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Nordfriesland Tageblatt

08. Dezember 2016 | 01:16 Uhr

Vernissage : Mit Polke im Kunsthimmel der Superlative

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

„So voll war es noch nie!“: Besucheransturm im Richard-Haizmann-Museum zur Ausstellungseröffnung der Sigmar-Polke-Jubiläumsschau.

Museumsdirektor Dr. Uwe Haupenthal strahlte wie ein Olympiasieger: Die Vernissage zur großen Sigmar-Polke-Ausstellung war bestens besucht, das Museum brach fast aus den Fugen. Es war die gewünschte Attraktion zum 30. Geburtstag des Niebüller Kulturzentrums, das kein Kunsttempel sein will. Prominente Gäste wie Polke-Kollege Prof. Dietrich Helms waren angereist, wie auch der Maler und „Vater der deutschen Pop Art“ Werner Berges, der in Husum ausstellt. Galerist Ralf Kleinsimlinghaus, der diesmal als Kunstvermittler agiert hatte und der Leihgeber der Polke-Werke, Dr. Burkhard Richter, gaben sich in Begleitung der Ehefrauen die Ehre.

Zu den Gästen zählten Alt-Bürgermeister Heinz Loske als einer der Wegbereiter des Museums ebenso sein Nachfolger, Bürgermeister Wilfried Bockholt. Letzterer hielt die Begrüßungsrede, lobte 30 erfolgreiche Jahre, wies als mahnender Stadtvater darauf hin, dass Niebüll die Finanzierung des Hauses sichere und aktuell gerade einen neuen Dachstuhl plane. Die Polke-Ausstellung sei „toll“ – ein Wort, das man noch des öfteren hörte.

Die Magie von Sigmar Polke hatte sichtlich auch den Ermöglicher der Schau, Dr. Uwe Haupenthal, erfasst. Er glänzte wie ein Wort-Artist auf dem Hochseil seiner vorgefassten Rede, fand am Ende sogar die Kühnheit, keinen Bezug zwischen Haizmann und Polke herzustellen. „Ich könnte es aber“, betonte er unter dem Beifall des animierten Publikums.

Haupenthal schwebte im Kunsthimmel der Superlative, lobte Polke als Vulkan, der ständig ungewöhnliche Kunst produzierte und keinerlei Grenzen akzeptierte. Der „Mega-Star der internationalen Kunstszene“ (1945 bis 2010) war bekannt als „harter Arbeiter“, der alle Erwartungshaltungen unterwanderte. „Subversiv, mit oft atemberaubenden Ideen, gegen den Mainstream der Moderne.“

Diese selbst für einen „Meister der Verwandlungen“ ungewöhnliche Vielfalt sieht der Besucher der Ausstellung auf Anhieb: Polke nimmt Impressionen von seinen Weltreisen auf, nutzt die Fotografie ebenso wie andere Mittel der Wiedergabe, implantiert Comics oder Zitate aus der Kunstgeschichte – mit viel Witz und Ironie versehen. Er spielt mit der Pop Art, arbeitet nach dem Collage-Prinzip, zeigt Rasterbilder und zitiert das Informel.

Das Sammler-Ehepaar, Annette und Rechtsanwalt Dr. Burkhard Richter, der aus Mühlheim stammt, erzählten Details aus der Leidenschaft, Künstler zu entdecken und deren Bilder zusammenzutragen – seit über vier Jahrzehnten sind es mittlerweile an die 8000 Werke geworden. Burkhard Richters Begeisterung begann schon in seiner Jugendzeit: Los ging es mit einer Druckgrafik von Werner Berges für 85 Mark – „dafür musste ich drei Monate auf vieles verzichten.“ Polke lernte er selbst kennen, erlebte, wie dieser losstürmte, um Stoffe einzukaufen. Diese ausgefallenen Stoffbahnen findet man in der Bild-Serie „Sauberes Auto – gute Laune“ im großen Ausstellungsraum des Museums wieder. Ein typischer Polke-Scherz: Der Deutsche hat gute Laune, wenn sein Auto sauber ist. Als Dr. Uwe Haupenthal über das umfangreiche Polke-Konvolut in der Richter-Sammlung erfuhr, schlug seine Stunde. Sein Vorschlag, den Meister mit einer Sonderausstellung zu ehren, fiel auf fruchtbaren Boden. „Ich denke, es war an der Zeit, Sigmar Polke in Nordfriesland zu zeigen“, äußerte sich Dr. Burkhard Richter zustimmend. „Es ist natürlich auch Ihre Ausstellung“, sagte der Museumsdirektor und fuhr in seiner komplexen Rede fort. „Polke nannte seine Kunst wissenschaftliche Arbeit. Die Erforschung von Ursache und Wirkung. Polke setzte auf eine Welt freier und gleicher Erscheinungen.“ Sein Kunstbegriff ist – und das sieht der Besucher auf Anhieb – offen und akzeptiert keine Grenzen. Tradierte Vorstellungen kann man als Betrachter gleich einmal vergessen – und das ist das Spannende.

Sigmar Polke hatte eine unbändige Lust, sich „auf die Wirklichkeit zu stürzen.“ Dabei entstanden aufregende, rätselhafte und anregende Werke. „Ein Furor an bildnerischen Möglichkeiten, ein mitreißender Strom an bildnerischen Energien.“ Die Besucher der Vernissage zeigten sich fasziniert, sprachen über die Kunst und blieben lange. Die Ausstellung – ermöglicht vom Verein der Freunde des Richard-Haizmann-Museums – läuft bis zum 4. September.

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erstellt am 17.Jul.2016 | 13:55 Uhr

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