zur Navigation springen

Nordfriesland Tageblatt

09. Dezember 2016 | 08:49 Uhr

Landwirtschaft in den Startlöchern

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Frostarmer Winter und trockener Mai haben den Erntekalender leicht verändert: Wintergerste, Raps und Weizen können bald eingefahren werden

Ein jährlich wiederkehrendes Großereignis wirft seine Schatten voraus: die Ernte. Die Landwirtschaft steht in den Startlöchern, zumal die Natur in diesem Jahr einen früheren Beginn vorgibt: Ein Winter ohne Frost und ein trockener Mai haben den Erntekalender leicht verändert. So kann mit der Ernte der klassischen Feldfrüchte wie Wintergerste, Raps und Weizen schon bald begonnen werden.

Doch der eigentlichen Ernte voraus geht zurzeit die GPS-Bergung. Das Kürzel steht für Ganzpflanzensilage, die statt Mais zunehmend zur „Fütterung“ der Biogasanlagen eingesetzt wird und die herbstlichen Schlammschlachten in der Marsch bei der Maisernte reduziert. Dieser Trend (wenn es denn auch einer auf Dauer wird) setzt sich zurzeit zudem auch deshalb durch, weil die Getreidepreise niedrig sind und der Weltmarkt von guten Ernteerträgen überschwemmt wird. Als GPS-Sorten werden die klassischen Kornsorten wie Roggen, Weizen und Hafer angebaut – allesamt nicht zur Ernährung bestimmtes Getreide und auch nicht backfähig.
Mit der Ernte von Winterraps dürfte, wie Wolfgang Stapelfeldt (Kreisbauernverband Südtondern) schätzt, gegen Ende der Woche begonnen werden.

Zum Winterraps gesellt sich der Sommerraps, der vornehmlich auf Ausfallflächen angebaut wird und eine Art „Lückenbüßer“ ist. Im August folgt der Weizen, der – begünstigt durch den milden Winter – bis Monatsmitte unter Dach und Fach sein dürfte, wenn witterungsmäßig nichts im Wege steht. In extrem ungünstigen Wetterlagen bleibt es nach wie vor beim Vorteil der Geeststandorte.

Bei anderen Ackerfrüchten sieht es ähnlich wie beim Getreide aus, etwa bei den Speisekartoffeln auf der Geest und dem Anbau von Saatkartoffeln in der Marsch. Die Zuckerrübe wird in Südtondern kaum mehr angebaut. Vom Anbau dieser Ackerfrüchte werden allgemein gute Ernten erwartet. Doch diese Situation drückt auch gleich auf die Preise. Und deren Level wird auch noch zusätzlich auf dem Mineralöle-Markt durch den Bio-Diesel nach unten gedrückt.

In den melkenden Betrieben sehnt man den Herbst herbei. Dann sollen die bis dahin noch geltenden Kontrakte turnusmäßig neu verhandelt werden – mit der Hoffnung auf bessere Preise. Bekanntlich leiden die Milchviehbetriebe teils unter dem Wegfall der Quote, teils unter dem Russland-Embargo. Ein schwacher Hoffnungsschimmer erhebt sich über Fernost. Dort gibt es Anzeichen dafür, dass die asiatischen Märkte wieder anziehen.

Zurück nach Südtondern. Nach einem wunderschön sommerlichen Wochenende haben die Wetterfrösche für diese Woche „Schietwetter“ angesagt. Gelegenheit für die Bauern, für die dann kommenden harten Wochen Kraft zu tanken.

zur Startseite

von
erstellt am 10.Jul.2016 | 14:59 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen