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Nordfriesland Tageblatt

06. Dezember 2016 | 19:00 Uhr

Hörgenuss dank dänischem Duo

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Orgel trifft Trompete: Niels Tilma und Dennis Christoffer Bang Fick haben das letzte Konzert der Saison in Süderlügum gestaltet

Am Anfang war der Dank – zumindest beim letzten von der Kirchengemeinde Süderlügum-Humptrup in der Süderlügumer Marienkirche veranstalteten Konzert der Saison. Jochen Seeger dankte dem Ehepaar Anne-Grete und Carsten Hansen als Orgelspender, der dänischen Orgelbaufirma Marcussen, allen auf dem neuen Instrument tätig gewordenen Musikern sowie den stets zahlreich erschienenen Zuhörern. Sodann stellte er die beiden Musiker des Abends vor: Niels Tilma aus Esbjerg (Trompete), der schon mit vielen berühmten Ensembles aufgetreten ist, und Dennis Christoffer Bang Fick aus Fredericia (Kantor und Organist der Kirche zu Løgumkloster). Um es vorab zu sagen – das Publikum erlebte einmal mehr einen Hörgenuss.

Zum Auftakt erklang eine kraftvolle Fanfare aus der Ouvertüre zur Oper „Atalanta“ von Georg Friesrich Händel, wobei die Trompete den Solopart, die Orgel den Orchesterpart übernahm. Beide agierten gleichberechtigt, indem sie einander die Motive zuwarfen und auf diese Weise reizvolle musikalische Dialoge gestalteten. Das Besondere an der Instrumentalbesetzung war, dass Niels Tilma nicht auf einer normalen Konzerttrompete, sondern auf einer „Naturtrompete“ ohne Ventile oder sonstige Intonationshilfen musizierte. Sein nach barocker Bauart geformtes Instrument zwang ihn, nur mit den „Naturtönen“ auszukommen, die sich erst in extremer Höhe chromatisch aneinander reihen und allein durch Lippenspannung angesteuert werden können.

Dass er es schaffte, auf diese enorm anstrengende Weise auch Läufe in rasantem Tempo zu spielen und sogar Triller und Tonverzierungen aller Art frei von jeglichen Kicksern zu poduzieren, weist auf seine Erfahrungen als Trompeter in historisch konzipierten Orchestern – zum Beispiel im „Amsterdam Baroque Orchestra“ – hin und versetzte seine Zuhörer ins Staunen. In dieser Weise die Werke zu interpretieren, blieb sich das Duo auch bei allen weiteren Werken treu, in denen die Trompete zum Einsatz kam. Besonders eindrucksvoll gelang ihnen die Arie „The trumpet shall sound“ aus dem Oratorium „Messias“ und eine „Suite in D“, beide komponiert von Händel.

Dennis Christoffer Bang Fick nutzte zunächst eine längere, von Heinrich Scheidemann verfasste Folge von „Variationen über ein (choralähnliches) Thema“, um sein spieltechnisches Können als Organist und die klangliche Vielseitigkeit seines Instrumentes aufzuzeigen. Diesen Effekt vertiefte er wenig später noch bei seiner Wiedergabe des dreisätzigen Werkes „Konzert in G“ (BWV 592) von Johann Sebastian Bach. In diesem rahmen zwei schnelle, temperamentvolle Sätze den ruhigen, überwiegend cantabile gestalteten Mittelsatz ein. Besonders intensiv beeindruckte der Organist seine Zuhörer mit einer eigenen Improvisation, die harmonisch als modern, dennoch aber keineswegs als „schräg“ empfunden wurde. Sie zielte darauf ab, die klangliche Vielseitigkeit der Register der Marcussen-Orgel und deren enorme dynamische Spannbreite zur Geltung zu bringen.

Erst beim letzten regulären Konzertbeitrag, dem „Konzert in D“ für Trompete und Orgel vom Johann Sebastian Bach (BWV 972), griff Niels Tilma zu einer Hochton-Ventiltrompete. Bei diesem Werk standen zwei abenteuerlich rasante, hochvirtuose Sätze dem in ruhigen Orgelakkorden daherschreitenden Mittelsatz gegenüber. Das spürbar begeisterte Publikum spendete am Ende stehend Beifall, bis das Künstlerduo noch mit einer Zugabe aufwartete.

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erstellt am 23.Nov.2016 | 15:00 Uhr

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