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Wettbewerbsnachteil kostet Kunden : Gefährdet die Energiewende Jobs?

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Hohe Investitionen zwingen die Netz AG in Niebüll im Vergleich zu anderen Anbietern zu höheren Entgelten.

Ungerecht für die Kunden und ungerecht fürs Unternehmen – das sind nach Einschätzung von Peter Grau, Betriebsratsvorsitzender des nördlichen Bezirks der SH Netz AG, die Ungleichbehandlung verschiedener Anbieter bei den Netznutzungsentgelten. Könnten diese und damit indirekt die Energiewende im nördlichen Nordfriesland zum Verlust von Arbeitsplätzen führen? Die Frage war Thema einer Diskussionsrunde, zu der Arbeitgebervertreter und Sönke Nissen, Geschäftsführer der Netz-AG in Niebüll, den auf Sylt lebenden Bundestagsabgeordneten Ingbert Liebing nach Niebüll eingeladen hatten.

„Investitionskosten gibt es vor allem hier im Norden, auch hier im nördlichen Nordfriesland. Diese müssen wir im Gegensatz zur Konkurrenz aus anderen Teilen Deutschlands auf unsere Entgelte umlegen“, sagt Peter Grau. Folge: Die Netz AG könne mit den Niedrigpreisen anderer Anbieter nicht mithalten. So lägen die Netznutzungsentgelte für die Netz AG derzeit bei elf Cent, bei anderen Anbietern aber nur bei sechs Cent pro Kilowattstunde. „Wir sind für den Wettbewerb, wir kämpfen um jeden Kunden, aber wir verlieren durch diese Ungerechtigkeit aber natürlich einige“, sagt Grau. Und oft würden die Mitarbeiter von einem neuen Betreiber nicht übernommen.

Was könnte die Entgelt-Lücke von fünf Cent schließen? „Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann eine gerechte bundesweite Umlegung der Investitionskosten“, sagt der Betriebsratsvorsitzende. „Für Schleswig-Holstein wäre es schon ein großer Schritt, wenn es eine Angleichung der Entgelte für Land und Stadt geben würde“, sagt Dirk Lucht, Netz AG-Experte für Konzessionsverträge und Ansprechpartner für die Kommunen. „Schon die Diskussion über bundesweit gerechte Übertragungsentgelte gestaltet sich sehr schwierig, für Verteilungsentgelte halte ich das derzeit für unmöglich“, sagt Ingbert Liebing.

Ein weitere Sorge, die die Mitarbeitervertreter dem CDU-Politiker mit auf den Weg geben, ist die derzeitige Planungsunsicherheit, verursacht durch die neue Überplanung des Landes mit Blick auf die Windkraft. Dabei entsprechen die ehemaligen Eignungsflächen oft nicht den neuen Vorranggebieten für Windenergie. „Paradoxerweise sind einige der windreichsten Flächen an der Westküste Nordfrieslands aus der Planung heraus genommen worden“, kritisiert Thomas Johannsen, der für die Netz AG im Norden alle großen Netzwerkbetreiber betreut. Dafür seien neuen Flächen im Landesinneren ausgewiesen worden.

„Wir können nicht weiter in den Netzwerkausbau gehen, schon getätigte Investitionen könnten umsonst gewesen sein. Vielleicht sollten wir die neuen Transformatoren von Niebüll lieber auf den Geestrücken umsetzen“, sagt Johannsen. „Die Kritik an dieser Entwertung von Infrastruktur ist mehr als berechtigt“, betont Ingbert Liebing. Vor allem mit Blick auf die Folgen. Denn die vielleicht sinnlosen Investitionskosten müsste die Netz AG ebenfalls auf die Entgelte umlegen. „Dadurch verschärft sich die Ungerechtigkeit und die Sorge um die Arbeitsplätze“, sagt Grau. Sönke Nissen betont, dass es wichtig sei, dass die die durch Investitionen möglich gemachte Energie-Gewinnung endlich auch abfließen kann: „Alls Umspannwerke sind gebaut, alle Windparks angeschlossen. Nun muss die Energie über diese Auffahrten auch auf die Autobahn kommen.“ 
 

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erstellt am 08.Apr.2017 | 04:24 Uhr

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