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Nordfriesland Tageblatt

08. Dezember 2016 | 21:02 Uhr

Mit eigenem Blut gemalt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In Aventoft ist ab 25. November eine Auswahl der Werke von Jan Leseberg zu sehen – seine letzten Jahre verbrachte der Künstler in Nordfriesland

Der 1948 in Hamburg geborene und 2013 verstorbene Künstler Jan Leseberg war nach einem Studium an der Universität Hannover eigentlich Architekt mit dem Spezialgebiet „alte Häuser“. Aber schon bald machte er aus seinem Hobby seinen zweiten Beruf, nachdem er in Hamburg Ausbildungen bei Albert Feser (Malerei) und Volkert D. Heydorn (Radierungen) genossen hatte. Er war dort Meisterschüler und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Zeichnen und Malen. Studienaufenthalte für Skulpturen und Marmor führten ihn 1999 nach Carrara sowie für Radierungen und Lithographie nach Bisonte.

Zuletzt lebte und arbeitete er als Maler, Grafiker, Bildhauer und Architekt in Aventoft, die letzten drei Jahre gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Traute Schnoor von der Hallig Langeneß. Beide kannten sich zuvor schon 30 Jahre, da Jan Leseberg seinerzeit den Museumsbau auf Langeneß als Architekt begleitetet hatte. „Er konnte aus einer Klobürste eine Rose machen“, lobte Traute Schnoor den Spezial-Architekten.

In den letzten Jahren seines Wirkens hatte er sich überwiegend der Kunst verschrieben. Dabei gab es für ihn keine spezielle Richtung bei seinen Bildern und Zeichnungen. Er nutzte unterschiedliche Techniken von flüchtigen Bleistiftstrichen über kräftige Kohle-, weiche Rötel-, zarte Pastell- bis zu Buntstiftzeichnungen und Mischtechniken. „Lieblingsmotive waren für den Künstler auch Landschaftsbilder und davon besonders solche mit Bäumen und Knicks“, sagt Traute Schnoor. Aber auch Porträts reizten ihn immer wieder, um deren charakteristische Merkmale festzuhalten. Wenn er im damaligen Rosenkranzer Imbiss nebenan saß und ihn ein Gesicht besonders faszinierte, griff er spontan zum Skizzenblock. War dieser nicht zur Hand, zeichnete er auf allem, was gerade greifbar war, wie Zettel, Servietten, Briefumschläge oder auch schon mal Butterbrotpapier. Dabei konnte er wie im Rausch mehrere Porträts hintereinander zeichnen oder brauchte je nach Tagesform auch schon mal längere Zeit. Selbst wenn diese Werke mal gefaltet oder sogar zerknüllt waren, schaffte der Künstler es, die Zeichnungen in ein perfekt mit einem Passepartout gerahmtes Bild zu verwandeln.

Aber auch zahlreiche Themen-Bilder hat Jan Leseberg gemalt, wo er sich oftmals selbst mit hinein porträtierte, wie bei dem Bild „Froschkönig“. Ausdrucksvoll auch seine beiden Bilder „Das Paradies“, die zum einen Eva mit dem Apfel zu Füßen und zum anderen Adam, der sich zu retten versucht, zeigen.

In diese Gruppe gehört auch noch eine Skulptur aus Gips, die als Bronze-Skulptur noch einmal in Südtondern steht. Auch besondere eigene Lebenssituationen hat er künstlerisch auf Bildern dargestellt. So sein Selbstbildnis „Kummer“, das Jan Leseberg nach einem Sturz in seinem Haus mit blutender Kopfwunde zeigt. Bemerkenswert dabei, dass er auf dem Bild tatsächlich sein eigenes Blut als rote Farbe benutzt hat. Eine Auswahl der Zeichnungen und Bilder von Jan Leseberg waren am vergangenen Wochenende in einer Ausstellung im Haus von Traute Schnoor in Aventoft-Rosenkranz, Kehrwieder 2, zu sehen. Auch von Freitag bis Sonntag, 25. bis 27. November, jeweils in der Zeit von 13 bis 17 Uhr, ist die Ausstellung dort zu sehen.

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erstellt am 20.Nov.2016 | 13:38 Uhr

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