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Nordfriesland Tageblatt

06. Dezember 2016 | 09:23 Uhr

Tradition : Mit Fackeln in die Martinsnacht

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Am Martinstag ziehen viele Nordfriesen mit Laternen durch ihre Dörfer – traditionell kommt an diesem Tag ein Gänsebraten in den Ofen.

Warum ausgerechnet Gänsebraten? Und warum finden am morgigen 11. November auch im Amt Südtondern Laternenumzüge statt? Zu verdanken sind die kulinarische Köstlichkeit sowie das schöne Brauchtum rund um die Fackelzüge Martin von Tours, der um das Jahr 316 in der römischen Provinz Savaria als Sohn eines Offiziers geboren wurde. Sankt Martin gab dem Tag seinen Namen, er ist ursprünglich einer der bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche, wird heute aber auch in der evangelischen und orthodoxen Kirche verehrt. Viele Martins-Feste werden mittlerweile in der Ökomene gefeiert.

Der Martinstag mit seinen Laternenumzügen gilt als Auftakt des Brauchtum-Reigens der vorweihnachtlichen Zeit. Und auch für Menschen, die nicht in der Kirche sind, bringen diese abendlichen Spaziergänge mit Fackeln und Laternen, bei denen sich traditionell die Dorfgemeinschaft trifft, Licht und Wärme in die immer dunkler und kälter werdende Winterzeit.

Eine Wurzel des Laternenbrauchs dürfte im traditionellen Jahresablauf der Bauern liegen. Denn um Martini – also den 11. November – beendeten die Bauern die Arbeit auf den Feldern. Als Symbol des Dankes für die Ernte entzündeten sie auf den abgeernteten Feldern Feuer. An diesen steckten die Kinder Fackeln aus Stroh oder ausgehöhlte Rüben und Kürbisse an, mit denen sie durchs Dorf zogen, um Obst und Gebäck zu erbetteln.

Ein Grund, warum besonders viele Kindergärten heute Sankt Martin mit einem Laternenumzug feiern, ist die Mildtätigkeit, die Gabe zum Teilen, für die der spätere Bischof von Tours durch folgende Legende berühmt geworden ist. Demnach traf Martin als Soldat der gallischen Armee an einem kalten Winterabend im französischen Amiens einen kaum bekleideten Bettler. Er teilte mit dem Schwert seinen Mantel und gab die eine Hälfte dem armen, frierenden Mann. In der folgenden Nacht soll ihm Jesus erschienen sein. Martin beendete daraufhin sein Offiziersleben, ließ sich taufen und wurde Christ. Die Teilung des Mantels wird heute bei vielen Martinsumzügen nachgespielt oder durch das Teilen von Brot oder Keksen symbolisiert. Einige Züge werden sogar von einem St. Martin hoch zu Ross angeführt.

Neben Licht und Feuer ist der Gänsebraten ein weiteres wichtiges Symbol des 11. Novembers. Wie kam die Gans zum heiligen Martin? Darüber gibt es mehrere Legenden. Zum Beispiel diese: Die Bewohner von Tours hatten Martin als Bischofsnachfolger ausgewählt. Doch dieser hielt sich dafür nicht würdig genug und versteckte sich in einem Gänsestall – wurde dort aber durch das laute Federvieh verraten. Nach einer anderen Sage sollen Gänse mit ihrem Geschnatter eine Predigt des Bischofs gestört haben. Pragmatischer ist eine Erklärung, die erneut aus der Landwirtschaft stammt. Denn an Martini ging das Pachtjahr zuende. Zinsen und Schuldgeld mussten an die Grundherren gezahlt werden – das geschah in Naturalien, auch mit Gänsen. Bei uns im Norden wir die Gans üblicherweise mit einer Mischung aus Mett, Zwiebeln und Kräutern gefüllt, im Süden mit eingeweichten Semmeln, Esskastanien und Nüssen. Die Dänen füllen den Vogel mit Pflaumen und Äpfeln.  

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erstellt am 10.Nov.2016 | 17:40 Uhr

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