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Nordfriesland Tageblatt

06. Dezember 2016 | 09:20 Uhr

Haizmann-Museum : Jenseits statischer Grenzen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Farbfelder gegen Drahtgebilde, Materialbilder im Dialog mit konkreter Malerei: „Non-Figuration“ heißt die neue Ausstellung im Haizmann-Museum

Aktuelle, figurative Kunst im Schweden im Richard-Haizmann-Museum: Die Vernissage dazu lockte viele Kunstinteressierte an. Niebülls Bürgermeister Wilfried Bockholt begrüßte die Gäste und gab ein eigenes Statement zu den Werken, die er zuvor bei einem Rundgang gesehen hatte, ab. Fasziniert war der Bürgermeister demnach von einem Bild in Blau. Gut gesehen: Denn genau hier befindet sich die Schnittmenge von Schweden und Niebüll. Der blaue Himmel, der zuvor die Kleinstadt und auch das skandinavische Land in einen frühlingshaftenTaumel versetzt hatte.

Museumsleiter Dr. Uwe Haupenthal freute sich sichtlich, die prominenten Künstler im Hause zu haben. Eva Sjöberg, Lars Erik Falk, Kerstin Hedamn, Ilkka Pärni und Anders Cederholm (1922 geboren, er konnte leider nicht dabei sein) gehören in die obere Liga der schwedischen Künstler. Kunstvermittlerin und Kuratorin Angela Apelt stellte in ihrer Rede diese fünf aktuellen Vertreter der konkreten Kunst vor. Deren nonfigurative Kunst aller Gattungen, von Malerei über Grafik bis zu Skulturen und Installationen, wurde in der Folge von Uwe Haupenthal gewürdigt. Er holte weit aus, berief sich im wesentlichen auf den deutschen Kusnsthistoriker Werner Haftmann. 1955, 1959 und 1964 war Haftmann für die kunsthistorische Oberleitung und Thesenfindung der documenta I, documenta II und documenta III verantwortlich. Hier wurde zum ersten Mal ein Überblick über die Klassische Moderne und die aufkommende Pop Art (1964) gegeben. Heftige Kontroversen während der Vorbereitungen zur 4. Documenta führten zum Rücktritt Haftmanns. Haftmann publizierte aber weiterhin maßgebliche Bücher und Essays zur Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts, aus denen Haupenthal zitierte. „Keine Frage: Diese Ausstellung bereitet großes Vergnügen!“, so der Hausherr in seinem persönlichen Resümee „Hier stehen Farbfelder gegen Drahtgebilde, reliefartig gearbeitete Materialbilder eröffnen den Dialog mit konkreter Malerei, strenge Plastiken finden einen Pendant in farbigen Acrylbildern. Es ist eine Lust, durch die Ausstellung zu gehen.“

Die Besucher ließen sich ein auf die Arbeiten, die die Schwerkraft aufheben und sich über den Bildrand hinausdehnen: Der Raum der Leinwand erhält hier eine neue Richtung, es werden Bewegungen erzeugt, die den Betrachter auf eine andere virtuelle Ebene katapultieren. „Statische Grenzen werden aufgehoben“, kommentiert Uwe Haupenthal und fragt: „Sind Ilkka Pärnis farbige Stäbe noch Wandobjekte oder bereits reduzierte Malerei?” Die Besucher waren angetan von der Ausstellung, suchten das Gespräch mit den Künstlern, um sich alles erkären zu lassen. Anders Cederholms graue Reliefbilder überzeugen durch ungewohnte Erdigkeit, Eva Sjöberg eröffnet mit ihren Stahlbildern neue Räume. Kerstin Hedman nennt ihre kleinen Plastiken „Zimmer“; da muss der Betrachter tatsächlich einmal Luft holen und überlegen. Doch auch die Plastiken von Lars Erik Falk regen den Geist an, irgendwann einmal zur Ruhe zu kommen. „Die Ausstellung ist ein Impuls, der Sinnliches, Emotionales, Gedachtes freisetzt – folglich auch Ethisches und Moralisches aufs Neue miteinander verbindet. Ohne die Freiheit des Beobachtens, des Denkens und des individuell Wertens wäre alles ein sinnloses Unterfangen”, meinte Uwe Haupenthal vehement – und richtete damit den Blick auf die aktuelle, wilde Weltlage.


Non-Figuration, fünf Künstler aus Schweden, Anders Cederholm, Lars Erik Falk, Kerstin Hedman, Ilkka Pärni, Eva Sjörber ist bis 1. Mai 2016 zu sehen.


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erstellt am 21.Mär.2016 | 07:00 Uhr

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