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Nordfriesland Tageblatt

09. Dezember 2016 | 08:52 Uhr

Niebüll : Höllenglocken und Hüpfeinlagen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Beim zweiten Friesen-Open-Air wurde zu Songs von AC/DC und Jan Delay bis tief in die Nacht gefeiert.

Ein paar Autos rollen Richtung Sylt-Shuttle, ansonsten ist es ruhig rund ums Gewerbegebiet Ost. Ganz ruhig? Nein, vom Parkplatz vor dem Obi-Markt schallt „Take Me Home, Country Roads“. Es ist Sonnabend, 19.45 Uhr: Die Niebüller Cover-Band „Joyride“ steht zum Auftakt des zweiten Friesen-Open-Airs auf der Bühne und spielt gerade ihren letzten Song. In einem Zelt hat sich unterdessen die örtliche Geschäftswelt versammelt und schlemmt – Sponsoren-Freuden. Die normalen Besucher können sich an Buden und Wagen beispielsweise mit Cocktails und Bio-Burgern versorgen. Das ergibt Sinn, denn die letzte Band wird erst tief in der Nacht die Bühne verlassen.

Ab 20.15 Uhr spielt „Fjelding“ aus Dänemark anderthalb Stunden Stadionrock. Von den eingängigen, energetischen Stücken lassen sich anfangs nur zwei junge Männer in „Wacken“-T-Shirts näher Richtung Bühne locken. Mikkel Fjelding, der Kopf der Gruppe, lässt sich davon nicht beirren und unterhält zwischen den Songs immer wieder mit deutschen Ansagen: „Prost! Dankeschön, Friesen! Ich bin heute auch ein Friese.“ Die Charme-Offensive zeigt Wirkung. Vor 20 Leuten hatte Mikkel Fjelding mit seiner Band nach eigenem Bekunden tags zuvor in einem kleinen Club in Hamburg gespielt – in Niebüll hören am Ende Hunderte zu.

Um 22.15 Uhr wird es voll auf der Bühne: „Jam Delay“ spielt eine Tribut-Show, die an die Auftritte des Hamburgers Jan Delay mit seiner Live-Band Disko No. 1 angelehnt ist. Zur üblichen Band-Besetzung gesellen sich eine Bläserfraktion und zwei junge Frauen, die für eine Extra-Portion Soul, Tanz und Animation sorgen. „Eine Hommage an den Meister“ wolle man abliefern, steht auf der Internet-Seite der Gruppe, „ihm huldigen, uns völlig verausgaben“ und dem Zuhörer die Party seines Lebens verschaffen. Dementsprechend legt „Jam Delay“ los: Schon nach wenigen Minuten wird das Publikum an einer kollektiven Hüpfeinlage beteiligt. Und so intensiv geht es weiter. Beim Song „Wacken“ recken viele die zur Pommesgabel geformten Hände in den Himmel. Danach zieht das Jan-Delay-Double Damian Steuer seine Anzugjacke aus: „Jetzt ist das Hemd sowieso komplett durchgeschwitzt, da sieht man die Flecken auch nicht mehr.“ Eine junge Frau zieht ihren langhaarigen, Schwarz tragenden Begleiter vor die Bühne. Tanzen will er offensichtlich nicht. Damit gehört er in diesen Minuten klar zu einer Minderheit. Doch auch für seinen Geschmack steht noch ein Höhepunkt auf dem Programm.

Nach Mitternacht dröhnt Glockenläuten aus den Boxen. Intro für „Black/Rosie“, eine komplett weiblich besetzte AC/DC-Coverband aus Hannover und Wernigerode (Sachsen-Anhalt). „Back In Black“, „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“, „You Shook Me All Night Long“ – die Damen spielen sich äußerst kompetent durch ein Best-of-Programm der australischen Hardrock-Legende. Haare schütteln, Gitarre in die Luft halten, die Faust ins Publikum recken – auch die Posen sitzen. „Habt ihr gewusst, dass heute eine AC/DC-Coverband spielt?“, fragt Sängerin Karo das etwas müde gewordene Publikum. Sie gibt sich die Antwort selbst: „Ne, wir wussten nur, dass ein paar Weiber auf der Bühne stehen ... Also hat auch keiner Leuchthörner dabei?“ Macht nichts, sie hat selbst leuchtende Teufelshörner mitgebracht. Die setzt sie sich zu „Highway To Hell“ auf. Das Finale besteht aus „Thunderstruck“, „T.N.T.“ und dem Song, den schon das Intro angekündigt hatte: „Hells Bells“ (Höllenglocken). So endet kurz nach 2 Uhr das zweite Friesen-Open-Air.

Am nächsten Nachmittag sagt Veranstalter Mike Eichhorn: „Wir haben noch keine endgültigen Zahlen, aber gefühlt war das Friesen-Open-Air wieder ein Erfolg. Wir haben jedenfalls nur positive Rückmeldungen bekommen. Die Gäste freuen sich offenbar, dass so eine Veranstaltung in Niebüll stattfindet.“

Einem Friesen-Open-Air 2017 steht anscheinend nichts im Weg.

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erstellt am 25.Jul.2016 | 14:23 Uhr

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