zur Navigation springen

Nordfriesland Tageblatt

11. Dezember 2016 | 13:06 Uhr

Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Misshandlungen sind auch in Südtondern Thema: Eine Aktionswoche soll Aufmerksamkeit schaffen und Betroffene ermutigen, Hilfe zu suchen

Weihnachten gilt allgemein als das Fest der Liebe – und paradoxerweise auch als eine Spitzenzeit für häusliche Gewalt. „Keine Zeit im Jahr verbringen die Familienangehörigen so intensiv miteinander wie die Feiertage“, sagt Sylke von Kamlah-Emmermann. Gewalt im familiären Umfeld: Was für Experten wie Südtonderns Gleichstellungsbeauftragte ein offenes Geheimnis ist, darüber schweigen Betroffene viel zu oft. „Auch im Jahr 2016 trauen sich Frauen nicht aus der Deckung, schweigen aus Scham oder reden sich sogar ein, versagt zu haben.“ Deshalb sei es umso wichtiger, auf das Thema aufmerksam zu machen.

Seit vergangenem Freitag weht vor dem Gebäude des Amts Südtondern eine leuchtendblaue Fahne mit der Aufschrift: „Nein zu Gewalt an Frauen – Frei leben ohne Gewalt“. Die Fahne ist Teil der Aktionen rund um den „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“, der immer am 25. November stattfindet. „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ heißt eine andere Initiative, die auch in Südtondern Bewusstsein für dieses schwierige Thema schaffen soll. Gefüllt sind die Tüten mit Brötchen und – am wichtigsten – Kontaktdaten von Stellen in Südtondern, bei denen Betroffene Hilfe erhalten, wenn ihnen Gewalt geschieht.

Neben Sylke von Kamlah-Emmermann und Lene Kuhlhoff vom Frauennotruf haben gestern Verantwortliche vom Diakonischen Werk, Kinderschutzzentrum Westküste, Weißem Ring und der Frauenberatung sowie Beamte des Niebüller Polizeireviers vor der Ausgabestelle der Tafel Südtondern und dem Edeka-Markt Brötchentüten verteilt, um möglichst viele Menschen zu erreichen, denn: „Gewalt findet in allen Gesellschaftsschichten statt.“ Gesponsert wird die Aktion vom „Deezbüller Bäcker – Sönke Petersen“.

„Man merkt die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen. Viele, auch Männer, haben gestern gesagt: ,Wir finden gut, dass ihr das macht‘“, berichtet Südtonderns Gleichstellungsbeauftragte. Mit den Tüten könne nur ein Blitzlicht gesetzt werden. „Wir zeigen, dass wir vernetzt sind und wollen Betroffene ermuntern, sich Hilfe zu holen.“ Gewalt an Frauen sei auch im ländlichen Bereich Südtonderns ein Thema. „Die Hilfsangebote vor Ort werden – leider – frequentiert.“ In Südtondern würden Frauen und Kinder, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, mit vielfältigen Beratungs- und Hilfsangeboten unterstützt und sehr ernst genommen. Von Kamlah-Emmermann: „Kein Mensch muss sich Gewalt gefallen lassen, denn Gewalt ist ein Straftatbestand.“

Auch für die Selbstbehauptungskurse, die in Kooperation von Gleichstellungsbeauftragter, Weißem Ring und Polizei angeboten werden, sei die Nachfrage groß. Der Kursus für Januar sei bereits ausgebucht, sowohl junge Frauen als auch Teilnehmerinnen um die 70 seien dabei.

Deshalb gehen die Aktionen rund um den Tag gegen Gewalt weiter: Heute Abend, 18 Uhr, wird im Deli-Kino in Leck in Kooperation mit dem Westküstenbündnis Queer anlässlich der Aktionswoche der Film „The Danish Girl“ gezeigt. Morgen Vormittag werden auch in Leck Brötchentüten vor Edeka und der Südtondern Tafel verteilt. Einen Vortrag mit anschließender Diskussion gibt es am Freitag, 25. November, 19 Uhr, in der Nordsee-Akademie in Leck. Shazia Chaudhry, praktizierende Muslima mit indischen Wurzeln und Master-Studentin an der Kieler Universität, möchte zusammen mit den Besuchern vorherrschende Vorurteile hinterfragen. Der Vortrag ist kostenpflichtig, da auch ein Imbiss gereicht wird. Anmeldungen werden unter Telefon 04661/601431 erbeten.










zur Startseite

von
erstellt am 10.Nov.2016 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen