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Nordfriesland Tageblatt

09. Dezember 2016 | 05:02 Uhr

„Ich fand durch Gesänge zum Glauben“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Caroline Boysen, neue Vikarin der Kirchengemeinden Karlum und Ladelund, über ihre Arbeit, ihren Werdegang und die Vorzüge Südtonderns

Frau Boysen, Sie wurden kürzlich anlässlich eines gemeinsamen Gottesdienstes der Kirchengemeinden Karlum und Ladelund den Besuchern als Vikarin vorgestellt. Was verbirgt sich hinter dieser Berufsbezeichnung?

Boysen: Eine Vikarin ist so etwas wie ein weiblicher Pastorenlehrling, der unter fachkundiger Anleitung den Beruf des Seelsorgers schrittweise erlernt und erste praktische Erfahrungen in der christlichen Gemeindearbeit sammeln darf.


Ihr Nachname lässt vermuten, dass Sie im Raum Nordfriesland auf die Welt kamen.
Tatsächlich wurde ich aber in der süddeutschen Kleinstadt Oberkirch – nahe der französischen Grenze – geboren, katholisch erzogen und bis zum Abitur beschult. Zwischendurch führte mich ein Schüleraustausch für die Dauer eines halben Jahres in die Nähe von Paris. Gegen Ende meiner Schulzeit nahm ich an Friedensmärschen gegen den Irakkrieg teil, die stets mit Taizé-Gottesdiensten endeten. Durch die dort gepflegten Gesänge fand ich einen Zugang zum Glauben. Nach dem Abitur leistete ich bei einem kirchlichen Träger ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Brasilien ab, wo ich im Rahmen eines sozialpädagogischen Projektes mit Kindern und Jugendlichen theaterpädagogisch arbeitete.


Danach begann Ihre Ausbildung. Wo und was haben Sie studiert?
In Berlin habe ich ein Jurastudium begonnen und mich der Studierendengemeinde angeschlossen. Der Kontakt mit den angehenden Pastoren verdeutlichte mir, dass mein wahres Interesse nicht der Arbeit der Juristen, sondern der der Theologen galt. Deswegen wechselte ich die Fakultät und trat auch zum evangelischen Glauben über. In Heidelberg setzte ich mein Theologiestudium fort und betätigte mich nebenbei als Hilfswissenschaftlerin am Alttestamentlichen Institut. Ich durfte an Ausgrabungen in Ostjerusalem teilnehmen und erhielt so praktische Einblicke in den jüdisch-christlichen Dialog. Über die Studienstiftung erhielt ich die Gelegenheit, in einem Sozialprojekt mit Flüchtlingen aus dem Südsudan zu arbeiten und Erfahrungen im islamisch-christlichen Dialog zu sammeln. An einer Abendschule für Migrantinnen aus West- und Südafrika habe ich Englischkurse geleitet, während meines Studiums in Heidelberg auch in der dortigen Justizvollzugsanstalt in der Psychiatrie und im Besuchsdienst mitgearbeitet.


Verraten Sie uns bitte etwas über Ihre familiäre Situation.
Ich bin mit einem Italo-Brasilianer verheiratet, den ich aus Ägypten „mitgebracht“ habe. Wir haben eine zwei Jahre alte Tochter und wohnen in der ehemaligen Karlumer Schule.

Was hat Sie dorthin geführt?
Mein Wunsch, im grenznahen, landschaftlich besonders reizvollen Raum mein Vikariat in den beiden von Herrn Pastor Hans-Joachim Stuck betreuten Gemeinden Karlum und Ladelund abzuleisten. Damit durfte ich im Januar dieses Jahres beginnen, und zwar mit dem schulpädagogischen Praktikum, im Verlaufe dessen ich von der Lehrerin Sylvia Steensen einfühlsam betreut wurde. Meine Aufgabe bestand zur Hauptsache darin, den Kindern der Klassen G1 bis G4 den Religionsunterricht zu erteilen. Daneben wurde ich beauftragt, zwei Englischstunden zu geben. Die Arbeit mit den Kindern bereitet mir sehr viel Freude. Die unterrichtliche Phase meiner Ausbildung endet am 4. Juli mit einer Lehrprobe, die ein kirchlicher Experte zu bewerten haben wird. Danach beginnt die Einweisung in die allgemeine Gemeindearbeit: Gestaltung von Gottesdiensten, Durchführung von Amtshandlungen, Gesprächsführung bei Hausbesuchen, Konfirmanden- und Chorarbeit.

Was gefällt Ihnen an Ihren Dienstorten besonders?
In Karlum die Schönheit des 800 Jahre alten Gotteshauses, in Ladelund die Lebendigkeit der zukunftsorientierten Gemeinde, wie sie durch eine Vielfalt sich gut ergänzender Vereine, den kirchlichen Club der Älteren, das Bürgerbusprojekt und eine vielgestaltige, mit spürbarer Freude gepflegte Kirchenmusik vokaler und bläserischer Art zum Ausdruck kommt.

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erstellt am 10.Jun.2016 | 14:16 Uhr

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