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Nordfriesland Tageblatt

05. Dezember 2016 | 11:30 Uhr

Fortschritt : In Etappen zur Datenautobahn

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Ambitioniertes Ziel: In den nächsten Monaten sollen weitere Gemeinden in Südtondern ans Glasfasernetz angeschlossen werden.

Die Veranstaltungen sind mittlerweile Routine: 1200 Einladungen wurden in den vergangenen Tagen von der Breitbandnetz-Gesellschaft an Lecker Bürger geschickt. Und erfahrungsgemäß werden knapp 600 Personen heute um 19.30 Uhr auch tatsächlich in die Nordfriesland-Halle kommen, um sich über den weiteren Ausbau des Glasfasernetzes in der Gemeinde zu informieren. Keine Getränke oder gar Schnittchen werden gereicht, „dafür aber gibt es Informationen satt“, kündigt Geschäftsführer Dr. Heiko Hansen an, der eine positive Bilanz über das Fortschreiten der Arbeiten in Südtondern zieht. „Wir können sagen, dass es noch keine Gemeinde gibt, bei der letztendlich kein Anschluss zustande gekommen ist.“ Eine derartige Informationsveranstaltung wie heute in der Nordfriesland-Halle bildet immer den Auftakt einer neuen Ausbau-Etappe. Erst danach haben die Bürger die Möglichkeit, sich für einen Glasfaseranschluss der Breitbandnetz-Gesellschaft zu entscheiden.

2010 gründete sich die „Breitbandnetz GmbH & Co. KG“, um dafür zu sorgen, dass der ländliche Raum zeitgemäß bleibt. Denn dass eine schnelle Datenverbindungen dafür zu den Voraussetzungen gehört, war damals schon klar. Für die gängigen Telekommunikationsunternehmen rentierten sich die vielen weit auseinander liegenden Gemeinden in Nordfriesland jedoch nicht, weshalb das nördliche Fleckchen Erde bei den Konzernen unbeachtet blieb. So kam ein Gedanke bei einer Hand voll innovativer Nordfriesen auf: „Dann machen wir es eben selbst.“ Unternehmer aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien, hiesige Kommunen sowie einige private Investoren gründeten eine Gesellschaft – mit dem Ziel, ein flächendeckendes Glasfasernetz mit etwa 24  000 Anschlüssen in 50 Gemeinden der Ämter Mittleres Nordfriesland, Südtondern sowie der Gemeinde Reußenköge zu installieren und zu betreiben. 2012 konnte die erste Pilotkommune angeschlossen werden: Bohmstedt, ein Ort mit etwas mehr als 700 Einwohnern. 3500 Euro investiert die Gesellschaft seither in jeden Anschluss. „Dass wir dadurch den Glasfaseranschluss für die Haushalte kostenlosen anbieten können, das ist einmalig in Deutschland“, betont Vertriebsleiterin Kerrin Carstensen.

Von Bohmstedt aus hat sich das Netz nach und nach über die Nachbargemeinden ausgebreitet. „Das ist auch der Grund, warum derzeit im Mittleren Nordfriesland der Ausbau weiter vorangeschritten ist als in Südtondern“, erklärt Hansen mit Blick auf eine Grafik, die zeigt, dass bislang nur eine Schneise nach Südtondern führt. Eine Ausnahme stellen nur Klanxbüll und der Lübke-Koog dar. „Dort war bereits eine Hochspannungsleitung der EON mit Glasfaser vorhanden. Dadurch konnten wir diese Ecke vorzeitig ans Netz nehmen“, erklärt Carstensen.

Beide Mitarbeiter der Breitbandnetz-Gesellschaft gehen davon aus, dass spätestens Ende 2020 ganz Südtondern angeschlossen sein werden. Bis dahin muss weiterhin viel geworben und Überzeugungsarbeit geleistet werden. Kerrin Carstensen: „Mundpropaganda hilft uns. Wen eine Gemeinde gute Erfahrungen gemacht hat, dann sind die Bürger der Nachbargemeinden auch schneller überzeugt, einen Vertrag zu unterzeichnen.“ Und auch die Zeit arbeite für die Gesellschaft: Früher sei bei solchen Infoveranstaltungen wie der heutigen in der Nordfriesland-Halle noch sehr viel Aufklärung nötig gewesen, resümiert Carstensen. Heute hingegen sei das Wort „Glasfasernetz“ schon vielen ein Begriff. Dazu tragen auch die Infostände bei, die bei Messen oder Festen wie jüngst das Lecker „Tummel & Bummel“ aufgebaut werden. „An solchen Tagen haben wir die Möglichkeit zu klären, was unser Angebot von denen der großen Telekommunikationsanbietern, die inzwischen an den rentableren Orten Südtonderns auch einen Anschluss ermöglichen, unterscheidet. „Auf den Punkt gebracht: Wir legen Glasfaser bis ins Haus, die anderen peppen dagegen ihre bestehenden Kupferleitungen auf“, erklärt Carstensen.

Das Projekt der Breitbandnetz-Gesellschaft lebe vor allem von der Solidarität der Region, wie beide Mitarbeiter immer wieder betonen. Letztendlich hätten es die Bürger und Unternehmen vor Ort selbst in der Hand, ob ein zukunftssicheres Netz in der Region errichtet werde – oder eben nicht. „Würde eine Gemeinde nicht mitmachen, dann müssten die Nachbargemeinden auf der Anschlussroute mit mehr Kosten rechnen.“ Und will ein privater Haushalt nicht mit dabei sein, dann sei das Verlegen einer Leitung für den Nachbarhaushalt ebenfalls aufwendiger.

„Wir kennen das schon. Bei den Veranstaltungen treffen wir auf Vorreiter oder Zweifler“, weiß Hansen. Was aber nichts mit dem Alter zu tun habe: „Da gibt es den 90-Jährigen, der sofort mitmachen will, während ein deutlich jüngerer Südtonderaner vielleicht erst noch zögert.

Heiko Hansen: „Allen muss aber klar sein, dass ohne schnelles Internet unsere Region bald abgehängt sein wird.“

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erstellt am 06.Sep.2016 | 15:46 Uhr

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