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Nordfriesland Tageblatt

11. Dezember 2016 | 14:46 Uhr

Leck: Testlabor für Autoabgase geplant

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Werden die Pläne des Kraftfahrt-Bundesamts tatsächlich realisiert, entsteht an der Landebahn des ehemaligen Flugplatzgeländes ein Prüfstand

Eigentlich sollen auf der Landebahn des ehemaligen Bundeswehr-Flugplatzes künftig Kleinflugzeuge abheben. Im aufwendigen Konversionsprojekt der Gemeinden Leck, Klixbüll und Tinningstedt ist länger schon von einem „Airpark“ die Rede. Sollte aber das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg tatsächlich seine neusten Pläne umsetzen, dann würden auf der Landebahn zu gewissen Zeiten nicht etwa Cessnas starten, sondern Autos – vor allem Dieselfahrzeuge. Denn wie Ralf Mölleken, Fachgebietsleiter Dienstliegenschaften der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), bestätigt, hat sich das Kraftfahrt-Bundesamt nach dem im September 2015 aufgedeckten Abgas-Skandal der Volkswagen AG auf die Suche nach einer geeigneten, von Automobilherstellern unabhängigen Teststrecke für solche Fahrzeuge gemacht – ein Novum für das KBA.

Ins Blickfeld ist dabei die Luftverkehrsanlage des rund 330 Hektar großen Flugplatzareals in Südtondern gekommen. Und so informierte erst kürzlich die Bima die drei zugehörigen Gemeinden des Gebiets, dass es für Teilflächen auf dem Gelände nun einen Eigenbedarf gibt.

Die Rahmenbedingungen der Liegenschaft sind gegeben – davon hat sich bereits ein Arbeitskreis aus Vertretern der Bima, des Kraftfahrtbundesamtes, der Wirtschaftsförderung Nordfriesland sowie der drei Gemeinden und einer Berliner Beratungsfirma bei einem Besuch vor Ort überzeugt. Die 3000 Meter umfassende Landebahn ist ausreichend lang, die Nähe des Flugplatzes zu Flensburg von Vorteil. Welche Testverfahren im Detail auf der Bahn künftig untersucht werden könnten, darüber wird mit Hinweis auf das sehr frühe Anfangsstadium der Planung noch weitestgehend geschwiegen. Nach Informationen unserer Zeitung ist die Einrichtung eines Prüflabors, um Abgasmessungen und Ausrollversuche zu unternehmen, im Gespräch. Auch eine Hindernisstrecke ähnlich einem „Elchtest“ ist angedacht.

Für die Gemeinden selbst kam das KBA-Vorhaben überraschend – und stellt die Konversionsplanungsgruppe nun vor eine Herausforderung. Denn nachdem über Monate schon über mögliche Nachnutzungen der Liegenschaften der Bundeswehr nachgedacht wurde und schließlich ein 450 Seiten starkes Konzept entstand, sind alle Beteiligten jetzt bemüht, die eventuelle Teststrecke in Einklang mit den eigenen Plänen zu bringen. „Wir befinden uns in der Abstimmung. Wir haben eine Projektgruppe eingerichtet, um die beiden Vorhaben – Konversion sowie Errichtung einer Teststrecke – zu harmonisieren und zu verbinden“, sagt Steffen Volk, Projektmanager Konversion der Wirtschaftsförderung Nordfriesland, der sich ebenfalls mit konkreteren Aussagen zurückhält. Wichtig ist den Verantwortlichen vor Ort, dass die eigenen ambitionierten Zukunftsvisionen nicht zur sehr beeinträchtigt werden. Volk: „Da treffen wir auf offene Ohren und sind zuversichtlich, dass dies klappt.“ Für den Airpark Nordfriesland sollen eigentlich noch in diesem Jahr die Planung und das Genehmigungsverfahren beginnen. Lecks Bürgermeister Andreas Deidert geht davon aus, „dass wir alle zusammen einen Kompromiss finden und damit unseren Gewerbepark sowie den Airpark weitestgehend störungsfrei umsetzen können“.

Klixbülls Bürgermeister Werner Schweizer erinnert daran, dass mit der 2015 vom Land angekündigten möglichen Unterbringungen von Flüchtlingen in einem Containerdorf auf dem Flugplatzgelände die Projektgruppe schon einmal ebenso überrascht wurde und reagieren musste. Auch damals wurden Lösungen gefunden, um die Konversionspläne nicht zu durchkreuzen. „So bin ich guter Hoffnung, dass wir auch diese neue Aufgabe mit den beiden anderen Aspekten Erstaufnahme und Konversion bewerkstelligen können“, betont Schweizer.

Bevor aber überhaupt eine Teststrecke in Südtondern entstehen könnte, stehen Genehmigungen an. Unter anderem sind umwelt- und naturschutzfachliche Aspekte zu prüfen. „Dies umfasst auch die Einwirkungen auf das angrenzende FFH-Gebiet 1219-301 Leckfeld, unter anderem in Hinblick auf die Einträge von Stickstoff (aus den Abgasen) und die daraus resultierenden Beeinträchtigungen der dort vorkommenden nährstoffarmen Lebensraumtypen“, heißt es von Nicola Kabel, Pressesprecherin beim Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (Melur).

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erstellt am 08.Jul.2016 | 11:28 Uhr

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