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Nordfriesland Tageblatt

22. Januar 2017 | 11:10 Uhr

Niebüll : Jobs und Lebenshilfe für Behinderte

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Ein Tochterunternehmen der Mürwiker Werkstätten eröffnet einen Ableger und die „Ambulante Wohnschule “ soll Selbstständigkeit fördern.

Selbstständig wohnen und arbeiten – trotz Handicaps: Gleich auf zwei Termine wurden gestern Nachmittag Projekte zur Integration von Menschen mit Behinderungen in Niebüll vorgestellt.

Die Förde Direkt Service GmbH (FDS) eröffnete um 14 Uhr im Rahmen einer Feierstunde offiziell ihren Betrieb im Ostring 54 im Gewerbegebiet Ost. Zu den Angeboten zählen Gartenpflege, Reinigungsdienste und ein Mietwagenservice. Die FDS ist bereits seit 20 Jahren in Flensburg als Dienstleister tätig. Seit Mitte des Jahres ist die Firma auch in Niebüll vertreten, wo derzeit 39 Mitarbeiter beschäftigt werden, davon elf mit Behinderungen.

Die FDS ist eine Tochter der Mürwiker Werkstätten. „ Es handelt sich um einen Integrationsbetrieb für Menschen, die nicht in eine geschlossene Werkstatt gehören, aber auch nur schwer auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu vermitteln wären“, erklärte Karl Carlsen vom Verein „Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Südtondern“ in seinem Grußwort.

„Wir bekommen Mittel aus der Ausgleichsabgabe, die andere Unternehmen abführen müssen, wenn sie keine Menschen mit Behinderungen beschäftigen“, sagte Petra Janzen, FDS-Betriebsleiterin in Nordfriesland. Die FDS kooperiere mit dem Sozialministerium im Kiel und dem Integrationsfachdienst. Allerdings werbe das Unternehmen nicht offensiv damit, relativ viele Behinderte zu beschäftigen, sondern trete als ganz normaler Mitbewerber auf. „Wir arbeiten zu marktüblichen Preisen und müssen unsere Leistungen genauso bringen wie jeder andere Betrieb“, sagte Janzen.

Dementsprechend hob Bürgermeister Wilfried Bockholt in seiner Ansprache hervor, dass die FDS vor allem ein weiteres Unternehmen im Gewerbepark sei, das Arbeitsplätze nach Niebüll bringe.

Ab 16 Uhr stellten dann Mitarbeiter des Sozialraums Nord vom Kreis Nordfriesland in Kim’s Café das Projekt„Ambulante Wohnschule in Niebüll“ vor. Hinter dem Titel verbirgt sich ein Seminar, das Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen auf das selbständige Wohnen vorbereiten soll. „Viele arbeiten in Werkstätten für Behinderte und wohnen in speziellen Heimen, haben aber eigentlich den Wunsch, in eine eigene Wohnung zu ziehen und sich selbst zu versorgen“, erklärt Pressesprecher Hans-Martin Slopianka vom Kreis Nordfriesland. Da ihnen jedoch Erfahrungen und damit Kompetenzen fehlen, die bei der eigenständigen Lebensführung notwendig und hilfreich sind, werde ihnen dieses in einer „Wohnschule“ vermittelt. Ob Kochen, Putzen, Einkaufen, Umgang mit Geld – die Teilnehmer werden ein Jahr auf ihre Eigenständigkeit trainiert.

„Ein Jahr Probewohnen ist beliebt und spannend“, sagte die Sozialpädagogin Maike Krakat, die gemeinsam mit Lars Luttenberger über das Projekt informierte. „Wir machen das gerne.“ Wichtig sei aber, dass die Teilnehmer freiwillig kämen. „Wir ergänzen nur und tragen zu einem gesteigerten Selbstbewusstsein bei“, ergänzte Luttenberger.

Die „Husumer Horizonte – Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen“ des Kirchenkreises Nordfriesland bieten so eine ambulante Wohnschule bereits seit 2015 in Husum an. Mit Erfolg, weshalb das Projekt nun auch in Niebüll starten soll. Finanziert wird es unter anderem von der Aktion Mensch, vom Kreis Nordfriesland, aber auch von den Teilnehmern selbst.

Die „Ambulante Wohnschule Niebüll“ soll am 7. November beginnen und immer montags von 17 bis 19 Uhr im Schulzentrum stattfinden. Es wird mit acht bis zehn Schülern gerechnet.


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erstellt am 10.Okt.2016 | 08:38 Uhr

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