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Nordfriesland Tageblatt

09. Dezember 2016 | 12:46 Uhr

Niebüll : Letzte Heilige Messe nach 17 Jahren

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Katholische Kirche in Nordfriesland legt Pfarreien zu einem „Pastoralen Raum“ zusammen. Gerard Rzaniecki verlässt Niebüll.

Die Spatzen pfeifen es längst nicht mehr vom Kirchendach, denn es ist seit geraumer Zeit bekannt, dass sich in den Pfarreien Nordfrieslands eine tiefgreifende Veränderung vollzieht – sie hören auf zu existieren. An ihre Stelle tritt der sogenannte Pastorale Raum. Das Erzbistum Hamburg hat verfügt, dass die Katholische Kirche in Nordfriesland künftig eine Großpfarrei für ihre etwa 9000 Gläubigen wird.

Für die Pfarrei St. Gertrud, zu der die Kirchen St. Josef (Leck), St. Marien (Wyk auf Föhr) und St. Elisabeth (Norddorf/Amrum) gehören, bedeutet das, dass sie künftig zusammen mit den Pfarreien St. Peter Ording, Husum, Nordstrand und Sylt der Großpfarrei Nordfriesland angehören wird – dem neuen Pastoralen Raum. Der Seelsorger Gerard Rzaniecki (55) muss Niebüll nach 17 Jahren verlassen. Er geht für fünf Monate an das Franziskaner-Kloster in Münster (Westfalen). Am Wochenende feierte er mit seiner Gemeinde im Rahmen einer örtlichen Kirchweih seine letzte Heilige Messe. In Münster erwartet ihn nach einigem zeitlichen Abstand die Zuweisung einer neuen Gemeinde in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein. Rzaniecki will die Zeit in Münster auch für seine Doktorarbeit nutzen.

Der scheidende Pfarrer stammt aus Skorcz südlich von Danzig. Das Gymnasium und Priesterseminar besuchte er im nahen Pelplin, wo auch seine Eltern heute wohnen. 1986 wurde er ordiniert, 1999 wies ihm Bischof Dr. Ludwig Averkamp (Erzbistum Hamburg) die Pfarrstelle in Niebüll zu, wo er Nachfolger von Pfarrer Michael Waldschmidt wurde. „17 Jahre in Niebüll habe ich als Geschenk empfunden – wie im Leben meinen Glauben“, sagt Gerard Rzaniecki.

Den ersten Niebüller Bürger traf er an der Bahnschranke, wo er ihn nach dem Weg zur Katholischen Kirche fragte. „Am liebsten hätte der mich an die Hand genommen und mich zur Kirche geführt.“ Womit der scheidende Pfarrer auch zum Ausdruck bringen wollte, dass er in seiner ihm zunächst fremden Umgebung bald den Eindruck von gelebter Ökumene hatte.

Eine andere Seite vergaß er auch nicht. „Hier habe ich mein Deutsch verbessern können, eine geduldige Umgebung erlebt, meine Reife erreicht und ein lebendiges Miteinander von Menschen unterschiedlichen Glaubens empfunden.“ Niebüll? „Das war Liebe auf den ersten Blick.“ Als Pfarrer bedanke er sich bei den Niebüllern für eine schöne Zeit. „Wenn ich nun diese Stadt verlasse, dann gehe ich bereichert.“

Seine letzte Heilige Messe legte Gerard Rzaniecki auf das Datum der Niebüller Kirchweih. Diesen „ländlichen Festtag“ pflegen die katholischen Christen stets in der Nähe des Jahrestages der Einweihung ihres Gotteshauses zu begehen. St. Gertrud wurde in dieser Jahreszeit vor 51 Jahren eingeweiht.

Der Tag der Kirchweih ist ein fröhliches Fest mit Essen und Trinken, Musik, Spielen und unterhaltsamem Beisammensein.

Ein wenig neugierig werden die einheimischen Katholiken schon auf den neuen Seelsorger sein, mit dem künftig die Heiligen Messen feiern werden. Als Administrator wird Oliver Maik genannt, der ab 1. Juli der neue Pfarrer sein soll – dann allerdings in der Großpfarrei Nordfriesland.

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