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Nordfriesland Tageblatt

10. Dezember 2016 | 06:12 Uhr

Kind missbraucht – Geldstrafe

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Amtsgericht Niebüll verurteilt einen 21-Jährigen, der sich zwei Mal sexuell an einem Grundschüler verging, und ordnet Therapiegespräche an

Das Urteil wurde in Abwesenheit gefällt, denn der Angeklagte war zur gestrigen Verhandlung vor dem Amtsgericht Niebüll gar nicht erst erschienen: Vorgeworfen wird einem 21-Jährigen, einen kleinen Jungen aus einer Gemeinde des ehemaligen Amts Karrharde zwei mal sexuell missbraucht zu haben – das erste Mal im Frühjahr 2015, das zweite Mal ein Jahr später. Zum Zeitpunkt der ersten Tat war das Kind sechs Jahre alt. Die Vorfälle wurden seitens der Verteidigung als „sexuelle Misshandlungen geringeren Ausmaßes“ bewertet: Dem Angeklagten wurde konkret vorgeworfen, den Penis des Jungen berührt und bewegt zu haben. Dabei soll – davon ging Richterin Andrea Soltau aus – der Junge jedoch angezogen gewesen sein.

Soltau begrüßte zur Versammlung Personen aus dem näheren Umfeld des Opfers. Dem kleinen Jungen hatte man es erspart, als Zeuge auszusagen. Die Verarbeitung der Geschehnisse standen bei der Verhandlung länger im Raum. Keiner wisse, wie der Junge in näherer oder späterer Zukunft mit dem Übergriff umgehe und ob sich Traumata entwickeln könnten, gab die Vertreterin der Nebenkläger zu bedenken.

Um weitere Verhandlungen und Vorladungen beispielsweise der Zeugen zu vermeiden, entschied sich die Richterin in Absprache mit Staatsanwalt Lars Truknus und der Verteidigung, ein Urteil beziehungsweise einen Strafbefehl zu fällen. „Ich halte ein Beratungsgespräch im Beratungs- und Behandlungszentrum Niebüll bei einem Diplompsychologen für ratsam“, so Andrea Soltau. Sie schlug drei Termine vor, die sowohl von der Staatsanwaltschaft als auch von der Verteidigung als Maß akzeptiert wurden. Die Gefängnisstrafe wurde auf zehn Monate mit Bewährung festgesetzt; zusammengezogen aus zwei Mal sieben Monate – da es zu zwei Übergriffen gekommen war.

Beim Thema Schmerzensgeld erhob die Verteidigung Einspruch und plädierte für eine geringere Geldstrafe, als von der Richterin vorgeschlagen. Man einigte sich auf 1000 Euro, zahlbar in Monatsraten.

Ganz offensichtlich setzte Richterin Andrea Soltau bei ihrem Urteil auf den Erfolg der Beratung, gibt so dem Täter eine Chance, sein Vergehen zu bearbeiten oder eine mögliche verhängnisvolle Neigung in den Griff zu bekommen – und damit auch die Gesellschaft vor sich zu schützen.

Der junge Mann kann den Strafbefehl, beziehungsweise das Urteil binnen zweier Wochen akzeptieren. Tut er dies nicht, wird er erneut vorgeladen – und dann mit Unterstützung der Polizei vorgeführt.

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erstellt am 29.Nov.2016 | 13:47 Uhr

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