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Nordfriesland Tageblatt

09. Dezember 2016 | 01:03 Uhr

„Kein Museum, sondern ein Treffpunkt“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Landtagspräsident Klaus Schlie besichtigte gestern im Rahmen seiner Nordfriesland-Tour das Hans-Momsen-Haus in Fahretoft

Die Tische in der „Dörnsch“ des Hans-Momsen-Hauses waren nett gedeckt für die Gäste aus Kiel. Schnittchen standen bereit, Kaffee wurde eingeschenkt, ein Schnapps gereicht und die Friesenhymne zum Besten gegeben. Landtagspräsident Klaus Schlie fand an der Kachelwand Platz – direkt neben Hans-Werner Paulsen (88), dem es überhaupt zu verdanken ist, dass das Wohnhaus des nordfriesischen Universalgelehrten Hans Momsen (1735 bis 1811) erhalten, restauriert und seit wenigen Monaten nun als Gedenkstätte mit Café geöffnet ist.

Anderthalb Stunden nahm sich gestern der Politiker im Rahmen seiner Nordfriesland-Tour Zeit, um sich von der Wichtigkeit der Einrichtung für die Friesen zu überzeugen. Mit Landtagsdirektor Professor Dr. Utz Schliesky ließ er sich von Hans-Werner Paulsen und Vertretern der Hans-Momsen-Gesellschaft sowie des Friesenrats durch die Räume des Gebäudes auf der Gabrielswarft führen. Und wer Paulsen kennt, weiß, dass er nahezu an jeder Stelle des historischen Backsteinhauses etwas Besonderes zu erzählen vermag. Woher das heutige Inventar stammt, was mit den Steinplatten im Keller geschah, welche Gefahren früher von der Nordsee ausgingen und wer die über 1000 Friesenkacheln mit ihren biblischen Motiven malte – der 88-Jährige gab sein Wissen preis.

Die Gäste erfuhren aber auch, welche Hürden überwunden werden mussten, um das Gebäude überhaupt in seinen Urzustand zurückführen zu können. Autodidakt Paulsen musste sich viel einfallen lassen, um die finanziellen Mittel für die Restaurierung zu beschaffen. Unter anderem gelang es ihm, Verlegerwitwe Dr. Friede Springer als Geldgeberin für das Vorhaben zu begeistern. Und auch einige Südtonderaner konnte er motivieren, mit Eigenleistung das Projekt voranzutreiben. Entstanden sei so schließlich ein Ort der Begegnung – auch für die Friesen. „Kein Museum, sondern ein Treffpunkt, den die Leute gern nutzen“, wie Ilse Johanna Christiansen, Vorsitzende des Friesenrats, betonte. Dagebülls Bürgermeister Hans-Jürgen Ingwersen lobte das Hans-Momsen-Haus als kulturellen Mittelpunkt für die Gemeinde, der von Einheimischen und Touristen gleichermaßen angenommen werde. „Wir hatten damals zwar Hoffnung, aber auch große Skepsis, ob die Idee je umgesetzt werden kann“, erinnerte sich Ingwersen. „Wer das Haus vorher gesehen hat, ist jetzt aber begeistert, was entstanden ist.“

Karin Vahder, zweite Vorsitzende der Hans-Momsen-Gesellschaft und Tochter von Hans-Werner Paulsen, beschrieb ihren Vater vor den Gästen als „Don Quijote“, der für den Erhalt des Momsen-Wohnhauses gegen viele Widerstände gekämpft habe. „Er hatte eine Vision gehabt und war sich nicht zu schade, dafür auch selbst Steine zu klopfen.“

Am Ende zeigte sich Klaus Schlie angetan von der Einrichtung und dem Engagement der Friesen. „Was hier geschaffen wurde, ist einfach fantastisch und wichtig für die Identität des Landes.“ Es sei schön, dass Schleswig-Holstein solche regionalen Persönlichkeiten habe, derer an so einem Ort gedacht werden könne. Hans-Werner Paulsen sei „der Motor, die Seele des Projektes“, erkannte Schlie an und versprach, bei Gelegenheit noch einmal nach Fahretoft zukommen, um von ihm mehr über Nordfrieslands mathematisches Genie Hans Momsen zu erfahren.

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erstellt am 25.Jul.2016 | 12:33 Uhr

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