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Nordfriesland Tageblatt

25. August 2016 | 06:27 Uhr

Interview : „Jede Ja-Stimme motiviert mich“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Niebülls Bürgermeister Wilfried Bockholt erklärt, warum er derzeit als Postbote unterwegs ist und was er künftig noch erreichen will.

Bürgermeister Wilfried Bockholt bewirbt sich um eine vierte Amtszeit. In unserem Interview erzählt er, warum. Und er zieht Bilanz.

Dass der Bürgermeister Post austrägt, kommt auch nicht alle Tage vor. Sie sind aber dabei gesehen worden. Was haben Sie in die Briefschlitze geworfen?
Wilfried Bockholt: Meine Flyer, in denen ich mich zur Wahl an die Niebüller wende. 4300 sind gedruckt, zwei Drittel schon verteilt. Bei einigen Briefkästen stand der Hinweis „Bitte keine Werbung“ dran. Und ich hatte mich gefragt, ob ich auch dort etwas reinwerfen soll. Ich hab es aber getan, weil mein Flyer keine Werbung, sondern eine Bewerbung ist. Ich bewerbe mich erneut für ein wichtiges Amt. Für meine persönlich vierte Amtszeit als Bürgermeister.


Nun sind Sie aber der einzige Kandidat auf dem Stimmzettel. Haben die Niebüller denn überhaupt eine Wahl?
Ja, denn es geht um eine Mehrheit an Ja-Stimmen für eine weitere Amtszeit. Dass ich einziger Bewerber geblieben bin, ist letztlich ja nichts, wofür ich mich rechtfertigen muss. Dass es keine weitere Bewerbung gegeben hat, auch nicht als Vorschlag der in der Stadtvertretung vertretenen Parteien, zeugt jedenfalls nicht von Unzufriedenheit mit meiner bisherigen Arbeit. Jede einzelne Ja-Stimme ist für mich persönlich eine Bestätigung für die zurückliegenden 18 Jahre als Bürgermeister der Stadt Niebüll. Je mehr Ja-Stimmen ich insgesamt bekomme, desto motivierender ist es für mich.

18 Jahre sind also nicht genug. Warum?
Weil ich Lust dazu habe. Es ist mein Beruf.

Und weil Sie noch nicht fertig mit Ihrer Arbeit sind?
Fertig ist man nie. Auch nach weiteren sechs Jahren werde ich mit Sicherheit sagen, dass ich noch nicht fertig bin. Es gibt kontinuierlich immer etwas Neues, etwas Unvorhergesehenes, das sich entwickelt hat und erledigt werden muss.

Was sind denn die Dinge, die Sie unbedingt noch erledigen wollen? Was steht oben auf der To-Do-Liste?
Ganz oben steht aufgrund der Aktualität mal wieder der Erhalt der Klinik Niebüll als Krankenhaus der Regelversorgung im Verbund der nordfriesischen Kliniken und in Verantwortung unseres Kreises Nordfriesland. Dann steht je nach Entwicklung am Bahnübergang Gather Landstraße das jahrzehntealte Thema einer Ersatzlösung oder Planbarkeit der Schließzeiten auf dem Plan – heute aktueller denn je. Unsere Begegnungsstätte, muss saniert oder erneuert werden und hat dabei vielleicht auch die Chance, den gesellschaftlichen Erfordernissen von heute entsprechend sich für neue, über den Kreis der Senioren hinausgehende Benutzergruppen zu öffnen. Ohne den Kern der Einrichtung zu verlieren: Begegnung und Gemeinsamkeit. Sport ist ein Kernelement der persönlichen Gesundheitsvorsorge. Deswegen braucht eine Stadt wie Niebüll auch adäquate Sporteinrichtungen. Und hier steht unter anderem die Erneuerung der Infrastruktur am Stadion an der Jahnstraße auf der Agenda, wie auch die Sporthallensanierungen.

Blick zurück: Worüber sind Sie stolz, es erreicht zu haben?
Die Errichtung des stationären Hospizes war eine Herzensangelegenheit. Wobei ich hier ganz klar sagen muss, dass ich in meiner Frau einen idealen Berater hatte. Jetzt, wo die Einrichtung dank des Zusammenwirkens ganz Vieler da ist, ist sie ein unglaublicher Gewinn für die Region. Zudem haben wir viel zum Thema Brandschutz in Niebüll erreicht und uns intensiv um das Schulwesen und den Schulbau gekümmert. Das sind nur einige Beispiele. Gemeinsam haben wir in den letzten 15 Jahren vieles auf Vordermann bekommen können, was in Zeiten der Stadtsanierung der 80/90er Jahre etwas ins Hintertreffen geraten war.

