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Nordfriesland Tageblatt

07. Dezember 2016 | 21:27 Uhr

Junger Zweifler: Wohnzimmer-Konzert mit Ove Thomsen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Ausflug in die nähere Umgebung Niebülls, Richtung Südwesthörn, irgendwo in der Pampa liegt das WattnSound-Studio: Hier lockt ein Wohnzimmer-Konzert mit Ove Thomsen; die Band heißt idealerweise auch Ove. Der Mittzwanziger ist Gitarrist bei Torpus & the Art Directors, einer aufstrebenden Band aus Hamburg; alle Musiker stammen jedoch aus Nordfriesland. Ein Wechselspiel, denn bei Oves Band musiziert auch sein „Chef“, Sönke Torpus, mit. WattnSound hat Maike Christiansen aufgebaut. Es ist eine „Heimat“, wie Ove betont.

Die Atmosphäre in der ehemaligen Dorfschule ist familiär-gemütlich, total entspannt. So gehen die Herren Musiker, die gerade ein Konzert in Lüneburg gegeben haben, erst einmal joggen. Ein bisschen Zeit muss man mitbringen, die ersten Gäste trudeln ein. Freunde, Familienangehörige, Musiker aus der Umgebung. Alle freuen sich auf das Konzert, das Ove angeregt hat. „Wir haben hier unsere neue CD aufgenommen, wollten einfach mal reinschauen und so kam die Idee auf.“

Das Studio, der frühere Klassenraum, ist vollgestellt mit Instrumenten; das Publikum setzt sich auf Sofas oder aber auf den Boden. Eine angeregte Atmosphäre, wie bei einer Großfamilie. Alte Bekanntschaften werden werden aufgefrischt oder neue in die Wege geleitet. Ein Stuhl wackelt, das macht aber nichts. „Dann fall ich auf dich drauf“, sagt die Nachbarin aus Horsbüll lachend. Mit langen Haaren und 70er-Jahre-Hemd kommt Ove Thomsen mit Verspätung auf die Bühne. „Ich musste noch duschen; und dann haben wir uns verpasst. Die einen standen draußen und warteten, die anderen drinnen.“ Das leichte Chaos ist sympathisch-erfrischend.

Dann geht es los. Die fünfköpfige Band spielt brillant auf: Musik zum Genießen, Songs zum Zuhören, denn Oves Lieder sind auf Deutsch. Gefühle spielen eine große Rolle. „Schmerz und Verzweiflung sind oft die Antriebsfedern“, erklärt er. Ove schätzt es, mit den Worten zu spielen. Da reimen sich Baumkronen auf Schablonen, die Sätze und Gedanken machen Sprünge wie junge Lämmer am Deich. Manches erklärt sich erst beim zweiten Nachdenken, Anspielungen sind ein wenig verrätselt, stets voller Poesie. Und doch passt es alles zusammen, der Wortwitz wird nicht überstrapaziert. Ein Liebeslied hört sich dann so an: „Ich bin ein blinder Hund, ich führ’ dich an der Leine entlang.“ Ove ist ein Zweifler, ein nachdenklicher junger Mann. Sein Album heißt: „Ich will mir nicht so sicher sein.“ Die Kostproben machen Appetit auf mehr. Die Stücke sind melodisch, steigern sich meist in einen tanzbaren Rhythmus. Die Band darf aus dem Vollen schöpfen; Sönke Torpus bedient allein sieben Instrumente, von der Posaune über das Klavier bis zur Mandoline und Percussion. Die Zuschauer sind begeistert.

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erstellt am 22.Apr.2016 | 14:22 Uhr

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