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Nordfriesland Tageblatt

08. Dezember 2016 | 17:09 Uhr

Bürgerinitiative : Hunderte demonstrieren für ihre Klinik

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Region zeigt sich geschlossen: Mit einer drei Kilometer langen Menschenkette machen sich die Nordfriesen für das Krankenhaus stark.

Die Aktion war erfolgreich. Die Organisatoren sind zufrieden. Eine drei Kilometer lange Menschenkette kam zustande, um für den Erhalt der Grund- und Regelversorgung an ihrem Krankenhaus zu demonstrieren. Rund um das Krankenhaus versammelten sich am Sonnabend nach Polizeiangaben rund 500 bis 600 Demonstranten, die Organisatoren sprachen von knapp 1000 Teilnehmern aus dem Einzugsbereich der Klinik Niebüll. Die mehrstündige Demo auf den Bürgersteigen entlang von vier Straßen verlief reibungslos, friedlich und gemäß den Anweisungen der Polizei.

„Diese Klinik deckt einen Einflussbereich von etwa 70  000 Menschen ab“, sagte Sieghard Schmanteck von der Bürgerinitiative Klinik Niebüll, die sich für den vollständigen Erhalt des Krankenhauses einsetzt. „Die hohe Teilnehmerzahl hat uns gezeigt, dass die Bürger voll und ganz hinter uns stehen.“ Schmanteck, zusammen mit Jens Momme Hansen verantwortlicher Leiter der Aktion der „Bürgerinitiative Klinik Niebüll“, überreichte Torsten Albig (SPD) ein Protestschreiben. Der Ministerpräsident war eigentlich wegen eines Juso-Parteitags nach Niebüll gekommen war, nahm sich aber auch für die Demonstranten Zeit. In dem Schreiben wird der Landesvater aufgefordert, darauf hinzuwirken, dass für Kliniken der Grund- und Regelversorgung, wie das Krankenhaus Niebüll, eine finanzielle Basis geschaffen wird, die eine gleichwertige Gesundheitsversorgung überall im Lande ermöglicht. „Es kann und darf nicht sein, dass unsere Gesundheit dem Diktat des Geldes geopfert wird“, heißt es im Schreiben. Der Ministerpräsident zeigte sich über den Streitfall Niebüll gut informiert und „voll im Thema“, wie Sieghard Schmanteck erklärte. Albig, bevor er sich dem Parteinachwuchs widmete: „Niebüll hat eine Chance auf dem Markt, es gibt gar keinen Zweifel, dass es in Niebüll ein Krankenhaus geben muss.“ Jetzt sei der Kreis Nordfriesland am Zuge, ergänzte der Ministerpräsident. Hintergrund ist ein Wirtschaftlichkeitsgutachten, demzufolge die gynäkologische Abteilung samt Geburtshilfe sowie die Hals-Nasen-Ohren-Abteilung geschlossen werden sollen. Zudem soll demnach die Chirurgie in eine Tages-Chirurgie mit Anschluss an ein medizinisches Versorgungszentrum in Husum umgewandelt werden. Im März soll sich der Kreistag in Nordfriesland damit befassen.

Die Bürgerinitiative zeigte sich überrascht über die große Beteiligung an der Demo. „Sie bedeutet für uns, dass die Leute hinter der Bürgerinitiative stehen. Das ist für uns Kämpfer ein Ansporn“, sagte Schmanteck. Es mache Spaß, sich für diese Sache einzusetzen, obwohl sie eigentlich todernst ist. Sieghard Schmanteck nahm die Gelegenheit wahr, allen, die mitmachen, zu danken. Besonders dankte er denen, die beruflich tätig und trotzdem dabei sind.

Beim Blick entlang der Kette an der Nordergath, Gather Land-, Klanxbüller und Uhlebüller Straße sah man friedliche Demonstranten vom Baby bis zu den Großeltern. Einige von ihnen hatten die SOS-Kreuze mitgebracht, fast alle hatten einen gelben, mit dem roten X bedruckten Luftballon in der Hand, der auf Vorschlag der Hebammen zur Ausrüstung der Demo gehörte.

Unverkennbar war auch der Eindruck, dass die Demonstration zwar eine starke Wirkung ausübte, jedoch in einer durchweg moderaten und friedlichen Art und Weise verlief, getragen vom Wunsch, der nordfriesische Kreistag möge sich des Themas Klinikum sachlich und auf Augenhöhe mit der Bevölkerung widmen. Die Niebüller Demo-Teilnehmer taten das Ihre, ihrer Sorge auf vernünftige Art und Weise Ausdruck zu verleihen.

Jetzt wartet ganz Südtondern auf das Ergebnis der „Nachuntersuchung“ der „kaufmännischen Handlungsempfehlungen“ mit dem Ziel, dem Haus Niebüll des Klinikums NF den Garaus zu machen und es in ein „Bettenhaus“ zurückzustufen.

In der Demo und den Anliegen der Bürgerinitiative wird im Grunde nichts anderes gefordert, als gleichwertige Lebensbedingungen für alle Menschen im Lande – also auch für die Menschen im Einzugsbereich der Klinik Niebüll – derzeit 60  000 an der Zahl. Menschlich und medizinisch inakzeptabel wären für sie alternative Wege nach Husum und Flensburg – und unverantwortlich Fahrten im Rettungswagen von einem abgelegenen Unfallort zu eben diesen Krankenhäusern, Fahrten in Krankheits- und Geburtsfällen inbegriffen. Die Demonstration begann im Nebel. Sie endete in strahlendem Sonnenschein. Und damit womöglich auch mit einem Fünkchen Hoffnung?

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erstellt am 28.Feb.2016 | 18:15 Uhr

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