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Nordfriesland Tageblatt

29. Juni 2016 | 22:05 Uhr

Kater Mimos rätselhafter Tod

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Janina von Eitzen vermutet, dass ihr geliebtes Haustier von einem Katzenhasser angeschossen wurde / Der Stubentiger musste eingeschläfert werden

Ein Blick ins Haus genügt, um zu erkennen, dass die Familie von Eitzen aus Katzenfreunden besteht. Gleich an mehreren Stellen hängen Fotos von den beiden Hauskatzen „Mimo“ und „Titus“. Das Wohnzimmer dominieren zwei große Kratzbäume. Das Ehebett ist auch Schlafplatz der Stubentiger. Und im Familienkalender in der Küche, in dem sämtliche Jubiläen der Verwandtschaft und Freude erfasst sind, hat Janina von Eitzen auch den Geburtstag der beiden Maikatzen notiert. Nun ist ein weiterer Eintrag dazugekommen. Dienstag, 15. März, „Mimo 2016“ ist zu lesen. Daneben ist ein Kreuz, der Todestag des Katers. Ein Tod, der Janina von Eitzen wohl noch lange beschäftigen wird, denn sie will wissen, was mit ihrem Kater geschah.

Wie üblich lässt an jenem Dienstag Familienvater Andy von Eitzen vor der Arbeit morgens um 5.45 Uhr die Katzen raus. Als Janina mit Tochter Lya dann gegen 7.15 Uhr vom ersten Stock die Treppe runterkommt, um das Frühstück zu machen, sitzt der orangefarbene Kater Mimo vor der Tür und will ins Haus. Janina von Eitzen lässt das munter wirkende Tier noch etwas draußen. Doch bereits etwa eine Viertelstunde später hört sie ihre dreijährige Tochter, die auf die Terrassentür starrt, schreien. Der Kater hat sich in Höhe des Türknaufs ans Fliegengitter gekrallt und schreit ebenfalls derart laut, dass es Janina von Eitzen durch Mark und Bein geht. Sie sieht sofort, dass das Tier blutet.

Die 31-Jährige holte ihre Mutter, die zwei Häuser weiter wohnt, zu Hilfe. Gemeinsam fangen sie den Kater, der sich inzwischen unter die Schutzfolie der Gartenmöbel verkrochen hat, ein und fahren ihn zu einer hiesigen Tierärztin in die Praxis. Diese stellt fest, dass Mimo angeschossen wurde. Der gesamte Hüftknochen ist zersplittert. Das Hinterbein muss amputiert oder der Kater eingeschläfert werden. Die Tierärztin vermutet eine Verwundung durch Schrot.

Eine Katze mit drei Beinen? Schweren Herzens entschließt sich die Familie, den Stubentiger einzuschläfern. Janina von Eitzen ist fassungslos. „Ich hab noch zwei Stunden später bei der Arbeit vor Aufregung gezittert“, sagt sie. Die Polizei wird über den Vorfall informiert, Anzeige erstattet. Da die Familie zur Miete wohnt, wird der Kater nicht im Garten beerdigt. Dem normalen Prozedere entsprechend, lässt ihn die Ärztin zur Tierkörperverwertung nach Jagel bringen, was im nachhinein die Ermittlungen erschwert, denn die Polizei erhält aus diesem Grund keine Hinweise auf eine mögliche Waffe. „Die Wahrscheinlichkeit, etwas herauszubekommen, ist so relativ gering“, sagt Polizist Volker Christensen, der mit dem Fall vertraut ist. Die Polizei könne keine Angaben machen, wer auf das Tier geschossen haben könnte.

Janina von Eitzen hat damit keine Beweise, glaubt aber dennoch, dass ein Katzenhasser ihr Tier in der Wohnsiedlung angeschossen hat. Mit einem Kleinkaliber- oder Luftgewehr? Auch die Frage, ob das Tier von einem Jäger angeschossen wurde, stellt sie sich. Könnte der Kater tatsächlich in nur rund 15 Minuten hinaus auf ein Feld gestreunert sein, dort angeschossen und stark verwundet zum Haus zurückgekommen sein? Hätte man dann nicht einen Schuss hören müssen? Oder kann doch irgend ein anderer Vorfall die Verletzung verursacht haben?

Fakt ist, in Schleswig-Holstein dürfen Jäger streunende Katzen, die im Jagdbezirk weiter als 200 Meter vom nächsten Haus angetroffen werden, erlegen. Denn die Stubentiger, auch wenn sie auf dem heimischen Sofa noch so friedlich schnurren, können im Revier bei Vögeln und Kleinsäugetieren großen Schaden anrichten. Meist benutzen die Jäger dabei Schrotpatronen, wobei die Tiere nicht durch die Verletzungen der kleinen Kugeln sterben, sondern durch die sogenannte Schockwirkung. Durch das Auftreffen möglichst vieler Schrotkörner auf den Wildkörper wird der Zusammenbruch des Nervensystems verursacht. Wird ein Tier aber nicht richtig getroffen und trifft die Schockwirkung deshalb nicht ein, kann es verwundet durchaus noch in der Lage sein, mehrere hundert Meter zurückzulegen, bevor es verendet. Weshalb so manch eine angeschossene Katze es doch noch bis nach Hause schafft. Für die Besitzer dann immer ein Schock.

War es so bei Mimo? Janina von Eitzen beschreibt ihren Kater, den sie zur Hochzeit vor eineinhalb Jahren geschenkt bekam, als sehr scheues Tier, das sich nie weit vom Haus entfernte. „Den Namen Mimo hat er bekommen, weil er so eine Mimose war, so ängstlich. Anders als sein Bruder Titus, der ist ein Draufgänger.“ Ausschließen will sie aber nicht, dass auch er über die Felder zog. „Wenn das tatsächlich so war. Dann ist das so, und ich kann nichts daran ändern, und ich kann auch keinem Jäger die Schuld geben“, sagt sie. „Ich weiß, 200 Meter sind nicht weit, und Katzen streunen häufiger. Es passt aber einfach nicht zur der Art von Mimo. Er war nicht weit weg. Er war hier im Wohngebiet. Und ich bin überzeugt, dass hier jemand geschossen hat. Und dieser schreckliche Gedanke lässt mich einfach nicht los.“

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erstellt am 17.Mär.2016 | 10:49 Uhr

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