zu finden. „Neue Konzepte für medizinische Versorgung in der Region sind deshalb ein großes Zukunftsthema“, betonte Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Kristin Alheit, die im Rahmen ihrer Sommerreise die Landarztpraxis Dr. Maurer in Leck besuchte. Der Allgemeinmediziner Dr. Thomas Maurer in Leck betreut im Kreis Nordfriesland den Aufbau „ortsübergreifender Kooperationsformen“.

Viereinhalb Jahre ist es her, dass in Neukirchen die Arztpraxis wiederbelebt wurde. Und zwar mit einem besonderen Konzept: Zusätzlich zu seinem Standort in Leck, an dem vier Allgemeinmediziner im Einsatz sind, gewann Dr. Maurer für die Zweitpraxis in Neukirchen den pensionierten Krankenhausarzt Bernd Scharfe, der jetzt als Allgemeinmediziner den „Quereinstieg“ praktiziert. So wurde verhindert, dass die Praxis im ländlichen Raum schließen muss – und ermöglicht, dass in Neukirchen weiterhin an vier Tagen in der Woche ein Arzt zur Verfügung steht.

Zirka 3300 Patienten werden laut Maurer im Quartal in Leck behandelt, in Neukirchen sind es um die 600. Ist das wirtschaftlich? „Wir gehen mit einer schwarzen Null raus“, so Maurer, der auch Vorsitzender des Hausärzteverbandes Schleswig-Holstein ist. Möglich sei das aber nur, weil die gesamte Verwaltung wie EDV und Abrechnungen von der Hauptpraxis in Leck aus gesteuert würden.

Ministerin Alheit unterstrich die Vorbildfunktion des Konzepts: „In Leck wird ein Weg beschritten, der Modellcharakter hat.“ So könne man durch Angestelltenverhältnisse und Teilzeitmodelle für Hausärzte auch Standorte im ländlichen Raum attraktiv machen, besonders unter den Gesichtspunkten „Work Life Balance“ und Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Auch Bernd Scharfe, eigentlich längst pensioniert, arbeitet in Teilzeit: Auf rund 20 Stunden pro Woche beziffert der 70-Jährige seinen Einsatz als Landarzt in Neukirchen, zudem halten auch Ärzte aus der Hauptpraxis in Leck Sprechstunden ab, darunter auch Praxisinhaber Dr. Maurer selbst. „Die Patienten finden es sogar vielfach gut, wenn nicht immer derselbe Arzt behandelt – so haben sie gleich eine zweite Meinung“, berichtet Maurer, der sich vorstellen könnte, auch weitere Zweitpraxen einzurichten – „um die Standorte im ländlichen Raum zu sichern. Ich will niemandem Praxen vor der Nase wegkaufen.“ Deshalb stünde er auf Nachfrage auch interessierten Medizinern, die über ein ähnliches Modell nachdächten, beratend zur Seite.

Bernd Scharfe sieht seine Tätigkeit in der Zweitpraxis in Neukirchen ebenfalls positiv. „Ich wollte immer Hausarzt werden. Es macht mir einfach Spaß.“ Allerdings sandte er auch einen Appell an die Ministerin: „Eigentlich ist es auch eine Katastrophe, dass ich in meinem Alter noch praktiziere. Wir brauchen dringend Ärzte-Nachwuchs auf dem Land.“

Für das Kooperationsmodell Leck/Neukirchen scheint die Zukunft immerhin gesichert: Es gebe schon einen jungen Bewerber, der im kommenden Jahr in die Praxisgemeinschaft einsteigen werde, so dass die Zweitpraxis auch weiterhin bedient werden könne, wenn Bernd Scharfe doch einmal endgültig der Pension den Vorzug geben wolle, berichtete Dr. Maurer. „Nur mit flexiblen Konzepten ist es möglich, auch an kleineren Standorten die medizinische Versorgung zu erhalten“, sind sich Dr. Maurer und Ministerin Kirsten Alheit einig.




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erstellt am 24.Aug.2016 | 15:48 Uhr

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