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Nordfriesland Tageblatt

09. Dezember 2016 | 03:09 Uhr

Kooperation : Gemeinsam um Feriengäste werben

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Gründung einer Lokalen-Tourismus-Organisation soll forciert werden – für Südtondern geht es um Fördermittel von mehr als einer Million Euro

Sie bieten eine große Chance, Fördermittel für die Entwicklung von Tourismusregionen zu generieren – ob für die Aufwertung von Badestellen sowie Hallen- und Freibädern, den Bau oder die Erweiterung von Wegenetzen und Promenaden. Die Rede ist von den Lokalen Tourismus Organisationen (LTOs), zu denen sich Ämter, Gemeinden und Städte zusammenschließen sollen. Seit 2008 ruft das Wirtschaftsministerium in Kooperation mit dem Tourismusverband Schleswig-Holstein (TVSH) dazu auf, Mittel und Kräfte in LTOs zu konzentrieren. Seit 2008 wird auch im Amt Südtondern über den Zusammenschluss zu einer LTO mit dem Amt Mittleres Nordfriesland, der Stadt Husum samt umliegender Gemeinden, der Gemeinde Nordstrand und der Insel Pellworm in verschiedenen Gremien diskutiert – bisher ohne Erfolg. Doch nach längerem Stillstand kommt nun neuer Schwung in den LTO-Prozess. „Aus der Not geboren, denn es geht um viel Geld“, wie Amtsdirektor Otto Wilke auf Nachfrage betont. Allein für das Amt Südtondern steht schon in naher Zukunft ein siebenstelliger Betrag auf dem Spiel. Denn rund zwei Millionen Euro sollen im Zuge der Verstärkung des Landesschutzdeiches in Dagebüll in die touristische Aufwertung investiert werden. Zum Beispiel in barrierefreie Zugänge zum Strand, eine beleuchtete Deichpromenade und einen Veranstaltungsplatz mit landseitiger Tribüne. Eine 55-prozentige Förderung ist möglich – wenn das Amt Südtondern denn Teil einer anerkannten LTO-Region ist.

„Die entsprechenden Förderanträge sind bereits gestellt“, sagt Otto Wilke. Die gilt auch für andere Partner. Anfang Juli wurde während einer Sitzung der künftigen Mitglieder daher vereinbart, für die Gründung der neuen Tourismus-Einheit aufs Gaspedal zu drücken. „Wir wollen bis Ende des Jahres möglichst dicht an die Gründung heranrücken“, sagt der Amtsdirektor. Um Zeit zu sparen, soll diese in einer rechtlich niedrigschwelligen Form erfolgen, als Gesellschaft bürgerlichen Rechts oder als eingetragener Verein und nicht als GmbH mit eigener Geschäftsstelle und Geschäftsführung. Denn die Berechnung und Aufteilung der dafür erforderlichen Kosten würde viel Zeit kosten.

Einst galt die unter dem Arbeitstitel „Nordfriesland“ geführte LTO als eine von vier Pilotregionen im Land. Unter Federführung der Wirtschaftsförderung Nordfriesland wurde bereits im Jahr 2008 ein Handlungskonzept für die künftige Zusammenarbeit in einer Lokalen-Tourismus-Organisation erarbeitet. Doch mittlerweile sind viele Regionen im Land an „Nordfriesland“ vorbeigezogen. Sylt wurde kürzlich von Wirtschaftsminister Reinhard Meyer bereits zur zehnten LTO in Schleswig-Holstein ernannt. „In der Gründung zu sein, reicht nach acht Jahren nicht mehr aus. Wir verfolgen nun strikt den Ansatz, die Anerkennung als LTO als Voraussetzung für den Erhalt von Fördermitteln zu machen“, sagt Meyer.

Doch nicht nur deswegen würde die Mitgliedschaft in einer Lokalen-Tourismus-Organisation für das Amt Südtondern als touristisch geprägte Region Sinn machen. „Denn noch weitere Projekte könnten entwickelt werden. Dazu kämen spürbare Synergieeffekte im Marketing hinzu“, sagt Frank Ketter, Geschäftsführer des Nordsee Tourismus Service (NTS).

Andrea Scheibe vom Nordfriesland-Tourismus mit Sitz in Dagebüll sieht das genauso. Dieser Zusammenschluss der Ämter Südtondern und Nordfriesland Mitte zu einer Marketinggemeinschaft war bereits ein großer Schritt in Richtung LTO. Denn eines ihrer wichtigsten Ziele lautet, Marketingmittel für das gemeinsame Werben um Gäste zu konzentrieren, dadurch eine größere Wirkung und Reichweite zu erzielen. Dies ist zum Beispiel durch gemeinsame Gastgeberverzeichnisse, gemeinsame Online- und Messeauftritte oder Printprodukte möglich.

„Es muss endlich Schluss sein mit dem Kirchturmdenken, für einen zukunftsfähigen und nachhaltigen Tourismus ist das einfach nicht mehr zeitgemäß“, betont Reinhard Meyer. „Das ist aus Sicht unserer Gäste auch unverständlich, denn die ziehen keine Grenzen zwischen Ämtern oder gar einzelnen Orten. Und egal, in welchem Ort ihre Quartiere liegen, fast alle Urlauber unternehmen Ausflüge in die Umgebung oder gehen auch mal im Nachbarort essen“, bestätigt Otto Wilke.

Das unterstreicht auch Frank Ketter, er gibt aber zu bedenken, dass es sich in Nordfriesland um ein heterogenes Gebiet handelt: Das Amt Südtondern mit seiner Nähe zu Dänemark, die Stadt Husum, die Halbinsel Nordstrand und die Insel Pellworm – „das muss man alles erstmal unter einen Hut bekommen“. Aus dieser Komplexität resultierte die Überlegung, aus dem Gebiet zwei LTOs zu schneidern, eine davon mit der derzeitigen Fläche des Nordfriesland-Tourismus. Doch dieses Gebiet erreicht die geforderte marktfähige Größe nicht. Diese wird unter anderem durch 7000 Gästebetten (in Betrieben mit mehr als neun Betten) und einem jährlichen Marketing-Budget von 400  000 Euro definiert. „Mit Blick auf die erforderliche Konzentration ist es aber schon ein großer Fortschritt, für diese Marketingplattform zwei Ämter statt gut 50 Gemeinden als Gesellschafter zu haben“, betont Otto Wilke. 

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erstellt am 30.Aug.2016 | 06:00 Uhr

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