Vor achtzehn Jahren formulierten Sie in Ihrer Bewerbung dieses Ziel: „Wiederentdeckung der Stadt Niebüll als Mittelpunkt Südtonderns“. Wie sieht es mit diesem Ziel aus?
Wenn Nachbarn in Südtondern uns heute, fast ein halbes Jahrhundert nach dem Verlust des Kreissitzes und gute acht Jahre nach Gründung des neuen Amtes Südtondern, mit dem Titel „Hauptstadt Südtonderns“ wertschätzen, bin ich stolz auf meinen Anteil, den ich mit meiner bisherigen Arbeit zu diesem Erfolg beitragen konnte.

Wenn Sie in einem Satz generell ein Fazit ziehen: Wie steht es aktuell um Niebüll?

Niebüll steht gut da, der Haushalt ist ausgeglichen, wir haben fast 10  000 Einwohner, es lebt sich überdurchschnittlich gut bei uns.

Es gibt andere Gemeinden in Südtondern, die zu kämpfen haben. Wie wichtig ist die Solidarität im Amt?
Sie spielt eine bedeutsame Rolle. Jedenfalls hat man sich die Solidarität im Sinne einer gemeinsam sich stärkenden Region in die Präambel des Fusionsvertrages vom November 2006 geschrieben. Papier ist aber auch geduldig. Dennoch lässt sich Solidarität und Gemeinsinn an vielen Ecken ausmachen. Manchmal als kleine Blume, manchmal als Strauß. Sie ist aber nach wie vor entwicklungsfähig. Das Entscheidende für Solidarität ist, dass diejenigen, die haben, bereit sind, abzugeben und zu teilen.

Kann der Begriff Solidarität überdehnt werden?
Wenn ich berücksichtige, dass der Erfolg oder Misserfolg einer Gemeinde relativ wenig mit persönlichem Geschick und vielmehr mit äußeren Rahmenbedingungen wie Steueraufkommen, Lage an einer Verkehrsachse, Lage im Raum oder, zum Beispiel, Lagegunst in der Windkraft zu tun hat, kann Solidarität nicht überdehnt werden. Wenn der, der Solidarität mit Leben erfüllt, ins Wanken gerät, ist ein anderer übervorteilt worden. Weil Solidarität aber vom Abgeben des Besitzenden lebt, kann es zu einer Überdehnung eigentlich gar nicht kommen. Es sei denn, man gibt sich aus Solidarität zum Wohle eines gemeinsam Größeren auf. Aber das ist dann ja gewollt und positiv zu sehen.

Haben Sie Ihr Stehpult auch bei dieser Wahl mit dabei?
Ja, damit werden ich an den zwei Sonnabenden vor der Wahl, also am 20. und 27. Februar, von 10 bis 12.30 Uhr auf dem Wochenmarkt präsent sein – es sei denn, es regnet ohne Unterlass.

Wenn Sie mit den Bürgern – ob durch den Flyer oder Ihr Stehpult – in Kontakt kommen: Was sind die Dinge, die die Leute beschäftigen. Was sagen die Ihnen?
Viele Bürger sprechen mich auf Dinge des Alltags, des direkten Wohnumfeldes an. Darauf, dass die Bürgersteige beschädigt sind, die Straßenzustände schlecht, ein bestimmtes Warenangebot nicht (mehr) vorhanden ist oder ein Facharzt in der Region fehlt. So etwas beschäftigt sie oft mehr als die großen Entscheidungen in unserer Stadt.

Welche Schlüsse ziehen Sie daraus für die eventuell weiteren sechs Jahre Amtszeit?
Ich muss daraus keine anderen Schlüsse ziehen, als in der Vergangenheit und Gegenwart: zuhören, hinsehen, besprechen, Lösungen suchen und Antworten finden. Das ist das, was von uns erwartet wird und wo wir, ich als Bürgermeister und die Mitarbeiter der Amtsverwaltung und auch die Stadtvertretung, versuchen, beschriebenen Zuständen auf den Grund zu gehen und Abhilfe zu schaffen, Lösungen zu finden. Am Ende geht es immer und stets doch nur darum: das Wohlergehen und die Zufriedenheit in unserer bunten Lebensgemeinschaft auf diesem Fleckchen Erde, den wir Stadt Niebüll nennen.

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