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Nordfriesland Tageblatt

10. Dezember 2016 | 04:09 Uhr

Meisterquartett in Leck : Klangsinnliche Reise durch die Zeit

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Von wegen nervig: Das „Boreas Quartett Bremen“ gab mit „Il Flauto Magico“ ein etwas anderes Blockflötenkonzert.

Das jüngste Konzert, initiiert von den „Musikfreunden in Leck und Umgebung“, stand ganz im Zeichen der im Consort gespielten Blockblöte. Als Interpreten präsentierten sich den gut 150 Zuhörern die jungen Musikerinnen des nach dem Gott des Nordwindes benannten „Boreas Quartett Bremen“. Die Künstler: Jin-Ju Baek, Elisabeth Champollion, Julia Fritz und Luise Manske. Das Meisterquartett wurde im Finale des Deutschen Musikwettbewerbs 2014 vom Deutschen Musikrat mit einem Stipendium bedacht und in den elitären Kreis der „59. Bundesauwahl junger Künstler“ aufgenommenen. In Leck wartete es unter dem Motto „Il Flauto Magico“ mit einem abwechslungsreichen, hochvirtuosen Programm auf. Die Musiker nahmen ihr Publikum mit auf eine klangsinnliche Reise vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Dabei bewährte sich Elisabeth Champollion als wortgewandte Moderatorin.

Heidi Specht-Christel erklärte als Vorsitzende des gastgebenden Vereins in ihrer Begrüßungsansprache: „Der Ruf der Blockflöte ist aufgrund unsachgemäßer Handhabung durch Anfänger leider arg ramponiert.“ Bei Kennern des Instrumentes dagegen erfreue sich dieses zu Recht größter Wertschätzung.

Zum Auftakt erklangen zwei frühbarocke Werke: „Ein junges Mädchen“ von Eustache du Caurroy und „Ich ging einmal spazieren“ von Leo Haßler. Die Titel der klangschönen, polyphonen Sätze zeigten auf, dass man zur Zeit ihrer Entstehung nicht zwischen weltlicher und geistlicher Musik unterschied, denn beide Melodien fanden auch Verwendung als Choräle („Mit Ernst o Menschenkinder“ und „Von Gott will ich nicht lassen“). In krassem Kontrast zu diesen Liedern, die von einer Solo-Altflöte angestimmt wurden, sich dann aber durch Hinzukommen von Flöten anderer Tonlagen ständig klanglich erweiterten, um am Ende in einen reinen Dur-Akkord einzumünden, folgte das hochmoderne, 1996 von Stefan Thomas komponierte Werk „Inherent Patterns“. Diese „innewohnenden Muster“ waren rein abstrakter Art und ließen keinen Bezug zu einem realen Thema erkennen. Die Anblasgeräusche der Flöten wurden für rhythmische Spezialeffekte genutzt. Läufe in abenteuerlich rasantem Tempo und aberwitzige Tonsprünge forderten den Blockflötistinnen ein Höchstmaß an Konzentration und Virtuosität ab und verblüfften das Publikum.

Bei zwei Sätzen aus der Zeit der englischen Renaissance („In Nomine“ von Thomas Tallis und „Sermone Blando“ von William Byrd), die auf Flöten gespielt wurden, welche einem Original-Consort nachempfunden waren, kam auch eine Großbassflöte zum Einsatz. Dass es den Künstlerinnen gelang, anscheinend problemlos ständig von einer Flöte zu anderen zu wechseln, einerlei von welcher Bauart und Tonlage die Instrumente waren, kann man nur bewundern. Insgesamt hatten sie mehr als vierzig Flöten vorzuweisen: von einer winzigen Sopranino- und einer Sopranflöte über Spezialanfertigungen moderner Bassflöten bis hin zu einer riesigen 16-Fuß-Flöte. Alle Instrumente wurden vom Publikum in der Konzertpause interessiert in Augenschein genommen.

Der lautmalerisch gestalteten „Besorgnis der Sperlinge“ von Fallah folgten sodann „Contrapunctus I und IX“ aus der streng kontrapunktisch gesetzten „Kunst der Fuge“ von Johann Sebastian Bach. Mit dem von einem unbekannten Meister aus dem 14. Jahrhundert verfassten Klagelied „Lamento die Tristano“, dem vermutlich ältesten aller dargebotenen Instrumentalwerke, und der Fantasie „Fade control“ aus dem Jahre 1990 von Fulvio Caldini sowie drei frühbarocken Madrigalen und einer von Piet Swerts im Jahre 1999 geschriebenen Theatermusik folgten einander nochmals Werke extrem unterschiedlichen Charakters.

Für den stehend gespendeten Schlussapplaus des spürbar begeisterten Publikum bedankte sich das „Boreas Quartett Bremen“ noch mit einer klangschönen, unmittelbar ins Ohr gehenden Zugabe.


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erstellt am 01.Jun.2016 | 11:34 Uhr

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